Hanau

Stadt will sich stärker gegen Rassismus engagieren

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Als Folge des rassistischen Anschlags bekommt Hanau ein Zentrum für Demokratie und Vielfalt. Ziel sei es, eine „dauerhafte Erinnerungs- und Gedenkkultur“ zu etablieren.

Nach dem rassistischen Terroranschlag am 19. Februar will sich die Stadt Hanau stärker gegen Rassismus einsetzen, mit einem Zentrum für Demokratie und Vielfalt. Das haben der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung am Montag beschlossen.

Ziel sei es, „mit den Angehörigen der Opfer im persönlichen Austausch eine dauerhafte Erinnerungs- und Gedenkkultur“ zu erarbeiten und gleichzeitig Demokratie sowie ein friedliches Zusammenleben zu fördern, um Hass und Gewalt entgegenzuwirken, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Das Motto lautet: „Vom Nebeneinander zum Miteinander“. Der Tag des Anschlags sei „der dunkelste Tag für Hanau in Friedenszeiten“ gewesen, so Kaminsky. „Diesen Frieden in der Stadtgesellschaft zu erhalten, fordert alle gemeinsam.“

Die Einrichtung werde Raum für Dokumentationen und Erinnerungsarbeit bieten, analoge wie digitale Konzepte für politische Bildung entwickeln, aber auch ein Ort der Begegnung sein, heißt es vonseiten der Stadt.

Die genaue Gestaltung des Zentrums, das im ersten Halbjahr 2021 eröffnen soll, steht noch nicht fest. Es sei als „offenes Haus“ gedacht, in dem vielfältige Angebote „angestoßen, koordiniert und verstetigt würden“. Der Magistrat soll geeignete Räume mieten, die städtische Fachstelle Vielfalt eine Projektgruppe für den Aufbau leiten. Finanzieren will Hanau die Pläne zum Teil selbst, zum Teil mit Fördermitteln von Bund und Land.

Interkulturelle Arbeit

Nach den Worten von Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD), der für Bildung und Soziales zuständig ist, werde das Zentrum „aktive und neue Akteure zusammenbringen sowie unser Zusammenleben in der Stadtgesellschaft weiter gestalten“. Prägend sollen vor allem die Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes sein: dass die Würde des Menschen unantastbar ist und jeder das Recht auf Gleichbehandlung hat.

Als mögliche Wege der interkulturellen Arbeit werden unter anderem Bildungspatenschaften, Sport und Integration, niedrigschwellige Beratungsangebote, eine Förderung der Willkommens- und Anerkennungskultur, Initiativen gegen Homosexuellen- und Transfeindlichkeit sowie Demokratiebildung genannt, auch in Kooperation mit Schulen und Kitas.

Angestrebt wird eine Vernetzung mit städtischen und nicht-städtischen Organisationen. So könnten sich beispielsweise Migrantenvereine, Initiativen oder Selbsthilfegruppen im Zentrum einbringen und es mitnutzen, so Weiss-Thiel. Darüber hinaus ist eine Zusammenarbeit mit Landes- und Bundesministerien vorgesehen. „Eingeladen mitzuwirken sind alle Menschen, die der Auffassung sind, dass die Grundwerte unserer Verfassung für alle gelten sollten und auch alle Organisationen, die sich aktiv dafür einsetzen“, betont der Bildungsdezernent.

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