Hildegard Geberth leitet seit einem Jahr die Geschicke des Sozialdienstes katholischer Frauen.
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Hildegard Geberth leitet seit einem Jahr die Geschicke des Sozialdienstes katholischer Frauen.

Hanau Frauen

Schwangere kommen oft zu spät

  • Uta Grossmann
    vonUta Grossmann
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Der Sozialdienst katholischer Frauen sucht neue Räume in Hanau. Die Zahl der Schwangeren und der Mütter, die dort Hilfe suchen, steigt.

Der Sozialdienst katholischer Frauen sucht neue Räume in Hanau. Die Zahl der Schwangeren und der Mütter, die dort Hilfe suchen, steigt.

Der Sozialdienst katholischer Frauen in Hanau braucht mehr Platz. Und mehr Personal. Immer mehr Menschen, in aller Regel Schwangere und junge Mütter, kommen in die Beratungsstelle im Lioba-Haus. 568 waren es 2012. Einige kamen mehrmals, sodass die Zahl der Beratungen von 919 im Jahr 2011 auf 1310 in 2012 stieg.

Nicht genug Platz

Die Räume im Lioba-Haus reichen längst nicht mehr aus. Neben den Beratungsräumen sind dort das Café Lioba und der Minis-Basar untergebracht, in dem die Klientinnen für wenig Geld gebrauchte Babysachen, Spielzeug und Mobiliar für eine Kinderausstattung kaufen können. Außerdem hat das mehrstöckige Gebäude viele Treppen – gerade für Hochschwangere und Mütter mit kleinen Kindern ein Problem.

Weil immer mehr Frauen beim SkF Hilfe suchen, hat die Vorsitzende Hildegard Geberth eine zusätzliche Teilzeitstelle erkämpft. Nun sucht der Verein händeringend nach einer Sozialpädagogin, möglichst mit Erfahrung in Familienarbeit, die 15 Stunden wöchentlich das vierköpfige Beraterinnen-Team ergänzt. Die Bewerberin sollte Katholikin sein, denn der SkF ist eine Einrichtung der katholischen Kirche und wird vom Bistum Fulda getragen. Für die Ratsuchenden ist die Religion unerheblich. In Hanau stammen 60 Prozent aus Einwandererfamilien, viele sind Muslime.

Schwangere, die sich mit dem Gedanken an eine Abtreibung tragen, kommen selten zum SkF (2012 waren es zwei, 2011 fünf). Seit die katholische Kirche auf Weisung des Vatikans keine Beratungsscheine für eine straffreie Abtreibung mehr ausstellen darf, gehen Schwangere, die in einem solchen Konflikt stecken, gleich zu Pro Familia.

An den SkF wenden sich Frauen in finanzieller Not. Der Verein kann Soforthilfen aus Mitteln des Bistums Fulda gewähren, zum Beispiel Lebensmittelgutscheine für einen Discounter und Gutscheine für Babynahrung und Windeln für einen Drogeriemarkt. Außerdem beantragt er bei der Bundesstiftung Mutter und Kind und beim Bischöflichen Hilfsfonds Geld, damit wirtschaftlich schlecht gestellte Frauen die Erstausstattung für das Baby oder die Betreuung des Kleinkinds bezahlen können. „Die meisten Frauen kommen viel zu spät“, sagt Hildegard Geberth. Aus Scheu. Oder weil sie nichts von dem Angebot wussten.

Viel ehrenamtliche Arbeit

Seit eineinhalb Jahren ist Geberth ehrenamtlich geschäftsführende Vorsitzende des SkF Hanau. Die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin, CDU-Politikerin und Juristin im Ruhestand sagt: „Der Verein passt zu mir.“ Genau wie die Gründerin des Sozialdienstes, Agnes Neuhaus, findet Hildegard Geberth die Fürsorge für notleidende Mädchen und Frauen wichtig. Die Geschäftsführung sei zwar mit viel Arbeit verbunden, doch die Katholikin und fünffache Mutter kann sich mit der Aufgabe gut identifizieren.

Besonders am Herzen liegen ihr die Familienpaten, ein gemeinsames Projekt von SkF, Stadt Hanau und der Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Dabei entlasten Ehrenamtliche junge Familien, helfen bei alltäglichen Problemen und passen auch mal auf die Kinder auf, damit die Eltern sich erholen können.

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