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Von oben sieht man mehr, etwa im historischen Riesenrad.

Hanau 

Hanauer Bürgerfest: Regenwetter verkürzt Wartezeit

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Herbstliches Wetter trübt die Bilanz am letzten Tag des Bürgerfestes in Hanau. Mehr als 60 Vereine betreiben die Stände und Festzelte und bieten Newcomern eine Bühne.

Nieselregen in unterschiedlichen Schüben benetzt die Mainwiese, die unter der Trockenheit der vergangenen Wochen gelitten hat. Leicht genervt wirkt die Stimme aus dem Lautsprecher, die die Nummer vier zum wiederholten Mal auffordert, „zwei Schläge zurückzurudern“, um mit den anderen Drachenbooten auf einer Startlinie zu sein. Die am Ufer stehenden Begleiter der teilnehmenden Teams stimmen sich aufs Anfeuern ein. Einige Meter flussabwärts herrscht hingegen Gelassenheit. Eine Frau im roter Jacke sitzt unbeeindruckt vom Wetter allein in der Schiffschaukel und genießt offensichtlich ihre Wellenfahrt.

Die von einem auf den anderen Tag hereinbrechende Herbstwitterung hat das Hanauer Bürgerfest am Samstagnachmittag jedoch nicht zu einem verlassenen Ort gemacht. Mit Schirm, Regenjacke und einer Portion Trotz gegenüber dem Wetter kommen die Besucher auf die Festmeile entlang des Parks von Schloss Philippsruhe. Ein Ansturm auf die Festzelte der mehr als 60 Vereine aus allen Stadtteilen bleibt zumindest am Nachmittag aus. Einige Zelte füllen sich gleichwohl gut, bei Live-Musik oder Vorführungen etwa von Tanzschulen. Die Betreiber von Getränke- und Essensständen haben keinen Grund, in Hektik zu verfallen. Kurze Warteschlangen bilden sich vereinzelt, auch an der Pommesbude, deren Frittierware angeblich süchtig machen sollen. „Um diese Zeit ist normalerweise Familienzeit und das Geschäft läuft gut“, sagt die Frau im Tresenwagen der VFR Kesselstadt. So aber hat sie Zeit, mit ihrer Kollegin und Thorsten Wolter zu schwatzen. Wolter organisiert in dem Sportverein den Auftritt beim Bürgerfest, das 1958 Oberbürgermeister Heinrich Fischer den Bewohnern schenkte, um sich für den Wiederaufbau nach dem Krieg zu bedanken. „Für den Theken- und Zeltdienst sind 50 Leute eingeteilt worden“, sagt Wolter. Hinzu komme die Arbeit für den Auf- und Abbau.

Wolter ist auch dafür zuständig, dass ab dem späteren Nachmittag Live-Musik geboten wird. „Wir haben Bands aus der Region, auch die einen oder anderen Newcomer. Für die ist das Fest eine tolle Chance, vor Publikum aufzutreten“, sagt er.

Eine ähnliche Zufriedenheit zeigt sich am Stand eines Vereins, der sich Frohsinn in seine Statuten geschrieben hat, der Hanauer Carnevalzug Verein. Aus einer Musikanlage dringen Lieder im Schunkelrhythmus und mit Aufruf zum Spaß haben durch die trübe, feuchte Luft. Zwei ältere Herren betreuen den Getränkestand, dem sich ein kleines Zelt anschließt. „Das Wetter kann man nicht ändern“, sagt der bärtige von ihnen. „Am Freitag bei der Eröffnung war es annehmlich und der Umsatz auch“, sagt er. Anders als die kommerziellen Beschicker müssten die Vereine keine Verluste befürchten, nicht zuletzt weil an den Ständen und in den Festzelten der Vereine Ehrenamtliche Dienst schieben.

Der Mann mit dem grauen Bart erzählt, er vertrete seit mehr als 50 Jahren seinen CZV beim Bürgerfest, als die Budenstadt der Vereine noch im Schlosspark aufgeschlagen wurde. „Der Montag war immer ein starker Tag. Dann hatten die Firmen in Hanau geschlossen und nach dem Feuerwerk um 22 Uhr haben die Leute bis halb eins im Zelt gestanden. Da war der Teufel los“, sagt der Mann. Seit Jahren ist jedoch der Sonntag der letzte Tag, vielleicht auch, weil heute wohl kaum ein Betrieb seinen Mitarbeitern fürs Bürgerfest freigeben würde.

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