Hanau

Lindenaubad in Hanau-Großauheim wird endlich erneuert

Stadt und Land investieren 5,8 Millionen Euro in die Schwimmhalle Der Sanierungsstau in diesem und anderen hessischen Bädern ist groß.

Gechlortes Wasser dringt langsam in den Boden und zerstört den Beton nach und nach, zerfrisst teilweise so viel Substanz, dass im Untergeschoss des Lindenaubades Eisen freiliegt. Dort, wo sich all die Rohre und technischen Anlagen befinden, gibt es eine ganze Reihe wunder Punkte. An einer Stelle wird die Decke provisorisch mit Stützpfeilern stabilisiert, an einer anderen haben die Techniker selbst eine Kunststoffrinne gebastelt, um Wasser aufzufangen.

Jetzt kann die Schwimmhalle des in die Jahre gekommenen Kombibades – das Freibad wurde 1962/63 gebaut, das Hallenbad 1974 – endlich umfassend saniert werden. Zuletzt wurde die Halle in den 90ern in größerem Umfang erneuert. Am Freitag hat Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD), der gleichzeitig Aufsichtsratschef der städtischen Hanau Bäder GmbH ist, angekündigt, dass hier in den nächsten Jahren insgesamt 5,8 Millionen Euro investiert werden sollen. Eine Million Euro davon kommt vom Land Hessen, aus dessen Schwimmbadinvestitionsprogramm (Swim), das den Erhalt und die Modernisierung hessischer Bäder fördern soll.

Im Großauheimer Hallenbad wird vor allem der essenzielle Unterbau mit der Technik auf Vordermann gebracht. Auch die Bodenplatte, Becken und deren „Umgänge“, Rinnen, Fliesen und andere Teile stehen auf der Liste, ebenso wie der Eingangs-, Umkleide- und Duschbereich und die Wandgestaltung. Die Optik solle an die Nordsee erinnern, sagt der zuständige Architekt Matthias Marhöfer.

Bad und Förderung

Das Lindenaubadist ein Kombibad in Großauheim. Das Freibad wurde 1962/63 gebaut, das Hallenbad 1974 und seit 1997 kaum saniert. Zudem gibt es in Hanau das Heinrich-Fischer-Bad.

Das Landstellt bei seinem Schwimmbadinvestitionsprogramm (Swim) ab 2019 fünf Jahre lang jeweils zehn Millionen Euro für die Modernisierung von Bädern zur Verfügung.

Die Oppositionim Landtag kritisierte das Programm. Die Abgeordnete Karin Hartmann (SPD) etwa sprach von einem „Tropfen auf den heißen Stein“ angesichts der Dimensionen, um die es gehe. So koste allein die energetische Sanierung des Hallenbades in Lampertheim 2,5 Millionen Euro. Zuvor hatte die DLRG mehrfach vor dem Schwimmbadsterben in Hessen (2017 zählte die DLRG 44 Schließungen seit 2000) und den Folgen gewarnt. gha

Wegen der Sanierung ist die Halle von November 2020 bis April 2022 geschlossen. Und weil die technische Infrastruktur von Hallen- und Freibad nebeneinanderliegt, teils zusammenhängt, bleibt auch das Freibad zu. Viele Rohrleitungen und Pumpen müssen zurückgebaut werden. In Hanau steht dann nur das Heinrich-Fischer-Kombibad zur Verfügung.

Die Mängel in Großauheim und in vielen anderen hessischen Bädern sind enorm. In Hanau liegt dies auch daran, dass die Stadt lange ein hohes Defizit im Haushalt hatte und sogar zur Debatte stand, ein Bad dichtzumachen. Für den Magistrat sei dies aber nie infrage gekommen, sagt OB und Kämmerer Claus Kaminsky (SPD). Es sei besonders wichtig, dass Kinder die Möglichkeit hätten schwimmen zu lernen. Das gehöre zur Daseinsvorsorge, gerade in einer stark wachsenden Stadt. Mittlerweile werden im städtischen Etat Überschüsse geschrieben, im vergangenen Jahr waren es 15,5 Millionen Euro. Deshalb und wegen des Zuschusses vom Land könnten nun größere Investitionen gestemmt werden – auch wenn der jährliche Zuschussbedarf der Bäder GmbH, die zuletzt 314 600 Schwimmbadbesucher zählte, aktuell 3,3 Millionen Euro beträgt. In den nächsten Jahren will die Stadt in Summe zwölf Millionen Euro für ihre beiden Bäder ausgeben. Das Geld ist dringend notwendig: So stammen zum Beispiel die Rohre im Freibad des Heinrich-Fischer-Bades aus dem Jahr 1982.

Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth (CDU) hat den Sanierungsstau in Hanau und andernorts registriert. Er bedauere es, dass einige Bäder gar geschlossen werden mussten. Weniger Schwimmflächen trügen dazu bei, dass weniger Menschen schwimmen können und mehr ertrinken. Deswegen habe das Land zunächst das Hallenbad-Investitionsprogramm (Hai) und danach das Programm Swim aufgelegt, mit einem Volumen von jeweils rund 50 Millionen Euro.

Doch für wie viele marode Bäder reicht das Geld? Allein im Main-Kinzig-Kreis haben mehr als zehn Bäder eine Förderung beantragt. Mitte 2019 waren hessenweit schon etwa 100 Projekte angemeldet. Bei Hai seien 45 Millionen Euro abgerufen worden, so Beuth. Bei Swim werde das Land die Entwicklung beobachten und gegebenenfalls reagieren.

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