Hanau

Revolutionärer Bildhauer aus Großauheim

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Mit seinen Tierplastiken gehört August Gaul zu den Wegbereitern der Moderne. Zu seinem 150. Geburtstag wird er in Hanau mit einem großen Jubiläumsprogramm geehrt.

August Gaul ist schwer zu fassen. Ein großer Künstler, der vermeintlich gegensätzliche Eigenschaften und Ansätze vereinte: Er fertigte Werke von monumentaler Größe und im Kleinstformat. War seinem Geburtsort Großauheim eng verbunden und strebte nach Rom und Berlin, um sich weiterzuentwickeln. Wurde traditionell zum Modelleur sowie Ziseleur ausgebildet und war Teil der Avantgarde. Sich auf Plastiken von Tieren zu konzentrieren und auch noch Nutz- und Haustiere abzubilden, war revolutionär.

Vor 150 Jahren wurde Gaul geboren. Anlässlich des Jubiläums ehrt ihn die Stadt Hanau mit einer ganzen Reihe von Ausstellungen, Veranstaltungen, dem Theaterstück „Gaulchen, Paulchen und Tilla“ sowie einem Denkmal auf dem zentralen, neu gestalteten Rochusplatz im Stadtteil.

Anlässlich des 150. Geburtstags des in Großauheim geborenen Bildhauers August Gaul schafft der Aachener Künstler Matthias Kohn auf dem Rochusplatz ein Denkmal für diesen.

Derzeit läuft im Museum Großauheim die Schau „Matthias Kohn. Fährte“, die Werke von Kohn, seinen Denkmalentwurf und Parallelen zu Gaul zeigt.

Ab dem 19. Oktober wird hier die Gaul-Sonderausstellung „Bildhauer der Berliner Avantgarde“ zu sehen sein.

Am 26./27. Oktober , 19 Uhr, wird in der Lindenauhalle die Komödie „Gaulchen, Paulchen und Tilla“ aufgeführt.

Der Sohn des Steinmetzen Philipp Gaul und dessen Frau Katharina zog 1888 nach seiner Ausbildung an der Zeichenakademie nach Berlin, verfeinerte seine Fähigkeiten an der Akademie der Künste und gründete die Berliner Sezession mit. Mit Max Liebermann und Paul Cassirer wurde der Großauheimer Wegbereiter und prägende Figur der Moderne. Einige seiner Kunstwerke werden zu den herausragenden Plastiken des 20. Jahrhunderts gezählt, darunter die „Große Stehende Löwin“, die während der Secessions-Ausstellung 1901 für Aufsehen sorgte, die Wisent-Skulpturen an der Kieler Kunsthalle oder der Fischotterbrunnen für die Villa Liebermann in Wannsee. Gauls akademische Laufbahn war ebenfalls von Erfolg gekrönt: 1908 wurde der dreifache Vater zum Professor der Akademie ernannt, kurz vor seinem Tod zum Senator.

„Ich will gar nicht die Natur pedantisch imitieren, sondern das Typische und ihren seelischen Kern festhalten“, hat Gaul einmal gesagt und hinzugefügt: „Was mich bei den Tieren anzieht, ist ganz wesentlich künstlerischer Art. Ich mache Tiere, weil es mich freut.“ Diese Sätze begeisterten den Künstler Matthias Kohn und inspirierten ihn, am Wettbewerb für das Denkmal teilzunehmen, der dem Sieger ein Budget von 30 000 Euro zur Verfügung stellt. Gaul sei ein großer handwerklicher Könner und Ästhet, gleichzeitig modern und nicht zu verkopft gewesen, sagt Kohn, der eine Lehre zum Steinbildhauer machte und dann Design studierte. Der Aachener setzte sich gegen 61 Mitbewerber aus dem In- und Ausland durch, mit seinem Entwurf „Begegnungen“: Das Werk wird aus einem tonnenschweren, um einen Baum angeordneten Ring aus Beton bestehen, an dem sich Silhouetten von Gauls Tieren abzeichnen, etwa Enten, ein Pinguin und eine Katze. Er habe etwas schaffen wollen, das auf Gaul und dessen Arbeit verweise, so Kohn. Ein wesentlicher Teil davon sei Gauls Kunst für den öffentlichen Raum, zum Beispiel die Brunnenobjekte. Kohns Denkmal für Gaul soll ein Ort der Begegnung werden, zum Sitzen, Entspannen, Austauschen einladen – und damit auch der geselligen Seite des Großauheimers entsprechen. Die Jury und OB Claus Kaminsky (SPD) als Kulturdezernent heben den „zeitgemäßen, kommunikativen“ Ansatz hervor.

Humorvoll wird es in der von Sabine Laber-Szillat, der Vorsitzenden des Geschichtsvereins Großauheim, geschriebenen Komödie zugehen: Paul „Paulchen“ Cassirer, Berliner Kunstmäzen und Förderer des Bildhauers, fährt mit seiner Tilla Durieux, einer Schauspielerin, zu „Gaulchen“ nach Großauheim, um ihn für ihre Hochzeit als Trauzeugen zu gewinnen. Sie reisen in einem „Imperia“ und wollen eigentlich nur kurz bleiben. Doch die Gaspedalrückholfeder des Autos macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Und so kommt es zu interessanten und lustigen Begegnungen zwischen der Berliner Kunstszene und dem industriell geprägten Großauheim.

Das komplette Programmsteht auf www.museum-großauheim.de.

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