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Seit einem halben Jahr gibt es im Hanauer Landgericht ein Zeugenzimmer.
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Seit einem halben Jahr gibt es im Hanauer Landgericht ein Zeugenzimmer.

Hanauer Hilfe

Opfer bleiben nicht allein

Die Arbeit des Vereins Hanauer Hilfe bleibt auch nach mehr als 25 Jahren wichtig. Das zeigt schon ein Blick auf die kalten Zahlen: Mehr als 600 Menschen suchten hier 2009 Rat - die meisten von ihnen waren Frauen.

Von Andreas Zitzmann

Als Modellversuch des Hessischen Justizministeriums 1984 gestartet, konnte die „Hanauer H!lfe“ (das Ausrufezeichen unterstreicht den Hilfscharakter) 2009 ihr 25-jähriges Bestehen feiern – und die Arbeit des Vereins, der sich um Opfer von Verbrechen kümmert, ist unverändert bedeutsam. Das ist allein an den Zahlen abzulesen, die nun für das vergangene Jahr vorgelegt wurden.

Demnach suchten mehr als 600 Menschen Rat, 100 mehr als im Jahr zuvor, zumeist Frauen. Die Fälle sprechen für sich: Körperverletzungen, Misshandlungen, häusliche Gewalt, Sexualverbrechen – das sind die Schwerpunkte, mit denen sich die sechs Teilzeit-Sozialarbeiter und -pädagogen befassen müssen.

Zu ihrer Gründungszeit war die Hanauer Hilfe die erste professionelle Beratungsstelle für Opfer und Zeugen von Straftaten in Deutschland. Das Grundprinzip wird im Jahresbericht so formuliert: „Die Berater nehmen eine für die Opfer parteiliche Grundhaltung ein.“ Die Opfer waren bis Anfang der 80er Jahre eine vernachlässigte Personengruppe. Niemand half ihnen, ihre oft traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Heute finden sie vielfältige Unterstützung, individuell, mit oder ohne Angehörigen, bei Hilfsorganisationen, an die sie weitervermittelt werden, alles vertraulich und kostenlos. Das gilt auch für die Begleitung zu Prozessen.

Eine besondere Rolle in der Arbeiter der Hanauer Hilfe spielt der Täter-Opfer-Ausgleich: Etwa jeder vierte bearbeitete Fall fiel 2009 in diesen Bereich. Dabei wird versucht, in Absprache mit der Staatsanwaltschaft zwischen beiden Seiten eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Das kann eine persönliche Entschuldigung des Täters gegenüber dem Opfer sein oder das Zahlen von Schadenersatz oder Schmerzensgeld. Am ehesten funktioniert dieser Ausgleich, wenn sich Täter und Opfer zuvor nicht kannten. Kaum praktikabel ist das Verfahren beispielsweise bei häuslicher Gewalt.

Welche Bedeutung die Justiz der Arbeit der Hanauer Hilfe zumisst, ist daran abzulesen, dass der Verein seit April dieses Jahres im Landgericht ein eigenes Zeugenzimmer hat, das an zwei Tagen in der Woche besetzt ist.

Hanauer Hilfe, Salzstraße 11, Telefon 06181/24871, Internet www.hanauer-hilfe.de

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