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Katastrophenschutzübung in Frankfurt (Symbolfoto).

Planungen

Auf Notfälle vorbereiten

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Hanau will eine eigene Behörde für Katastrophenschutz schaffen.

Zum 1. Januar 2021 führt Hanau eine Berufsfeuerwehr ein. Gemäß dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz ist die Stadt dazu verpflichtet, weil sie bald mehr als 100 000 Einwohner hat. Um in großen Notfällen „selbst vor Ort entscheiden zu können“ und „besser ausgestattet“ zu sein, strebt OB Claus Kaminsky (SPD) gleichzeitig eine eigene Untere Katastrophenschutzbehörde an.

Das setzt aber voraus, dass Hanau, wie avisiert, kreisfrei wird oder das Land eine Ausnahmeregelung schafft. Er werde auf das hessische Innenministerium zugehen, kündigte Kaminsky an. Derzeit ist die Katastrophenschutzbehörde beim dafür verantwortlichen Main-Kinzig-Kreis in Gelnhausen angesiedelt.

Hanau brauche eine solche Behörde – auch weil es hier viel Industrie, einen großen Hafen und einen intensiv genutzten Hauptbahnhof gebe. Sie soll im Gefahrenabwehrzentrum im Stadtteil Lamboy entstehen. Hier befinden sich die Hauptfeuerwache, aber auch Rettungsorganisationen wie das DRK oder die Johanniter. Laut Peter Hack, dem Leiter der Feuerwehr Hanau, sprechen die Synergien und die räumlichen Voraussetzungen des erst sechs Jahre alten Zentrums für den Standort.

Als Negativbeispiel für Entscheidungen durch übergeordnete Ebenen – in dem Fall nicht durch den Kreis – nennt Kaminsky das Hochwasser vor gut 15 Jahren. Da hätten Leute aus der Entfernung beurteilen wollen, wo Sandsäcke aufzustellen seien.

Die Katastrophenschutzbehörde ist dafür zuständig, zu koordinieren, zu entscheiden und Freiwillige auszubilden. Zudem muss sie in größerem Umfang Brandschutz- und Gefahrgutzüge vorhalten. Von einer solchen Behörde in Hanau versprechen sich die Verantwortlichen eine bessere personelle und technische Ausstattung. Bund und Land würden dann spezielle Fahrzeuge, auch zur Kommunikation in Großschadenslagen, stellen. Jedoch würden diese nicht die ganze Zeit in Hanau bleiben, sondern bei Bedarf in umliegende Kommunen abgezogen.

Für die Berufswehr werden für etwa 270 000 Euro jährlich mindestens vier neue hauptamtliche Stellen geschaffen, wobei die Brandschützer weiter mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. Für die Katastrophenschutzbehörde sind drei Posten für circa 210 000 Euro vorgesehen. Kaminsky rechnet damit, dass das Geld über den Kommunalen Finanzausgleich erstattet wird.

Die Ankündigung, sich für eine Katastrophenbehörde in Hanau einzusetzen, gehört zu einer langen Reihe von Vorstößen bei der angepeilten Kreisfreiheit. Immer wieder prescht der hauptamtliche Magistrat vor. Teilweise – etwa beim Pflegestützpunkt, den der zuständige Kreis in Hanau noch nicht aufgebaut hat und den die Stadt nun selbst einrichten will – schafft er Fakten und kritisiert den Kreis – sicher auch, um Druck zu machen.

Kritik daran weist der OB zurück: Hanau wolle „nichts Außergewöhnliches“, sondern Verbesserungen für die Bürger und den „bundesdeutschen Normalzustand“. So gebe es zum Beispiel keine Stadt von der Größe Hanaus, die eine Berufswehr, aber keine Katastrophenschutzbehörde habe. Die Entscheidung darüber und über die Auskreisung trifft das Land Hessen.

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