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Hanau

Prozess in Hanau: „Sachliche“ Stimmung nach Tod von Jan H.

Im Prozess um den Tod von Jan H. im Jahr 1988 in einer Sekte erinnert sich einer der damaligen Ermittler an seine Begegnung mit dem Ehemann der Anführerin.

Wolfgang M. hatte als Kommissaranwärter kaum Erfahrung, als er am 17. August 1988 mit dem routinierten Ermittler Karl-Heinz M. zu einem Todesfall in Kesselstadt fuhr. Ein Vierjähriger, Jan H., war gestorben. Sie seien schnell „arbeitsteilig“ vorgegangen, so Wolfgang M.: Sein Kollege schaute sich die Leiche an, während er Walter D., in dessen Haus der Junge mit seinen Eltern lebte, befragte. Der Kriminaldirektor kann sich nur an wenig erinnern, aber daran, dass D.s Stimmung „sachlich“ und „nüchtern“ gewesen sei.

33 Jahre später steht die Mutter des Kindes, Claudia H., vor dem Landgericht, angeklagt wegen gemeinschaftlichen Mordes. In dem Prozess hat die erste große Strafkammer am Montag Wolfgang M. vernommen und nach der Tat verfasste Polizeiprotokolle eingeführt. H. ist eine langjährige Anhängerin von Sektenchefin Sylvia D. Diese war von einer anderen Kammer 2020 wegen Mordes an Jan H. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Über die Revision entscheidet derzeit der BGH. Claudia H. wirft die Staatsanwaltschaft vor, ihren Sohn in einem Sack, den sie über dem Kopf verschnürt habe, schlafen gelegt und in D.s Obhut gegeben zu haben, die ihn habe töten wollen. Nach Ansicht der Anführerin war das Kind vom Bösen besessen, die Wiedergeburt Hitlers. H. weist die Vorwürfe gegen sie ebenfalls zurück.

Walter D., Sylvia D.s 2017 verstorbener Mann, hatte sich Wolfgang M. als Theologe vorgestellt, wie sich aus den Erinnerungen und Notizen ergibt. Jan H. sei oft bei den D.s gewesen. An jenem Tag habe seine Mutter ihm Brei zu essen gegeben und sei mit Walter D. zum Markt. Als sie das Kind nach ihrer Rückkehr wecken wollte, habe es nicht mehr geatmet. Kurz danach habe Walter D. versucht, Jan H. wiederzubeleben. Karl-Heinz M. sah an der Leiche keine Anhaltspunkte für Gewalt und empfahl nicht, eine Obduktion durchzuführen. Gewissenhaft gingen die Ermittler nicht vor. Sie hinterfragten etwa weder das geringe Gewicht des Jungen noch den Ort, an dem sie ihn vorfanden, ein Zimmer im ersten Stock. 2020 stellte sich heraus, dass Jan H. im Bad auf einer Matratze schlafen musste.

Die Verteidiger:innen von Claudia H. wiesen darauf hin, dass ihre Mandantin laut Protokoll damals angegeben habe, dass Sylvia D. im Haus war, womit sie nicht zu einer Verfälschung der Gegebenheiten beigetragen habe, wie ihr und der Gruppierung im Haftbefehl gegen H. vorgeworfen werde. Dass manipuliert worden war, hatte der Prozess gegen Sylvia D. aber gezeigt: So wurde verschwiegen, dass Jan H. im Bad starb. Und D. zog sich offenbar zurück, bevor Notarzt und Polizei kamen. gha

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