Corona in Hanau/Main-Kinzig

Kein Sport in der Schule und Picknick-Verbot

  • Gregor Haschnik
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In Hanau und anderen Städten des westlichen Main-Kinzig-Kreises sind die Infiziertenzahlen sprunghaft gestiegen. Jetzt gelten zahlreiche verschärfte Auflagen.

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau haben verschärfte Auflagen beschlossen, um der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Grund sei die „dynamische Entwicklung“ bei Infektionen im westlichen Teil des Kreises, „die uns große Sorgen bereitet“, sagte Landrat Thorsten Stolz (SPD) am Montag. Die Maßnahmen gelten für Hanau, Maintal, Nidderau, Bruchköbel, Erlensee und Neuberg. Allerdings empfiehlt der Kreis den anderen Kommunen des Altkreises Hanau, darunter Langenselbold, die Beschlüsse auch umzusetzen.

Der Inzidenzwert – die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner – lag gestern in Hanau bei 63. Damit hat Hanau sogar die letzten Höchstwerte aus Offenbach überschritten. Die anderen fünf Kommunen aus dem Westkreis haben die Schwelle von 20 ebenfalls überschritten, in Neuberg zum Beispiel beträgt der Wert 24.

Die Liste der Maßnahmen ist lang: So sind Veranstaltungen unter freiem Himmel auf 100 Teilnehmer begrenzt, in geschlossenen Räumen auf 50. In der Öffentlichkeit und in Restaurants dürfen sich höchstens fünf Leute aus zwei Haushalten versammeln, im privaten Umfeld und bei Veranstaltungen von Vereinen höchstens 20. Grillen oder Picknicken in der Öffentlichkeit sind untersagt. Im Unterricht an weiterführenden Schulen herrscht Maskenpflicht, der Sportunterricht fällt überall aus. Der Spielbetrieb bei Vereinen wird unterbrochen, der Trainingsbetrieb eingeschränkt. Dieser ist nur mit bis zu zehn Teilnehmern, 1,50 Metern Abstand und im Freien möglich. In den Schwimmbädern wird die zulässige Besucherzahl halbiert, im Hanauer Heinrich-Fischer-Bad sind 300 erlaubt. Weitere Auflagen beziehen sich etwa auf Besuche in Kliniken und Altenheimen.

Die Einschränkungen gelten vorerst für vier Wochen, wobei Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler (SPD) betonte, der Kreis beobachte die Entwicklung und reagiere, entweder mit einer Verlängerung oder Lockerung. Stolz sprach von einem „Warnschuss“. Die Pandemie sei nicht vorbei, die Schritte müssten befolgt werden, auch um Kliniken nicht zu überlasten. Derzeit bewege sich die Zahl der stationär Behandelten jeweils im einstelligen Bereich, was sich aber rasch ändern könne.

Inzidenzwerte sind sprunghaft gestiegen

Die Inzidenzwerte sind sprunghaft gestiegen. In Hanau etwa war der Wert zum Ende der Ferien noch auf 17,6 beziffert worden. Den Anstieg führten Simmler und Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) besonders auf Reiserückkehrer, aber auch auf Feiern und Veranstaltungen im Privaten und bei Vereinen zurück. Teilweise habe die Disziplin nachgelassen. Bei Hanau komme hinzu, dass täglich zwischen 10 000 und 15 000 Menschen in die Stadt kämen, um einzukaufen oder zu arbeiten.

Verändert hat sich die Struktur der Betroffenen im Kreis: Stellten die unter 29-Jährigen im April knapp 20 Prozent der Erkrankten, sind es jetzt 54 Prozent.

Kaminsky sagte, es gebe „keinen Grund zur Panik“, aber zu „tiefer Sorge“. Es komme zum einen darauf an, die Gesundheit vor allem der Risikogruppen zu schützen. Zum anderen, einen erneuten Lockdown zu verhindern. Dieser würde enorme wirtschaftliche und soziale Schäden verursachen, wenn unter anderem Kitas geschlossen werden müssten.

Um die Maßnahmen zu kontrollieren und – was problematisch ist – durchzusetzen, wolle Hanau mehr Personal einstellen, auch für die Stadtbusse. Zehn Stellen seien vorgesehen. Jedoch sei es nicht leicht, genug geeignete Mitarbeiter zu finden. Bei der Stadtpolizei und beim städtischen Hygiene-Team kümmerten sich derzeit jeweils etwa fünf Beschäftigte nur um die Corona-Regeln.

Hanau, das derzeit gut 98 000 Einwohner hat, gehört zum Main-Kinzig-Kreis, bei dem das Gesundheitsamt angesiedelt ist. 2022 will die Stadt kreisfrei werden. Seit Beginn der Corona-Krise hat Hanau mehrfach strengere Maßnahmen ergriffen. So war die Stadt im April hessenweit die erste, die eine Maskenpflicht eingeführt hat. Am Freitag hatte Kaminsky eine für Samstag geplante Demonstration zum Gedenken an die Opfer des Anschlags vom 19. Februar abgesagt. Dafür wurde er kritisiert, auch wegen der Kurzfristigkeit. Am Montag begründete der OB erneut sein Vorgehen: Er habe erst kurz vor 18 Uhr erfahren, dass der Inzidenzwert auf 49 gestiegen sei, und keine andere Wahl gehabt, auch wegen der Vorschriften im Corona-Eskalationskonzept des Landes. Strengere Auflagen hätten nichts gebracht, so Kaminsky, bei 5000 Menschen wäre es nicht möglich gewesen, sie konsequent durchzusetzen. Im Nachhinein sei seine Entscheidung durch den weiteren Anstieg der Zahlen bestätigt worden.

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