Hanau

30 Millionen Euro für neue Hauptbahnhofbrücke

Die alte Brücke ist marode und verliert ihre Tragfähigkeit . Nun drohen Staus.

Im Mai dieses Jahres musste der für Bau und Straßen zuständige städtische Eigenbetrieb Hanau-Infrastruktur-Service (HIS) die Notbremse ziehen. Seitdem dürfen Lastwagen, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen, nicht mehr über die vor 61 Jahren erbaute Hauptbahnhofbrücke fahren. Ausnahmen gelten lediglich für Linienbusse, Müllautos und Rettungswagen. Der Grund: Die wichtige Brücke an der Willy-Brandt-Straße und B 43, die beispielsweise viele Fahrer auf dem Weg in Richtung A 3 nutzen, ist marode.

Sie muss abgerissen und nach Angaben der Stadt durch einen insgesamt etwa 30 Millionen Euro teuren Neubau ersetzt werden. HIS hatte demnach zusätzlich zu der vorgeschriebenen Hauptuntersuchung im Jahr 2016 zwei Jahre später von externen Ingenieuren ein Gutachten erarbeiten lassen. Das Ergebnis: Wegen „erheblicher Schäden“ sei in 10 bis 15 Jahren ein Neubau notwendig.

Zu den Schwachpunkten zählen rostende und freiliegende Anker, abgeplatzte Stellen an der Unterseite des Überbaus, Korrosion und eine zu geringe Betondeckung. Die Schäden verringern die Tragfähigkeit immer weiter und sind damit zumindest mittelfristig ein Sicherheitsrisiko. Das Kernproblem der etwa 140 Meter langen und gut 20 Meter breiten Brücke: Mit einem Gewicht von mehr als 4500 Tonnen ist sie schwerer als sie eigentlich sein sollte. Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine sogenannte Spannbeton-Hohlplatten-Brücke.

Doch weil man in den 1950ern kaum Erfahrung mit dieser Konstruktionsmethode hatte, gelangte stellenweise viel Beton in die Hohlräume – wodurch sich das Gewicht erhöhte und die Brücke anfälliger für Schäden wurde. Hinzu kam der zunehmende Lkw-Verkehr.

Zwar sollen die Tage der Brücke, die über sechs Gleisstränge führt, erst in einigen Jahren gezählt sein; HIS-Leiter Markus Henrich geht derzeit davon aus, dass die Bauarbeiten zwischen 2024 und 2026 beginnen. Doch weil das Projekt so umfangreich ist, ist die Vorbereitung bereits angelaufen. Am kommenden Montag entscheiden die Stadtverordneten darüber, ob zwei Millionen Euro für die Planung freigegeben werden. Der Magistrat hat dem schon zugestimmt.

Um Staus und andere Beeinträchtigungen – pro Tag fahren rund 18 000 Autos über die Brücke – möglichst in Grenzen zu halten, will der städtische Eigenbetrieb nach derzeitigem Stand wie folgt vorgehen: Er möchte westlich der bestehenden Brücke eine neue Spannbetonbrücke bauen lassen und sie „über einige Tage langsam an den jetzigen Standort schieben lassen“. Die alte Gleisüberführung könnte dann relativ spät parallel abgerissen oder zuvor durch eine Hilfskonstruktion bestehen bleiben.

Die neue Brücke gehört zu einer ganzen Reihe von Projekten, die die Stadt Hanau mit der Deutschen Bahn so bald wie möglich abschließen will, wie den barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen am Hauptbahnhof, die Nordmainische S-Bahn oder die Ausbau-/Neubaustrecke Hanau-Gelnhausen-Fulda. gha

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