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Nicht zu übersehen: Die 2,60 Meter hohe und eine Tonne schwere Skulptur steht vor dem Forum am Freiheitsplatz.

Hanau

Appell an die Menschlichkeit

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Amnesty International stellt auf dem Freiheitsplatz eine große Skulptur auf. Die Initiative ging von der lokalen Gruppe aus, die 2020 ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Ich wollte die Welt verbessern“, antwortet Carmen Heitzenröder mit einem Lächeln auf die Frage, weshalb sie vor 40 Jahren beschloss, sich bei Amnesty International zu engagieren. Seitdem hat sich die 65-Jährige zum Beispiel in Briefen für eine junge Frau starkgemacht, die in Sansibar zu Unrecht im Gefängnis saß.

Dass es „besser ist, ein Licht zu entzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen“ ist nach wie vor Heitzenröders Haltung, auch nach dem rechtsextremen Terroranschlag am 19. Februar. Deshalb hat sie mit den anderen Aktivist:innen der Hanauer Gruppe – die seit 50 Jahren besteht – dafür gesorgt, dass auf dem Freiheitsplatz jetzt eine Skulptur steht: ein riesiges, aufgeschlagenes Buch mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. 2,60 Meter hoch, eine Tonne schwer ist die Leihgabe von Amnesty International, die bis Ende 2021 in Hanau bleiben und hier eventuell den Standort wechseln soll. Sie zeigt die 30 Artikel der 1948 von den Vereinten Nationen verkündeten Erklärung, etwa Artikel 3: „Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Das Kunstwerk, das 2018 angefertigt wurde, ist ein Einzelstück mit Appellcharakter.

Das Ziel: In einer Zeit, in der täglich Straftaten aus rassistischen oder anderen extremistischen Motiven begangen werden, „ein deutliches Zeichen für Menschenrechte zu setzen“, mitten in der Stadt, erklärte Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, nach der Enthüllung am Freitag. Es sei essenziell, immer wieder an die universellen Rechte und die Verantwortung aller zu erinnern. Gleichzeitig seien die Sicherheitsbehörden gefragt, auch im kritischen Blick nach innen.

Nach den rassistisch motivierten Morden wollte die lokale Initiative, der zehn Leute aus Hanau und Umgebung angehören, der Getöteten gedenken und ein Signal für ein friedliches, solidarisches Zusammenleben senden, erzählt Sprecher Ulrich Kabatek. Deswegen bewarben sie sich um die Skulptur. Die Stadt, die als Reaktion auf den Terror unter anderem ein Zentrum für Demokratie und Vielfalt plant, unterstützte die Idee. OB Claus Kaminsky (SPD) sagt, angesichts vieler rechtsextremistischer und islamistischer Anschläge sei das Eintreten für Menschenrechte sehr wichtig. Alles könnte ganz einfach sein, so Kaminsky, wenn jeder die im großen Buch aufgeführten Rechte beherzigte.

In der Regel trifft Amnesty Hanau, das auch eine AG an der Hohen Landesschule betreut, sich einmal im Monat und startet regelmäßig Aktionen. Die Ehrenamtlichen helfen beispielsweise einem palästinensischen Anwalt, der sich Repressalien ausgesetzt sieht, und informierten mit einem „Walk of Shame“ über Menschenrechtsverletzungen. „Man braucht einen langen Atem“, sagt Heitzenröder. Aber es lohnt sich: Die Frau aus Sansibar etwa kam frei und baute sich – dank einer Nähmaschine, die die Aktivist:innen geschickt hatten – eine Existenz auf.

www.amnesty-hanau.de

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