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Auch Nudeln aus dem Bio-Hofgut Marjoß gibt’s in Hanau.

Hanau

Hanau: Ökologisch und inklusiv

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Das Behindertenwerk eröffnet im Dezember den ersten Unverpackt-Laden in der Stadt und bietet eine breite Produktpalette.

Nudeln, Nüsse, Schokolade, Getreide, Mehl, Müsli, Seifen, Wurst und vieles mehr – ohne Verpackungsmüll, verkauft von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, aus nachhaltiger Produktion: Das bietet der erste Unverpackt-Laden in Hanau, den das Behindertenwerk Main-Kinzig (BWMK) am 13. Dezember eröffnen wird. Und zwar direkt am Marktplatz in der Römerstraße 1.

„Wir freuen uns darauf, hier zwei Anliegen zu verbinden: Umweltschutz und Teilhabe“, sagt Anke Ebenbeck, Abteilungsleiterin beim BWMK. Das Unverpackt-Prinzip ist einfach: Jeder bringt Behälter mit, die erst leer und dann mit den Produkten gewogen werden, danach wird das Leergewicht abgezogen. Wer keine eigenen Dosen oder Flaschen dabeihat, kann Mehrwegverpackungen kaufen. Zum Angebot gehören auch Tee, Gebäck, Kosmetika, glutenfreie und vegane Lebensmittel sowie welche vom Bio-Hofgut Marjoß. Hinzu kommen Deko und Nützliches aus Holz, hergestellt im „Mittendrin“, der gläsernen Manufaktur des BWMK in Gelnhausen. Die Immobilie in Hanau wurde von der städtischen Hanau Marketing GmbH vermittelt.

In Gelnhausen betreibt das BWMK bereits seit Juli einen Unverpackt-Laden, der „sehr gut angenommen wird“, erzählt Ebenbeck. „Egal ob Jugendliche, junge Eltern mit Kindern oder ältere Menschen – sie sind froh, dass sie den Müllberg etwas verkleinern können.“ Laut Statistik hält Deutschland europaweit den Negativrekord mit 220 Kilogramm Verpackungsabfall pro Jahr und Person. Zu den Verkaufsrennern im Laden in der Barbarossastadt zählen derzeit Nudeln mit Knoblauch, Nüsse und Deo-Creme.

In Gelnhausen sind im Verkauf etwa zehn Mitarbeiter im Wechsel tätig. Wie viele es in Hanau sein werden, hängt von der Nachfrage ab. Die Löhne der Verkäufer mit Beeinträchtigung werden sich wohl an jenen in Werkstätten orientieren. Es handele sich aber um Arbeitsplätze zur Rehabilitation, die Beschäftigten würden betreut, pädagogische Mitarbeiter sollen ihnen zur Seite stehen. „Im Vordergrund steht die Teilhabe.“

In Hessen gibt es bereits eine ganze Reihe von Unverpackt-Läden, etwa in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, aber auch in kleinen Orten wie Lorsch, Tendenz steigend. In Hanau könnte 2020 ein zweites Geschäft eröffnen. Eine Initiative um Mara Landwehr möchte dafür einen Verein gründen und erwägt Großauheim als Standort. Ein paar Supermärkte wie Tegut bieten teilweise ebenfalls die Möglichkeit, unverpackt einzukaufen, ebenso wie die Marktbeschicker. Diese haben im Sommer mit der von Anja Zeller geleiteten Stabsstelle Nachhaltige Strategien auch Alternativen für Einwegplastik getestet. Nicht alle haben sich bewährt. Doch mittlerweile sind laut Zeller neue Plastikalternativen erhältlich, so dass die Bemühungen 2020 verstärkt werden sollen.

Der Ladenist ab 13. Dezember montags, dienstags, donnerstags, freitags 10 bis 19 Uhr, mittwochs 8 bis 19 Uhr, samstags 8 bis 15 Uhr geöffnet.

Von Gregor Haschnik

Auch andere Hessen machen mit. Den Anfang im Main-Taunus-Kreis haben zwei Frauen in Kelkheim gemacht. Sie haben den ersten Unverpackt-Laden in Kelkheim eröffnet – Und er hat schon Stammkunden.

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