Hanau

Rechenzentrum in Hanau braucht doppelt so viel Strom wie ganze Stadt

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Die Pläne für das Großprojekt in der Großauheim-Kaserne werden konkreter, doch es gibt noch enorme Herausforderungen.

Fünf 190 Meter lange und 60 Meter breite Hallen, zweistöckig und etwa 20 Meter hoch, mit einer Geschossfläche von insgesamt 120 000 Quadratmetern – so groß soll das geplante Rechenzentrum auf dem Areal der früheren Großauheim-Kaserne werden. Es wäre damit eines der größten in Europa.

Im städtischen Struktur- und Umweltausschuss hat das Unternehmen P3 Logistic Parks kürzlich seine konkretisierten Pläne für das „Daten Campus Center“ vorgestellt. Die europaweit tätige Logistikfirma will die Gebäude an Großkunden vermieten, die dann dort ihre Server einrichten können. Im vergangenen Jahr hatte das Stadtparlament das Vorhaben mit dem sogenannten Aufstellungsbeschluss auf den Weg gebracht. Es bleibt noch sehr viel zu tun: So muss die Kaserne unter anderem komplett zurückgebaut und dekontaminiert werden, was im dritten Quartal dieses Jahres beginnen und schon zum Teil abgeschlossen sein sollte. Das Bauverfahren ist komplex, deshalb gab es Verzögerungen. Einst wurden die Hallen und Verwaltungsgebäude hier von den US-Amerikanern als Lager und für Reparaturarbeiten genutzt.

Die Großauheim-Kaserne in der Nähe des Kraftwerks Staudinger ist das letzte große Gelände in Hanau, das nach dem Abzug der US-Armee noch frei ist. Die Fläche beträgt 38,5 Hektar.

Ursprünglich sollte hier Logistik angesiedelt werden. Aber die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die die früheren US-Militärflächen verwaltet, und die Stadt lehnten dies wegen der Verkehrs- und Umweltbelastung ab. gha

Der Magistrat hat die Pläne für das Rechenzentrum schon gelobt, auch weil er sich davon rund 300 Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und vergleichsweise geringe Emissionen verspricht.

Allerdings werden derlei Großprojekte von Umweltexperten kritisiert, besonders wegen der Versiegelung von Flächen, für die ein Ausgleich geschaffen werden soll, und der benötigten Strommenge. Diese wird für das Rechenzentrum auf 180 Megawatt pro Jahr beziffert – doppelt so viel, wie die ganze Stadt braucht.

Daher soll auf dem Gelände mit Hilfe der Stadtwerke und der Hanau Netz GmbH ein Umspannwerk mit fünf Großgeneratoren gebaut werden, die mit der Hochleistungsstromtrasse verbunden sind. Pro Gebäude sind zudem 24 mit Diesel betriebene Notstromaggregate vorgesehen.

Eine Herausforderung ist die Kühlung. In den Hallen muss es stets kälter als 27 Grad sein, vor allem wegen des Brandschutzes, bei dem P3 höchste Standards verspricht. Es soll energiesparend gekühlt werden, indem Luft von außen in die Bauten geleitet wird. Im Sommer wird die Firma jedoch Kühlwasser einsetzen.  

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