Main-Kinzig

Reaktion auf den Schüler-Boom

  • Jochen Dietz
    vonJochen Dietz
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Der Kreis und die Stadt Hanau wollen Investitionspläne im Schulbereich korrigieren und mehr investieren. Die Städte und Gemeinden müssen dafür mehr Schulumlage zahlen.

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau reagieren auf die Zahlen der Bertelsmann-Stiftung, nach denen in den kommenden Jahren mit einem Schüler-Boom zu rechnen sei. Erheblich mehr Kinder werden dann zur Schule gehen, als bislang prognostiziert. Während die Kultusministerkonferenz von etwa 7,2 Millionen Schülern ausgehe, sei, so die Bertelsmann-Stiftung, durch steigende Geburtenzahlen und verstärkte Zuwanderung damit zu rechnen, dass im Jahr 2025 etwa 8,3 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland zur Schule gehen werden.

„Wenn das so eintrifft, werden wir als Schulträger die Schulentwicklungspläne überarbeiten müssen, Investitionsentscheidungen korrigieren und vor allem mehr investieren“, kündigt Kreis-Schuldezernent Matthias Zach (Grüne) an. Die 29 Städte und Gemeinden im Kreis müssten sich dann auf eine höhere Schulumlage einstellen. Zudem seien Inklusion und Ganztagsschulen dann nur noch zu stemmen, wenn das Land wesentlich mehr Lehrkräfte einstelle und besser bezahle.

In Hanau fühlt man sich durch die Bertelsmann-Prognose bestätigt. „Sie untermauert unsere Einschätzung, dass wir uns in den nächsten Jahren auf mehr Kinder in Kitas und Grundschulen einzustellen haben“, sagt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD).

Bereits in der letzten Stadtparlamentssitzung habe er darauf hingewiesen, dass der nun beauftragte Schulentwicklungsplan für die Grundschulen seinen Schwerpunkt auf ausreichende Kapazitäten legen werde und dass dies in der Investitionsplanung ab 2018 berücksichtigt werden müsse. „Ursache ist weniger die Aufnahme von Flüchtlingen, als vielmehr die Kombination aus Geburtenentwicklung, Attraktivität des Ballungsraums Rhein-Main und der Stadt Hanau sowie die Stadtentwicklungspolitik“, analysiert Weiss-Thiel. Betrachte man die einzelnen Altersjahrgänge der Hanauer Wohnbevölkerung, dann sei eine klare Entwicklung erkennbar: „Bis zu den Geburtsjahrgängen 2010 zeigt die demographische Entwicklung eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Dadurch dauerhaft frei gewordener Schulraum wurde an der Mehrheit der Grundschulen für die Schulkind-Betreuung genutzt“, erläutert der Bürgermeister. Da der Bedarf für die Schulkind-Betreuung ebenfalls ansteige, stehe dieser Raum zukünftig nicht mehr für Unterrichtszwecke zu Verfügung. Mittlerweile wurden auch die anstehenden Wohnungsbauprojekte im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf den Schulstandort berechnet. „Es sieht so aus, dass zu Beginn des nächsten Jahrzehnts insgesamt 19 weitere Klassen erforderlich sind.“ jo

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