Hanau Schulen

Schrumpfkur für Schulen

  • Uta Grossmann
    vonUta Grossmann
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Das notorisch klamme Hanau muss sparen. Das bekommen die Schulen der Stadt zu spüren. Die Tümpelgarten-Schule wird ihre Sekundarstufe 1 verlieren und zur reinen Grundschule. Grund für den radikalen Schnitt ist die Entwicklung der Schülerzahlen.

Das notorisch klamme Hanau muss sparen. Das bekommen die Schulen der Stadt zu spüren. Die Tümpelgarten-Schule wird ihre Sekundarstufe 1 verlieren und zur reinen Grundschule. Grund für den radikalen Schnitt ist die Entwicklung der Schülerzahlen.

Für die Tümpelgarten-Schule wird es bitter. Wenn die Vorschläge des Hanauer Bildungs- und Sozialdezernenten Axel Weiss-Thiel (SPD) den Segen von Magistrat und Stadtverordneten erhalten, wird die Haupt- und Realschule im Stadtteil Lamboy ihre Sekundarstufe 1 verlieren und zur reinen Grundschule.

Gründe für den radikalen Schnitt sind zum einen die Entwicklung der Schülerzahlen und zum anderen die Sparzwänge des Entschuldungsfonds, dem das notorisch klamme Hanau sich angeschlossen hat. Weiss-Thiel hat die Idee in die Leitlinien für den Schulentwicklungsplan 2014 bis 2018 für weiterführende Schulen aufgenommen und bereits dem staatlichen Schulamt, den Schulleitern und der Schulkommission vorgestellt. Wenn der Magistrat zustimmt, werden die Stadtverordneten darüber diskutieren. Mit einem Beschluss ist erst im neuen Jahr zu rechnen.

Überkapazitäten abbauen

Weil im jüngsten Schulentwicklungsplan deutlich höhere Schülerzahlen insbesondere für die Hauptschulen prognostiziert worden waren, sind Überkapazitäten entstanden. Die sollen durch den Wegfall der Sekundarstufe 1 an der Tümpelgarten-Schule abgebaut werden.

Zudem plant Weiss-Thiel den Mietvertrag für die Dependance Lamboystraße, der bis 2019 läuft, nicht zu verlängern. Durch die Umwandlung der Tümpelgarten-Schule in eine reine Grundschule wäre die dringend notwendige Sanierung für sieben Millionen Euro zu haben, in der jetzigen Konstellation wäre die doppelte Summe nötig.

Wenn die Umwandlung in eine Grundschule beschlossen wird, laufen die bestehenden Haupt- und Realschulklassen aus. Vom Schuljahr 2015/2016 an wird es dann keine fünften Klassen mehr geben.

Nach Berechnungen des Schuldezernats reichen die bestehenden Hauptschulklassen am Schulzentrum Hessen-Homburg, an der Otto-Hahn- und der Eppsteinschule aus, auch die Schüler der Tümpelgarten-Schule aufzunehmen. Als Perspektive schwebt dem Dezernenten Weiss-Thiel ein Bildungszentrum Tümpelgarten-Schule vor: eine Grundschule mit angeschlossener Kindertagesstätte und einer Ganztagsbetreuung für Kinder von „Null“ bis zehn Jahre.

Weiss-Thiel ist klar, dass die Tümpelgarten-Schule von den Plänen alles andere als begeistert ist. Schließlich wäre die Reduktion ein drastischer Kurswechsel. 2008 hatte sich die Schulgemeinde für eine Umwandlung in eine integrierte Gesamtschule entschieden. Die Stadt unterstützte das, das Kultusministerium verweigerte die Genehmigung. Dagegen klagte die Stadt. Vor einem Jahr wies das Frankfurter Verwaltungsgericht die Klage ab.

Für die Gymnasien hält Weiss-Thiel eine Begrenzung der Schüler von außerhalb Hanaus für denkbar. Derzeit sind nur 46 Prozent der Gymnasiasten Hanauer, die restlichen 54 Prozent kommen aus anderen Kommunen des Main-Kinzig-Kreises oder aus dem nahen Bayern. Zwar erhält Hanau für Schüler von außerhalb Gastschulbeiträge von den jeweiligen Schulträgern, etwa dem Main-Kinzig-Kreis. Doch nach Auskunft von Weiss-Thiel decken sie nur 37 bis 40 Prozent der Kosten, die vor allem für die Schulgebäude anfallen.

Weitere Konsequenzen des Entschuldungsfonds sind die Begrenzung der Hanauer Gymnasien auf die derzeitige Flächenkapazität, auch nach einem Wechsel von G8 zu G9, die Deckelung des laufenden Schulbudgets und die Konzentration auf Bauerhaltung.

Priorität für Rehbein-Schule

„Orangene 70er-Jahre-Fliesen auf Schultoiletten reichen dann für die Begründung einer Sanierung nicht mehr aus“, so Weiss-Thiel. Geplante Investitionen müssen zeitlich gestreckt werden. Priorität hat dabei die Fertigstellung der Sanierung der Karl-Rehbein-Schule. Der neue Schulentwicklungsplan für weiterführende Schulen soll im Herbst 2014 vorliegen.

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