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Hanau

Prozess in Hanau: „Es gab exzessive Gewaltausbrüche“

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Im Verfahren um den Tod des vierjährigen Jan H. in einer Hanauer Sekte hat ein Zeuge zum Umgang mit Kindern in der Glaubensgemeinschaft ausgesagt.

Im Mordprozess gegen Claudia H., die Mutter des in einer Sekte verstorbenen Jan, hat am Dienstag erneut ein Sohn der Anführerin Sylvia D. ausgesagt. Manuel D. schilderte vor dem Landgericht etwa den Umgang mit Kindern in der Gruppierung: „Es gab exzessive Gewaltausbrüche“, sagte er. Diese richteten sich vor allem gegen die Adoptivkinder der D.s, wobei auch mal Haarbüschel ausgerissen worden seien. Brutal vorgegangen sei vor allem seine Mutter, die den Nachwuchs nie kindgerecht behandelt habe, manchmal sein Vater. Auch Jan habe sie gedemütigt und misshandelt, ihn etwa gezwungen, sehr lange auf dem Topf zu sitzen, ihn zum Schlafen in einen Sack gesteckt – und seinen Tod angekündigt.

Ob er sich daran erinnern könne, dass Erwachsene gegen die Misshandlungen protestierten? Nein, entgegnet der Zeuge. Zu seinem Eindruck vom Ehepaar H. sagt er, es habe sich wie alle von Sylvia D. im übertragenen Sinne den Kopf waschen lassen und sei ihr gefolgt, allerdings nicht ganz so hörig wie andere gewesen, „am normalsten“.

Claudia H. steht wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Mordes vor Gericht: Sie habe ihren Sohn in einem Schlafsack verschnürt und Sylvia D. überlassen, die Jan darin am 17. August 1988 habe ersticken lassen. D. betrachtete den Jungen als vom Bösen besessen. Die 74-Jährige war im September 2020 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, wogegen sie Revision einlegte. H. weist die Vorwürfe ebenfalls zurück; sie habe ihren Sohn sehr geliebt.

Manuel D. berichtete darüber hinaus – am Dienstag und in früheren Vernehmungen, die verlesen wurden – von arrangierten Ehen, Ausbeutung in der mit der Gruppierung verflochtenen Medienproduktionsfirma und der Unkalkulierbarkeit seiner Mutter, die wie ein Pulverfass gewesen sei. Er erinnerte sich zudem daran, wie er als Kind bei einer Grundschullehrerin Hilfe suchte, sich ihr anvertraute – vergeblich. Sie habe ihm nicht geglaubt.

Manuel D. war zur Tatzeit neun Jahre alt, das Erinnern fällt ihm zum Teil schwer. Oberstaatsanwalt Dominik Mies konfrontiert ihn mit der Aussage der Angeklagten, sie habe keine Gewalt mitbekommen. Aus seiner Erfahrung heraus halte er das für unwahrscheinlich, er könne es aber auch nicht ausschließen, sagte D. Und was ist mit der Angabe, Jan habe nur ausnahmsweise in dem Sack und auf einer Matratze im Bad gelegen? Das sei offenbar häufiger der Fall gewesen. Wie häufig, könne er nicht sagen, es sei „normal genug“ gewesen, „dass ich es nicht als überraschend empfunden habe“.

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