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Eine junge Hand hält eine alte Hand (Symbolfoto).

Hanau

Mehr Hilfe für Pflegende

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Die Stadt Hanau und der Kreis schaffen neue Anlaufstellen für betroffene Bürger.

Welche Hilfen gibt es für den demenzkranken Partner, welchen Anspruch auf Sozialleistungen, welche Möglichkeiten zur Entlastung? Was tun im Konflikt mit der Krankenkasse?

Für solche Fragen haben Pflegebedürftige und Angehörige aus der Stadt und dem Altkreis Hanau im Haus am Steinheimer Tor bald zwei Anlaufstellen, die eng zusammenarbeiten wollen: Der Main-Kinzig-Kreis richtet hier bis Jahresende – Ziel ist September – eine Dependance seines Gelnhäuser Pflegestützpunktes ein, wie Sozialdezernentin Susanne Simmler (SPD) am Mittwoch ankündigte. Eine Vollzeitkraft soll Betroffene unabhängig beraten. Zunächst finanziert der Kreis die etwa 50 000 Euro teure Stelle komplett, Simmler geht jedoch davon aus, dass die „Außensprechstunde“ zeitnah als vollwertiger Stützpunkt anerkannt wird und sich die zuständige Techniker Krankenkasse (TK) zur Hälfte an den Kosten beteiligt. Ein TK-Mitarbeiter soll auch regelmäßige Sprechstunden anbieten.

Zusammen mit den Kranken- und Pflegekassen können Kreise und kreisfreie Städte Pflegestützpunkte schaffen. Dort sollen Betroffene unabhängig beraten werden, etwa zu Ansprüchen auf Sozialleistungen oder wohnortnaher Betreuung. Darüber hinaus sollen die Stützpunkte Hilfsangebote koordinieren und miteinander vernetzen. gha

Gleichzeitig baut die Stadt laut Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) im selben Haus, in dem Institutionen wie der VdK sitzen, zusätzlich und selbstfinanziert ein „Pflegeberatungszentrum“ mit einer vollen Stelle auf. Der Name wurde gewählt, weil nur Kreise und kreisfreie Städte Stützpunkte schaffen dürfen, Hanau aber Sonderstatusstadt ist. Das Zentrum soll nun mit der Dependance des Kreises alle Stützpunktleistungen bieten. Damit endet ein Konflikt: Die Stadt hatte dem Kreis vorgeworfen, sie in Sachen Pflegestützpunkt zu vernachlässigen – was das Landratsamt zurückwies. Als nur ein Stützpunkt pro Kreis erlaubt war, sei die Entscheidung 2011 auch wegen der hohen Nachfrage im ländlichen Ostkreis auf Gelnhausen gefallen. 2018 kam die Dependance in Schlüchtern hinzu. Eine weitere in Hanau sei aber in Planung gewesen.

Über den Streit wollten Simmler und Weiss-Thiel nichts mehr sagen. Sie stellten in Aussicht, die Kooperation fortzusetzen, auch wenn Hanau, wie angestrebt, zum 1. April 2021 kreisfrei wird. Beide betonten die Notwendigkeit der Beratungsstellen: In Hanau und dem Altkreis, zu dem etwa Erlensee und Bruchköbel gehören, brauchen mehr als 20 000 Menschen Pflege oder übernehmen sie als Angehörige – in 70 Prozent der Fälle sind dies Frauen. Simmler sagte, der Beratungsbedarf sei groß. Der Stützpunkt in Gelnhausen verzeichne pro Jahr 2500 Beratungskontakte.

Maria Haas-Weber, Ärztin und Vorsitzende des Fördervereins Palliative Patienten-Hilfe Hanau, begrüßt die Entscheidung. Der Verein wird das Angebot finanziell und fachlich unterstützen. Haas-Weber verweist unter anderem auf den Pflegereport, laut dem viele Pflegende körperlich und psychisch überlastet sind. „Ich träume von einer gelebten Sorgekultur“, in der auch die „Kümmerer“ gut unterstützt werden, sagte sie. Die Anlaufstellen seien ein wichtiger Schritt.

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