Ende einer Erfolgsgeschichte? Dem Haupt- und Realschulzweig droht die Schließung.
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Ende einer Erfolgsgeschichte? Dem Haupt- und Realschulzweig droht die Schließung.

Tümpelgartenschule in Hanau

"Ohne Weitsicht geplant"

Die Tümpelgarten-Schule soll nach den Plänen der Stadt in eine Grundschule mit Kindertagesstätte umgewandelt werden. Das Vorhaben trifft auf breite Ablehnung nicht nur bei den betroffenen Schülern und Eltern.

Von Anne Lorenc

Auf massiven Gegenwind stößt das Vorhaben der Stadt, den Haupt- und Realschulzweig sowie die Förderstufe an der Tümpelgarten-Schule (TGS) zu schließen, die betroffenen Schüler auf andere Schulen zu verteilen und ab dem Schuljahr 2015 / 2016 aus der TGS ein Bildungszentrum aus Grundschule, Kindertagesstätte und Ganztagsbetreuung für Kinder von „null“ bis zehn zu machen. Die betroffene Schule, aber auch die Schulkommission und der Stadtelternbeirat sowie der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnen diesen Plan ab.

Auszeichnungen für Konzept

Während der zuständige Stadtrat Axel Weiss-Thiel (SPD) diesen Schritt mit Sparzwängen, aber auch rückläufigen Schülerzahlen begründet hatte, verweisen die Betroffenen auf „ein tolles Schul-Konzept“, das auf mehrere Auszeichnungen verweisen kann. Ein harmonisches und engagiertes Lehrkräfte-Team sowie Zufriedenheit bei Schülern und Elternschaft seien weitere Pluspunkte. Die Schülerzahlen, argumentieren Schulleiterin Siggi Lotz-Schäfer und ihr Stellvertreter Harald Klose, seien nach einem Einbruch im vergangenen Jahr wieder auf das vorherige Niveau gestiegen und stiegen weiter.

Diese Rechnung bestätigten gestern auch die GEW-Kreisvorstandsmitglieder Heinz Bayer, Clara Orten und Jürgen Rapp. Sie errechneten aus städtischen Prognosen und derzeit erreichbaren Ist-Zahlen, dass spätestens in fünf Jahren die TGS als Haupt- und Realschule wieder dringend benötigt werde. Wie Lotz-Schäfer erwarten sie einen Schüler-Zuwachs durch Bebauung der Konversionsflächen oder Zuzug aus dem südöstlichen Europa. Eine Perspektive, die sich im Schulentwicklungsplan wiederfindet, so Lotz-Schäfer.

Unglücklicher Zeitpunkt

Der Zeitpunkt dieser Diskussion ist für die TGS höchst unglücklich. „Zurzeit laufen die Eltern-Info-Abende für die Grundschule“, sagt Harald Klose. Wenn nun die Sekundarstufe I wegfiele, könnten Eltern sich gegen die TGS entscheiden. Dann hätte Weiss-Thiel Recht mit den sinkenden Schülerzahlen. Aber das sei dann von der Stadt ebenso hausgemacht wie die Sanierungsbedürftigkeit der Gebäude: „Seit den 90er Jahren wurde diese Schule kaputt gespart“, klagt die Schulleiterin.

Falls die städtischen Pläne umgesetzt würden, prophezeit der Vorsitzende des TGS-Schulelternbeirats, Robert Schimanski, einen unsinnigen Schul-Tourismus und viel zu große Klassen in den Schulen, die die Tümpelgarten-Schüler aufnehmen sollen. Die GEW verweist darauf, dass in den Ausweich-Schulen auf Dauer nicht genügend Klassenräume zur Verfügung stünden. Als Mitglied der Schulkommission kritisierte die GEW-Sprecherin Orten den „Schweinsgalopp“, mit dem die Stadt ihre Pläne durchsetzen will. Die beratenden Gremien sollen nicht mehr gehört werden. Eine Entscheidung falle mit der Verabschiedung des Etats wohl noch in diesem Jahr. Mit Pädagogik oder Weitsicht habe dieser Schritt nichts zu tun.

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