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Die historischen Rasseln und Pfeifen dienten als Spielzeug, aber auch als Grabbeigaben.

Kultur

Ausstellung in Hanau beschäftigt sich mit Spieltrieb in der Antike

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In Hanau gibt es eine Sonderausstellung im Schloss Steinheim.  

Nachziehspielzeug war schon vor 2000 Jahren beliebt. Viele Kinder im gesamten römischen Reich zogen einen „Rosshahn mit Reiter“ hinter sich her, der auf das zweite Jahrhundert nach Christus datiert wird und in Serie hergestellt werden konnte. Formvollendet ist die kleine Figurengruppe aus gebranntem Ton – und ambivalent: Während der Rosshahn ein dämonisches Mischwesen mit Pferdekopf und Hahnenschwanz ist, handelt es sich bei dem Reiter mit Kapuzenumhang wohl um den kindlichen Heilsgott Telesphoros, einem liebevoll wirkenden Schutzgott, der Genesung fördert.

Dieses und rund 50 weitere Exponate präsentiert von diesem Samstag an die neue Sonderausstellung „Spielsachen Glücksbringer Opfergaben“, bei der ausgewählte Objekte der Antike des Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseums „zu Besuch“ im Museum Schloss Steinheim sind. Das unweit des Mains gelegene Haus widmet sich vor allem der regionalen Archäologie.

Pfeife Sauggefäße und Keramikbehälter in Hanau

Ein Teil der ausgestellten Dinge stammt aus Kindergräbern. In einem der Gräber wurden Knochen von einem drei- bis vierjährigen Mädchen oder Jungen gefunden, in einem anderen deutete eine Art Rassel als Beigabe darauf hin, dass hier höchstwahrscheinlich ein Kind bestattet worden war. Wobei die Rassel durchaus verschiedene Deutungen zulässt und – wie bereits der Ausstellungstitel impliziert – mehrere Funktionen hatte: Sie kann nicht nur als Spielzeug gedient haben, sondern zum Beispiel auch dazu, böse Geister zu vertreiben und die Totenruhe zu sichern, erklärt Sabine Küppers, die das Museum Schloss Steinheim führt: „Diese Interpretationsvielfalt, bei der die Grenzen verschwimmen, wollen wir zeigen.“

Unter dem Titel „Spielsachen Glücksbringer Opfergaben“ sind im Museum Schloss Steinheim ab Samstag, 8. Juni, bis 22. März 2020 ausgewählte Objekte des Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseums zu sehen.

Das Museum ist auf regionale Archäologie und Steinheimer Stadtgeschichte spezialisiert und samstags sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Außerdem werden etwa Pfeifen, Sauggefäße und Keramikbehälter, die Nahrung für die Reise ins Jenseits transportieren sollten, sowie Knabenbüsten und Tanzpuppen mit beweglichen Gliedern gezeigt. Mit letzteren wurde gespielt, sie sollten aber zugleich den „Übergang vom Mädchen zur Frau“ symbolisieren. Zu den Fundorten zählen die Hanauer Stadtteile Steinheim und Großauheim, Nidderau, Großkrotzenburg, Griechenland und Sizilien. Das Spielzeug wird zusammen mit archäologischen Funden in Szene gesetzt, trete mit ihnen, so Küppers, in einen Dialog und ermögliche eine andere Wahrnehmung. Es vermittelt einen Eindruck von früheren Lebensweisen und verdeutlicht, dass Spielen schon damals eine Gemeinsamkeit verschiedener Kulturen war, die sich gegenseitig beeinflussten.

Kooperation ist das neue Konzept in Hanau

Die Kooperation zwischen dem Puppen- und Spielzeugmuseum gehört zu einem neuen Konzept in Hanau. Victoria Asschenfeldt, Leiterin der kürzlich geschaffenen städtischen Stabsstelle „Profil und Sammlungsstrategie der Hanauer Museen“, möchte, dass die Einrichtungen stärker zusammenarbeiten und die Exponate in neue Zusammenhänge gestellt werden. Die Objekte sollen „miteinander ,ins Gespräch gebracht‘ werden“, sagt Asschenfeldt, die gleichzeitig weiter das in Wilhelmsbad beheimatete Puppen- und Spielzeugmuseum leitet. Mit ihrem Team macht sie gerade unter anderem eine Inventur aller Museumsbestände und erfasst sie digital, auch um sie bald neu präsentieren zu können.

Zur aktuellen Sonderausstellung in Steinheim gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, bei dem kleine und große Besucher beispielsweise römische Tonlampen formen oder antike Glücks- und Geschicklichkeitsspiele ausprobieren können. Damals wurde mit Astragalen gespielt. Das waren Sprungbeine aus den Hinterbeinen etwa von Schafen oder Ziegen. Was nach welchen Regeln einst gespielt wurde, soll in einem Begleitheft zur Ausstellung dargestellt werden. Sie solle nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Mitmachen und Nachspielen einladen, sagt Küppers.

Weitere Infos: www.museen-hanau.de

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