Der Hanauer Louis Appia war Arzt und Humanist.
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Der Hanauer Louis Appia war Arzt und Humanist.

Hanau

Der Mitbegründer der Rotkreuzbewegung aus Hanau

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Das aktuelle Magazin des Geschichtsvereins widmet sich dem Arzt Louis Appia. Weitere Beiträge befassen sich mit Garf Philipp Ludwig II. und Morden während der NS-Zeit.

Historiker Erhard Bus stellt gleich zu Beginn klar: Es war der Genfer Geschäftsmann Henry Dunant, der mit seinem Werk „Un souvenir de Solférino“ – in dem er die fürchterlichen Erlebnisse bei einer Schlacht in Italien 1859 aufarbeitete – den Anstoß für die internationale Rotkreuzbewegung gab. Dunant forderte eine unabhängige zivile Organisation, die in Krieg und Frieden Sanitätsdienst leistet. Doch auch ein Hanauer spielte in der Bewegung „eine wichtige Rolle“, erklärt Bus: der am 13. Oktober 1818 in Hanau geborene Arzt Louis Appia.

Detailliert zeichnet Bus Appias Weg nach: Wie er sich nach dem Umzug nach Genf der dortigen Gemeinnützigen Gesellschaft anschließt und während des Sardinischen Kriegs Verwundete versorgt. Wie er 1863 mit anderen das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege gründet, das seinen Namen 1876 in Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ändert. Wie mit der Unterzeichnung der Genfer Konventionen 1864 die mit dem roten Kreuz markierten Lazarette als neutral anerkannt werden.

Um diese und andere Stationen geht es in Bus’ Beitrag „Louis Appias frühe Jahre in Hanau und Frankfurt“, der im aktuellen, „Neuen Magazin für Hanauische Geschichte“ steht. Es wird vom Hanauer Geschichtsverein 1844 herausgegeben und ist über das Stadtarchiv oder die Vereinswebseite www.hgv1844.de zum Preis von 7,50 Euro erhältlich.

Neben dem Artikel über Appia enthält das 266 Seiten starke Magazin einen Rückblick auf den Festakt zum 175-jährigen Bestehen des Vereins, bei dem der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sprach, sowie weitere historische Aufsätze über ganz unterschiedliche Zeiten und Aspekte: So widmet sich der Historiker Eckhard Meise dem langen Weg der Juden zur rechtlichen Gleichstellung im Altkreis Hanau im 18. und 19. Jahrhundert.

Volkskundler Carsten Sobik setzt sich mit den Morden an den Cousinen Johanna Wörner und Traut Erika Dahlkamp auseinander, die in der NS-Zeit der sogenannten Euthanasie zum Opfer fielen, ebenso wie geschätzt 200 000 weitere Menschen, die in „Heil- und Pflegeanstalten“ getötet wurden. Er möchte den beiden Frauen „ein Gesicht verleihen“, sagt Sobik. Und deshalb enthält sein Beitrag einerseits viele Informationen zur „Euthanasie“, andererseits zeichnet er die Biografien und Schicksale von Wörner und Dahlkamp nach. Diese mahnen, „sowohl der Ermordeten zu gedenken als auch Derartiges nie wieder zuzulassen“, schreibt Sobik.

Die Archäologen Michael Müller und Astrid Otte wiederum analysieren die Grabungen im Hof des Behördenzentrums am Freiheitsplatz, dem heutigen Finanzamt, bei denen Reste der früheren Altstadtbefestigung entdeckt wurden. Und Familienforscherin Antonia Kolb untersucht die Erziehung des Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg.

Bei Louis Appia geht Bus auch auf die geschichtlichen Umstände ein und das, was den Arzt offensichtlich geprägt hat: Schon Appias Vater, der französisch-reformierte Pfarrer Paul Joseph, war 1813 nach der Schlacht bei Hanau als Lazaretthelfer im Einsatz. Er erzählte seinem Sohn davon, was dessen humanitäres Engagement – wie sein „tiefer Glaube“ – wohl gefördert hat. In Frankfurt war Appia als „Armenarzt“ tätig. Später setzte er sich unermüdlich für die Prinzipien des Roten Kreuzes ein: „Er war bestrebt, dass möglichst viele Staaten der Genfer Konvention beitraten“, sagt Bus, und schrieb gleichzeitig wichtige Bücher zur Notfallmedizin und Behandlung Verwundeter.

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