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Nach dem Terror in Hanau: Vollständige Aufklärung zugesagt

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Von: Pitt von Bebenburg, Timur Tinç, Madeleine Reckmann

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Im Mai 2020 waren Angehörige bereits in Wiesbaden, Landtagspräsident Rhein begrüßte sie.
Im Mai 2020 waren Opfer-Angehörige bereits in Wiesbaden, Landtagspräsident Rhein begrüßte sie. © peter-juelich.com

Zwei Jahre nach dem Terror in Hanau gibt der hessische Landtagspräsident Rhein ein Versprechen. Illuminationen in Frankfurt und Wiesbaden erinnern an die Opfer.

Wiesbaden – Der hessische Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) hat dazu aufgerufen, „rechtsextremistisches Gedankengut mit aller Konsequenz zu bekämpfen“. Dazu mahnten die Morde von Hanau, sagte Rhein am Freitag (18.02.2022) in Wiesbaden. „Die Angehörigen haben den Anspruch und das Recht auf vollständige Aufklärung und kritische Beleuchtung der Tatumstände“, betonte der Landtagspräsident.

Vor zwei Jahren, am 19. Februar 2020, hatte ein 43-jähriger Mann aus rassistischen Gründen in Hanau Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov erschossen. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst.

Gedenken auf dem Hauptfriedhof

Zum zweiten Jahrestag des Terroranschlags gibt es Veranstaltungen in mehr als 60 Städten. An einer Gedenkstunde der Stadt Hanau und des Landes Hessen werden am Samstagvormittag (19.02.2022) auf dem Hanauer Hauptfriedhof rund 100 geladene Gäste erwartet, darunter die Familienangehörigen der Opfer sowie Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Faeser sagte am Freitag: „Wir wollen, dass die Stimmen der Opfer gehört werden. Wir wollen die Familien der Opfer mit mehr Empathie und mit mehr Sensibilität unterstützen – in allen staatlichen Stellen.“ Der Staat schulde den Familien der Opfer eine transparente und lückenlose Aufarbeitung aller Hintergründe. „Mir ist sehr wichtig, dass wir als Staat aus Versäumnissen lernen und Konsequenzen ziehen“, fügte Faeser hinzu, die auch hessische SPD-Vorsitzende ist.

Gedenken an Opfer des Terrors von Hanau: Frankfurter Paulskirche illuminiert

Die Stadt Frankfurt gedenkt der Opfer mit einer Illumination an der Fassade der Paulskirche. Dort werden am Samstag ab 18 Uhr die Namen der Getöteten an der Fassade zu sehen sein. Die Frankfurter Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (beide Grüne) stellten in einer gemeinsamen Erklärung fest: „Diese Tat ist für uns eine Verpflichtung, im Kampf gegen rechten Terror, Rassismus und Antisemitismus niemals nachzulassen“.

In Wiesbaden ist eine ähnliche Aktion geplant, unter anderem vom Landesausländerbeirat. Die Projektion am Rathaus (Dern’sches Gelände) beginnt am Samstag um 19 Uhr.

Ausländerbeirat: Straßen in Hanau sollen nach Opfern benannt werden

Der Hanauer Ausländerbeirat forderte die Stadtverordneten auf, Straßen nach Todesopfern des Attentats zu benennen. „Das Zeichen, welches wir durch unseren Antrag setzen wollen, ist wichtig für die Gesellschaft“, erklärte Ajdin Talic, der Vorsitzende des Ausländerbeirats. „Zudem sind wir es den Opfern schuldig, ihrer Namen zu gedenken.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte, als Konsequenz aus der Terrortat eine Antirassismusklausel in die hessische Verfassung aufzunehmen. „Per Staatsauftrag könnte so der menschenverachtenden Stimmungsmache Einhalt geboten werden“, sagte der hessische DGB-Chef Michael Rudolph zur Begründung. „Auch das wichtige zivilgesellschaftliche Engagement würde durch einen solchen Verfassungsgrundsatz aufgewertet und unterstützt werden.“

Im Kampf gegen Rassismus bewegt sich etwas. Zwei Jahre nach dem Terror von Hanau ist die Zivilgesellschaft stärker gefragt denn je.

Die Initiativplattform der Türkischen Vereine und Verbände in Hessen urteilte, der Anschlag von Hanau offenbare Hessens großes Problem mit Rechtsextremismus und Rassismus. Das gelte sowohl innerhalb als auch außerhalb von hessischen Institutionen und Behörden.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland (TGD), Atila Karabörklü, erhob Vorwürfe gegen die Landesregierung. „Noch immer treiben Angehörige und ihre Unterstützer:innen die Ermittlungen voran und noch immer ignoriert die hessische Landesregierung ihre Fragen und Bitten“, urteilte Karabörklü.

Terror von Hanau: Religiöse Andacht für Verstorbene und Hinterbliebene

Die Islamische Religionsgemeinschaft Ditib Hessen kündigte an, in ihren Moscheegemeinden eine religiöse Andacht für die Verstorbenen und Hinterbliebenen abzuhalten.

Der Förderverein Roma vertrat die Auffassung, der Anschlag von Hanau sei ebenso wie frühere rechtsextreme Terrorakte „das Ergebnis einer jahrzehntelangen politisch bewussten Verharmlosung von Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und rechtem Terror in der Bundesrepublik Deutschland“. Der Verein wies darauf hin, dass Angehörige der Roma-Minderheit bei dem Anschlag getötet worden waren. (Pitt von Bebenburg, Timur Tinç, Madeleine Reckmann)

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