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Jens Böhringer will Oberbürgermeister von Hanau werden.

Hanau

Böhringer will Kaminsky ablösen

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Der designierte OB-Kandidat der CDU möchte die soziale Infrastruktur der Stadt Hanau verbessern. Er würde als Außenseiter ins Rennen gehen, sagt aber dennoch, es sei Zeit für einen Wechsel.

Jens Böhringer bemühte immer wieder Redewendungen aus der Sportwelt: Bei Spielbeginn stehe es null zu null, sagte der Stadtverordnete der CDU. Claus Kaminsky (SPD) sei zwar einer der Besten in seinem Fach, doch als Sportler wolle er sich mit den Besten messen. Sein Ziel sei es, an oberster Stelle Verantwortung zu übernehmen und die Stadt jeden Tag etwas besser zu machen, erklärte der 34-Jährige während seiner Vorstellung am Freitag.

Der Steinheimer ist designierter OB-Kandidat der Hanauer Christdemokraten für die Wahl am 14. März 2021. Der Parteivorstand habe sich einstimmig für den zweifachen Familienvater ausgesprochen und werde während des Nominierungsparteitags eine entsprechende Empfehlung abgeben, kündigte Stadtverbands-Chef Joachim Stamm an. Der aktive Freizeitsportler sei der „ideale Kandidat“, auch weil er die Zukunft Hanaus verkörpere, meinte Stamm.

Vor Böhringer hat bereits der seit 2003 amtierende Kaminsky seine Kandidatur erklärt. Die anderen Parteien in Hanau haben sich noch nicht festgelegt. Bei der OB-Wahl, die zusammen mit der Kommunalwahl stattfindet, wird Kaminsky aller Voraussicht nach als haushoher Favorit ins Rennen gehen. Er dominiert die Hanauer Politik; seine Nominierung durch die SPD ist nur Formsache. Eigentlich wollte der Diplom-Verwaltungswirt nicht mehr antreten, allerdings sind einige Großbaustellen in der 98 000-Einwohner-Stadt nicht abgeschlossen, etwa der von Hanau angestrebte Austritt aus dem Main-Kinzig-Kreis oder das Konversionsprojekt „Pioneer Park“, aber auch der Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Hinzu kommt, dass die SPD bislang keinen Nachfolger aufgebaut hat.

Der Kandidat

Jens Böhringer, 1985 in Hanau geboren, lernte nach dem Abitur bei Heraeus zunächst Industriekaufmann. Nach einem Studium arbeitet er dort nun als Leiter des Bereichs Customer Service.

Mitglied der CDU Hanau ist er seit 2003. Im Parlament sitzt Böhringer seit 2016 und bearbeitet in der Fraktion die Themen Familie, Schule, Sport. gha

Bei der CDU galt lange Zeit die 30-jährige Fraktionschefin Isabelle Hemsley als künftige Kandidatin. Manchmal würden sich Lebensläufe „verschieben“, sagte Hemsley. Sie hat sich beruflich neu orientiert und sprach von Gedanken, eine Familie zu gründen. Deshalb stehe sie derzeit nicht für ein Hauptamt zur Verfügung. Sollte die CDU 2021 Teil der Rathauskoalition werden – die aktuell SPD, Grüne, BfH und FDP bilden –, würde Böhringer einen möglichen Dezernentenposten übernehmen, wenn er gegen Kaminsky verliert. Auch Hemsley warb für ihren Parteikollegen. Er zeige, dass die CDU einen Generationswechsel vollzogen habe. Die Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Katja Leikert betonte, Böhringer verfüge als Leiter des Vertriebsinnendienstes bei Heraeus über Wirtschaftskompetenz und sei zugleich ein Familienmensch, wisse etwa um die Sorgen junger Eltern bei der Suche nach Kitaplätzen.

Böhringer nennt eine kleines Schlüsselerlebnis als Grund für seine Tätigkeit in der Politik. Damals habe auf dem Bolzplatz in Steinheim ein Fangnetz gefehlt. Er habe sich an den Ortsbeirat gewandt, mit Erfolg, und erkannt, dass man tatsächlich etwas in seiner Umgebung verändern könne.

Kaminsky leiste nachweislich sehr gute Arbeit, aber Hanau brauche neuen Schwung, so Böhringer. Nach 17 Jahren sei es Zeit für einen Wechsel. Neben der verkehrlichen will Böhringer vor allem die soziale Infrastruktur in den Fokus nehmen. Diese sei in den vergangenen Jahren nicht so stark gewachsen wie die Stadt selbst. Die Menschen, die in die zahlreichen neuen Wohnungen gezogen sind, müssten stärker in den Blick genommen werden.

Sie bräuchten etwa genug Betreuungsplätze. Hier sieht der Stadtverordnete einigen Nachholbedarf und ein Politikfeld, das Kaminsky zu wenig bearbeitet habe, ebenso wie das Thema Umwelt. Zudem hat sich Böhringer auf die Fahnen geschrieben, den mit Mitgliederschwund kämpfenden Vereinen „größtmögliche Unterstützung“ zu bieten, sich für eine Fachhochschule in Hanau einzusetzen, den Wirtschaftsstandort und die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt zu stärken: „Hanau darf keine Schlafstadt werden.“

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