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„Jacob und Wilhelm“ als Musical war nicht der „Brüller“.

Hanau

Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau: Musical verursachte Miese

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Die Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau enden mit einem zusätzlichen Defizit von knapp 100 000 Euro. Tickets werden teurer.

Gleichwohl es zwei Aufführungen weniger gab, wurde mit gut 81.000 Zuschauern nahezu die gleiche Zahl wie im Vorjahr erreicht. Dennoch endete die Saison 2019 mit einem unerwarterten Mehr beim Defizit in Höhe von knapp 100.000 Euro, so lautete die Bilanz zu den Brüder-Grimm-Festspielen, die Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) bekannt gab. Als Grund wird das unbekannte Musical genannt. Ob des gedeckelten Zuschusses der Stadt von 375.000 Euro steht für die Festspiele 2020 eine Preiserhöhung - und wieder ein bekannter Musicaltitel an. Die Grimm-Festspiele haben einen Saisonetat von rund 1,6 Millionen Euro.

„Jacob und Wilhelm - Weltenwandler“ hat die Erwartungen nicht erfüllt, stellte Kaminsky fest. An der Qualität des eigens für die Festspiele geschriebenen Stückes habe es nicht gelegen. Es sei „ein Beleg dafür, dass nur die bekannten Stücke ein Selbstläufer seien“. Das Singspiel um die Grimms und wie sie die Märchen zu Buch brachten, lockte etwas mehr als 20.000 Besucher in das Amphitheater, bei 35 Vorstellungen. „Schneewittchen“ und die Bremer Stadtmusikanten“ zog mit knapp 25.000 und rund 27.000 Zuschauern bei weniger Vorstellungen besser. Im kommenden Jahr geht Intendant Frank-Lorenz Engel auf Nummer sicher mit„Das tapfere Schneiderlein“.

Erstmals gibt es ein Abo

Allerdings wird es nicht zum gleichen Eintrittspreis zusehen sein, wie „Jacob und Wilhelm“. Die Tickets für das Musical werden sich um 4,50 Euro verteuern, die Inszenierung eines Grimmschen Zeitgenossen um 3,50 Euro, das Familienstück um 2,50 Euro und die Reihe Junge Talente um 1,50 Euro. Lediglich die Schulaufführungen bleiben bei fünf Euro pro Schüler. Erstmals wird es auch ein Abonnement geben, das alle vier Hauptstücke beinhaltet. Der Kunde hat freie Sitzwahl und zahlt 20 Prozent weniger als beim Einzelkauf. Günstig und neu in 2020 ist der Besuch von Generalproben. Das Ticket kostet zehn Euro. Der Kartenvorverkauf beginnt bereits im Oktober.

Nach drei Jahren sei es für eine Preisanpassung Zeit, erklärte Kaminsky. Mit der Erhöhung werden 200.000 Euro Mehreinnahmen erhofft. Mit dem Geld wird das außerplanmäßigen Defizits in dieser Saison getilgt, der Rest geht in die Produktionen, heißt es. Ab nächsten Jahr erhalten die Tickets überdies einen zusätzlichen Mehrwert. Neben der kostenfreien RMV-Nutzung, kann dann auch Hanaus jüngste Museumsattraktion „Grimms-Märchenreich“ in Schloss Philippsruhe zum Null-Tarif besucht werden.

Engel, der seit sieben Jahren die Festspiele leitet und sie aus einem Tief herausgeholte, blickt derzeit vornehmlich nach vorn, in die nächste Spielzeit. Mit dem „Tapferen Schneiderlein“ und Regisseur Werner Bauer soll das Genre Musical wieder zum Publikumsliebling avancieren. Als Familienstück kündigt Engel „Schneeweißchen und Rosenrot“an. In der Kategorie Märchendrama fiel die Wahl auf die deutsche Sage vom „Ratternfänger von Hameln“. Allerdings wird die Fassung im Gegensatz zum Original ein Happy End haben, verriet der Intendant. Ein früher Krimi mit Lustspielcharakter als wäre es ein heutiger „Tatort“ wird mit „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist einem Zeitgenossen der Grimms geboten.

Noch offen ist das Stück in der Reihe Junge Talente. Goethes „Werther“, der zwei Jahre ausverkauftes Plätze in der Wallonischen Kirchenruine brachte, soll kein drittes Mal in Folge gezeigt werden, so Engel. Zum Rahmenprogramm gehört jedoch schon jetzt mit Sicherheit ein anderer Zeitgenosse. Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin wird das Einpersonenstück „Ich, Hölderlin“ laufen. Darsteller Dieter Gring und Engel als Regisseur bringen auf die Bühne.

www.festspiele.hanau.de

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