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Claudia H. sitzt seit Herbst 2020 in U-Haft. Vor dem Prozess werden ihre Handschellen geöffnet. dpa
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Claudia H. sitzt seit Herbst 2020 in U-Haft. Vor dem Prozess werden ihre Handschellen geöffnet. dpa

Hanau

Prozess in Hanau: „Ich habe meinen Sohn geliebt“

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Die angeklagte Mutter des getöteten Jan H. weist den Mordvorwurf zurück.

Als sie ihren Sohn Jan in die Hände von Sylvia D. gab, etwa um an ihrer Promotion zu arbeiten, habe sie ein „gutes Gefühl“ gehabt, sagt Claudia H. am Montagnachmittag auf der Anklagebank des Landgerichts Hanau. D. habe schließlich Zeit und „sehr viel Erfahrung“ durch ihre leiblichen Kinder sowie ihre Pflege- und Adoptivkinder gehabt. Sie sei gut mit den Kleinen umgegangen.

Auf keinen Fall habe sie Jan am 17. August 1988 D. überlassen, damit die damals 41-Jährige ihn habe töten können, beteuert die Biologin bereits zu Beginn der Verhandlung, als die 60-Jährige ein vorbereitetes Manuskript vorliest. Und sie habe den Jungen zuvor auch nicht mit Gewalt in einen engen Sack gesteckt und diesen oben zugeschnürt. H. zeigt Emotionen, schluchzt und sagt, sie sei als Mutter manchmal „verzweifelt und überfordert“ gewesen, aber Jan sei ein echtes Wunschkind gewesen. „Ich habe ihn geliebt.“

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen Claudia H. hat die Angeklagte die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Hanauerin ihren Sohn mit Sektenchefin Sylvia D., zu deren Anhänger:innen H. zählt, gemeinschaftlich ermordet hat, aus niedrigen Beweggründen. Laut Oberstaatsanwalt Dominik Mies soll Claudia H. den Vierjährigen in einem Bad in einem ungefähr 90 mal 105 Zentimeter großen Sack zum Mittagsschlaf gelegt und ihn in D.s Obhut gegeben haben, die Jan H. nach dem Leben trachtete. Sylvia D. habe die Mutter davon überzeugt, dass Jan die „Reinkarnation Hitlers“, ein von „den Dunklen“ besessener „Machtsadist“ sei und ihn in dem Sack ersticken lassen, obwohl sie seine panischen Schreie gehört habe.

Die 74-jährige Anführerin, die vorgibt, Anweisungen von Gott zu erhalten, war im Herbst 2020 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Über die Revision entscheidet derzeit der Bundesgerichtshof. Claudia H. wurde kurz nach der Verurteilung ihrer Freundin verhaftet. In dem Prozess hatte sie angegeben, Jan teilweise in den Sack gesteckt zu haben.

H. beklagt nun vor der ersten großen Strafkammer um die vorsitzende Richterin Susanne Wetzel, während des ersten Verfahrens in Medien als „eiskalt“ beschrieben worden zu sein. Das stimme nicht, sie vermisse ihren Sohn nach wie vor schmerzlich.

Im Haus der D.s hätten Kinder auch mal eine Ohrfeige oder einen Klaps bekommen, doch Brutalität habe sie nie erlebt. Jan habe zwar eine schwierige Phase mit Wutanfällen gehabt, sei aber gut behandelt worden und normal entwickelt gewesen.

Doch wie glaubwürdig sind die Aussagen? In Tagebucheinträgen hatte H. Jan unter anderem als sadistisch bezeichnet und sinngemäß geschrieben, er sei proaktiv-gemein gewesen. Sie hätten all die Jahre mit Gottes Hilfe vergeblich versucht, seinen „Wahn“ zu bremsen, damit er eine Chance bekomme. Nach dem Tod des Kindes, dessen Namen die Mutter in den Verhandlungen gegen D. kaum aussprach, heißt es: Der Alte – wie Gott in der Gruppe genannt wurde – „hat gestern unseren Jan geholt“. So hatte es Sylvia D. offenbar angekündigt.

Kinder der D.s und weitere Zeugen hatten vor Gericht von einem von Gewalt geprägten, totalitären System berichtet, in dem Jan besonders leiden musste. Der Notarzt, der seinen Tod feststellte, notierte, dass der Junge abgemagert war.

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