20.000 Technofreunde feierten in Hanau das Love Family Park.
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20.000 Technofreunde feierten in Hanau das Love Family Park.

Hanau Love Family Park

Aus für Love Family Park

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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Das hessische Umweltministerium untersagt zukünftig das Technofestival Love Family Park auf den Mainwiesen in Hanau wegen Umweltbedenken. OB Claus Kaminsky (SPD) kritisiert die Entscheidung. Für das Festival gibt es derzeit keinen alternativen Standort.

Der Love Family Park auf den Hanauer Mainwiesen ist Geschichte. Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich hat sich dem Votum des Regierungspräsidiums angeschlossen und das jährliche eintägige Technofestival im Landschaftsschutzgebiet verboten. Es dürfe „keine Großveranstaltung an dieser umweltsensiblen Stelle“ geben, sagte Ministeriumssprecher Sebastian Wysocki zur Frankfurter Rundschau und verwies auf Vegetationsschäden und Bodenverdichtungen, die die 20.000 Besucher verursachten.

OB und Dezernent empört

Mit Enttäuschung, Empörung und scharfen Vorwürfen gegen die Minsterin reagierten Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) auf den Brief, der am Montag im Rathaus eingetroffen war. Sowohl das Vorgehen Puttrichs als auch das Ergebnis stünden „in keinem Verhältnis zur Bedeutung des Love Family Parks“, schreiben sie in einer Pressemitteilung. Schließlich sei das Festival, das seit 17 Jahren in Hanau gefeiert wird, eine „feste Institution der Jugendkultur in Deutschland und weit über die Landesgrenzen hinaus“. Kaminsky sieht in dem Verbot sogar einen Grund für junge Menschen, sich von der Politik abzuwenden. Es sei „kein Wunder, dass es bei der Jugend eine zunehmende Politikverdrossenheit gibt“, schreibt er, schließlich würden „ihre Interessen von manchen Politikerinnen und Politikern überhaupt nicht ernst genommen“.

Verdrossen sind Kaminsky und Kowol auch darüber, dass die Ministerin schon jetzt entschieden hat. Sie wollten sie in einem persönlichen Gespräch davon überzeugen, die Entscheidung des RP zu revidieren. Das hatten sie Anfang Oktober nach Wiesbaden geschrieben – ohne Erfolg. Zuvor, Ende September, hatten sich Vertreter der Unteren (Stadt), Oberen (Regierungspräsidium) und Obersten (Ministerium) Naturschutzbehörde in Wiesbaden getroffen. Dabei war auch Stefan Huck. Er hatte im Auftrag der Stadt die Auswirkungen des Technofestivals auf die Tier- und Pflanzenwelt auf der Wiese untersucht – jedoch nur ein Jahr lang.

An der Interpretation dieses Gutachtens scheiden sich die Geister: Während RP und Ministerium es als Beweis dafür sehen, dass die Wiesen durch Großveranstaltungen nachhaltig geschädigt werden, liest die Stadt Hanau daraus die Möglichkeit zu einem Zwischenschritt: Der Love Family Park soll weitere fünf Jahre genehmigt werden, begleitend führt Huck seine Untersuchung fort. Ähnlich hatte sich auch Huck selbst geäußert: Die in einem Jahr festgestellten Veränderung in der Vegetation zeigten „nur Tendenzen auf“. „Nur durch weitere Untersuchungen“ könnten „belastbare Aussagen getroffen“ werden. Das sehe das Ministerium aber anders, sagte Sprecher Wysocki: Die Fachleute dort gingen davon aus, dass „spätere Untersuchungen zu keinem anderen Ergebnis führen werden“.

Weitere Pläne unklar

Überrascht zeigte sich am Dienstag auch Robin Ebinger, Anteilseigner beim Veranstalter Cosmopop: „Ich bin sprachlos.“ Viel mehr wollte Ebinger spontan auch nicht sagen, nur soviel: Cosmopop müsse nun schauen, ob es in Hessen andere Flächen für den Love Family Park gebe.

Obwohl die Diskussion über den Love Family Park seit fast drei Jahren läuft, war am Dienstag nichts über die weiteren Pläne der Stadt zu erfahren. Weder Kaminsky noch Kowol wollten sich persönlich äußern und verwiesen auf die Pressemitteilung.

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