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Chefdirigent Jens Troester, Büroleiterin Kathrin Troester-Eisermann und Geschäftsführer Dirk Eisermann (v. l.) in ihrem „Laden“.

Hanau

Orchestersitz mitten in Hanau

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Die Neue Philharmonie Frankfurt kehrt zurück zu ihren Hanauer Wurzeln und plant ungewöhnliche Konzerte. Die Stadt fördert den „PhilharmonieLaden“ mit viel Geld.

Bis kurz vor der Vorstellung ihres „PhilharmonieLadens“ haben die Handwerker und die Macher der Neuen Philharmonie Frankfurt daran gearbeitet und gefeilt, doch jetzt ist er fertig, zumindest fast: Die Probebühne wird von Scheinwerfern erleuchtet; der Flügel steht. Auf einem Monitor ist ein Konzertmitschnitt zu sehen, und an den Wänden hängen Plakate, von Auftritten mit Stars wie Ian Anderson oder David Garrett, sowie ein großformatiges Schwarz-Weiß-Foto, das Musiker des Orchesters nebeneinander aufgereiht zeigt und mit Licht und Schatten spielt. Von außen, durch die riesigen Fenster, kann man gut in die großzügige Orchesterstätte schauen, so dass Passanten Chefdirigent Jens Troester zugucken können, wenn er sich ans Klavier setzt und loslegt.

Das Crossover-Orchester, das zu den profiliertesten und europaweit gefragten zählt, ist an seiner neuen Stätte angekommen und kehrt damit endgültig zu den Wurzeln zurück. Denn in Hanau wurde die Philharmonie 1999 gegründet, bevor sie nach Offenbach ging. Der Geschäftssitz wurde schon Anfang dieses Jahres zurück in die Brüder-Grimm-Stadt verlegt, war zeitweise in einem kleinen Büro an der Philippsruher Allee. Der 220 Quadratmeter große „PhilharmonieLaden“ indes befindet sich in der Straße Am Frankfurter Tor, wenige Gehminuten vom Freiheits- und Marktplatz entfernt. Und zwar in dem großen Gebäudekomplex mit Parkhaus mit der Hausnummer 10, der der städtischen Parkhausgesellschaft gehört.

„Unsere Idee war, ein offenes Büro zu schaffen“, sagt Kathrin Troester-Eisermann zum „PhilharmonieLaden“. Ziel sei es, Kontakte zu den Leuten zu knüpfen. Die Flötistin wird das Büro leiten. Dieses soll nicht nur dazu dienen, das Orchester zu organisieren und zu vermarkten, sondern auch Raum für Band- und Kammermusikproben, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Feiern und Empfänge bieten.

Die Neue Philharmonie Frankfurt wurde 1999 in Hanau gegründet. Das freie Orchester spielt klassische Symphoniekonzerte, begleitet Stars wie den Sänger Gregory Porter oder die Band Deep Purple auf Tour und bietet Klassik-Crossover-Produktionen bei großen Veranstaltungen, etwa während der alljährlichen „Wilhelmsbader Sommernacht“.

Seit 2009 ist die Neue Philharmonie Stammorchester im Congress Park Hanau (CPH) in der Altstadt und tritt ansonsten europaweit auf.  

Geschäftsführer Dirk Eisermann will sich nicht festlegen, er ist offen für Ideen. Das gilt sowohl für den Laden als auch für die Präsenz des Orchesters: „Wir möchten, dass unsere Musiker in der Stadtgesellschaft sichtbar werden.“ Sie werden hier proben, sich zeigen und auch mal in einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Rahmen auftreten, kündigt der gebürtige Hanauer an. Die Transparenz des Künstlerischen Betriebsbüros findet auch Jens Troester spannend. Das erzeuge Interesse, bringe einen miteinander ins Gespräch.

Das „Frankfurt“ im Namen soll jedoch bleiben, weil es bundesweit zieht und eine Änderung marketingtechnisch grundsätzlich schlecht wäre.

Der Aufwand für den Umbau der Räume war enorm. Sie seien entkernt worden, keine Wand sei wie vorher, so Eisermann. Die Parkhausgesellschaft hat 175 0000 Euro investiert. Die Stadt überweist ihr dafür die Miete von 2400 Euro im Monat.

OB und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) sagt, die Förderung sei sinnvoll, habe einen „hohen Mehrwert“. Die Philharmonie, deren Hanauer Konzertreihe „Congress Park Sinfonie“ 400 Abonnenten hat, trage zur kulturellen Vielfalt in der Stadt bei und gehöre zu den Aushängeschildern. Die Räume seien deutlich aufgewertet worden.

Die beiden Vormieter, ein Café und ein Händler, seien nicht rausgedrängt worden, so Kaminsky, sie seien ohnehin dabei gewesen, den Standort zu verlassen, der für den Einzelhandel schwierig sei. Die Philharmonie werde die Räume zu einer interessanten Kulturstätte machen.

Dirk Eisermann hofft, dass die neue Sichtbarkeit eine emotionale Verbindung zu noch mehr Hanauern schafft.

www.neuephilharmoniefrankfurt.de

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