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Hanau

Prozess um Tod in Hanauer Sekte: Kind soll in Sack gesteckt worden sein

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Ein Sohn von Anführerin hat im Mordprozess gegen Claudia H. ausgesagt. Die Angeklagte weist derweil Vorwürfe in Zusammenhang mit ihren Tagebucheinträgen zurück.

Ihre Tagebucheinträge seien kein Abbild der Beziehung zu ihrem Sohn, beteuert Claudia H. Das Schreiben sei nur eine Art Ventil gewesen. Besonders am Tag nach Jans Tod am 17. 8. 1988 sei sie verzweifelt, auch wütend gewesen, auf sich und den Jungen, weil der Vierjährige „nicht mehr da war“, sie ihn „nicht mehr in den Arm nehmen konnte“. Sie habe glauben wollen, dass sein Tod Gottes Wille war – wie Sylvia D. gesagt habe. Die Angeklagte schluchzt immer wieder. Schließlich fährt ihre Anwältin Wiebke Otto-Hanschmann mit der Erklärung fort.

Claudia H., langjährige Anhängerin von Sektenführerin D., rückt von dieser etwas ab: Sie habe lange geglaubt, Sylvia D. wollte ihr und Jan helfen, als sie Claudia H.s „Muttchen-Komplex“ unterbunden habe. Erst seit kurzem hinterfrage sie die Umstände von Jans Tod, so H.

Im Prozess am Landgericht Hanau hat sich die Angeklagte am Dienstag zu Tagebuchpassagen geäußert, in denen sie etwa am 18. 8. 1988 schrieb, Jan sei gemein und sadistisch gewesen. Lange hätten sie mit „dem Alten“ – Gott – versucht, Jans „Wahn“ zu bremsen. Die Staatsanwaltschaft wirft H. gemeinschaftlichen Mord vor: Sie habe das Kind in einem über dem Kopf verschnürten Sack schlafen gelegt und D. überlassen. Weil das Kind nach Ansicht der Sektenchefin vom Bösen besessen war, habe diese es ersticken lassen. Sylvia D. und Claudia H. bestreiten die Vorwürfe. Das Gericht verurteilte D. 2020 wegen Mordes zu lebenslanger Haft; D. legte Revision ein.

Nach H. sagte Manuel D. aus, Sylvia D.s Sohn. Nach seinen Erinnerungen wurde Jan H. von D. gezwungen, lange auf dem Töpfchen zu sitzen, mit Essen „gestopft“ und als „das Böse schlechthin“ betrachtet, als „Reinkarnation Hitlers“. Nach Jans Tod habe D. gesagt, er sei vom Alten „abgeräumt“ worden, und anderen gedroht, es könnte auch ihnen so ergehen.

Von Sylvia D. wisse er definitiv, dass sie den Jungen in einen Sack gesteckt habe. Einmal habe er ihn darin im Bad gesehen, blickt der heute 42-Jährige zurück. Als Richterin Susanne Wetzel fragt, ob der Sack klein oder groß war, sagt Manuel D.: „Kein Kind hat in irgendeinem Sack genug Platz.“ Aber der Sack sei schmal gewesen. Vom Tattag habe er lediglich noch vor Augen, wie sein Vater Walter D. versucht habe, Jan wiederzubeleben. Er und sein Bruder Martin seien weggeschickt worden, bevor Rettungsdienst und Polizei kamen.

Daran, dass Claudia H. Jan mal in den Sack steckte, könne er sich nicht erinnern, auch nicht an Gewalt durch sie. Die H.s seien häufiger nicht dagewesen. Dass sie vom Umgang mit Jan nichts mitbekommen haben wollen, zumindest in Ansätzen, sei allerdings kaum vorstellbar.

Detailliert schildert Manuel D. auch die seelische und körperliche Gewalt, die Sylvia D. ausgeübt habe: Sie habe ihn zum Beispiel oft nachts aus dem Schlaf gerissen und angeschrien, ihre Adoptivkinder einsperren lassen und eine Adoptivtochter an den Haaren bis zur Treppe geschleift. Und keinerlei Widerspruch geduldet: Was sie sagte, sei Gesetz gewesen, auch bei Jan.

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