Hanau

Neue Siedlungen gegen Wohnungsnot in Hanau

Die Nassauische Heimstätte und die Firma Kleespies schaffen neuen Wohnraum. Doch es gibt nach wie vor viel zu wenig Sozialwohnungen.

Die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt (NH) baut die Zahl ihrer Wohnungen in Hanau aus: Die Firmengruppe, die mehrheitlich dem Land Hessen gehört, lässt die Marburger S+S Grundbesitz GmbH den „Wohnpark Brüder-Grimm-Straße“ mit 190 Einheiten errichten und wird ihn schlüsselfertig übernehmen. Ende 2021 soll alles fertig sein.

Das 1,4 Hektar große Grundstück liegt zentral in der südlichen Innenstadt, gegenüber von der Zeichenakademie, und wurde früher von der DB Regio als Busparkplatz genutzt. Die wohl größte Herausforderung ist der Lärmschutz, wegen der Nähe zu den Bahngleisen. Im Süden grenzt das Areal an die Bahnstrecke Frankfurt-Hanau. Karsten Schreyer, Geschäftsführer von S+S Grundbesitz, verspricht dennoch hohe Wohnqualität. Erreichen wolle er dies mit moderner Schallschutz-Technik und einer Architektur, bei der sich der Wohnbereich „von der Gleisanlage weg orientiert“, so Schreyer.

Die Wohnungen dürften unabhängig davon gefragt sein, auch weil zumindest 37 davon gefördert sein sollen, neben 153 frei finanzierten. Denn an Sozialwohnungen mangelt es in Hanau ganz erheblich, mehrere Tausend fehlen. Erschwerend kommt hinzu, dass der weit überwiegende Teil der Bauprojekte in Hanau Eigentumsimmobilien sind, und die Preise steigen.

Der Wohnpark Im Auftragder Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt (NH) baut die S+S Grundbesitz GmbH an der Brüder-Grimm-Straße drei Gebäude mit 153 freifinanzierten und 37 geförderten Wohnungen. Zum Kaufpreis machen weder die NH noch die S+S Grundbesitz GmbH Angaben. Die Höhe der Mieten lasse sich noch nicht beziffern, so ein NH-Sprecher auf Anfrage.

Die Wohnungenwerden dringend benötigt: Hanau ist eine der am schnellsten wachsenden Städte im Rhein-Main-Gebiet. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Einwohner um mehr als 10 000 auf gut 98 000 gestiegen. Laut einer Studie des Gewos-Instituts im Auftrag der Stadt werden hier 2035 wohl mehr als 113 000 Menschen leben. gha

Mit den drei großen Gebäuden an der Brüder-Grimm-Straße wolle die NH dazu beitragen, die Wohnungssituation in Hanau zu entspannen, sagt der für Projektentwicklung und Immobilienmanagement verantwortliche Geschäftsführer Constantin Westphal. Neben den Häusern sind ein Parkdeck mit 156 Autostellplätzen und 40 Außenstellplätze geplant. Das Wohnangebot umfasst vor allem kleinere Einheiten: 64 Ein- und 83 Zwei-Zimmer-Wohnungen mit Einbauküche werden um 35 Drei- und acht Vier-Zimmer-Wohnungen ergänzt.

Die Nassauische hat in Hanau nach eigenen Angaben derzeit einen Bestand von insgesamt rund 500 Wohnungen. Ein weiteres Projekt im Zentrum soll im Frühjahr des kommenden Jahres abgeschlossen sein: Hier schafft die NH an der Hahnenstraße, nicht weit vom Marktplatz entfernt, 156 Mietwohnungen zum Quadratmeterpreis zwischen 6,60 und 11,50 Euro. Die Zahl der geförderten Einheiten wird bei 30 liegen. Dafür abgerissen wurden rund 100 deutlich günstigere Wohnungen, die jahrzehntelang nicht saniert worden waren.

Derweil plant das Unternehmen Kleespies aus Jossgrund (Main-Kinzig-Kreis), im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten Mehrgeschossbauten mit bis zu 90 Wohneinheiten zu errichten. Sie sollen auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Gelände entstehen, wo einst ein Edeka-Markt stand. Das Areal ist an den öffentlichen Nahverkehr sowie das Straßen- und Radwegenetz angeschlossen.

Voraussichtlich wird es sich hier wieder um Eigentumswohnungen handeln. Kleespies hat in Hanau schon mehrere Projekte mit höherpreisigen Kaufimmobilien realisiert, etwa an der Philippsruher Allee. Der Magistrat hat den Bau mit dem sogenannten Aufstellungsbeschluss begonnen. Die Pläne sollen wegen der hohen Nachfrage zügig umgesetzt werden, im sogenannten beschleunigten Verfahren. Städtebauliche Konflikte sieht der Magistrat nicht, auch weil sich im Umfeld bereits Wohnhäuser befinden.

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