RuhefeldFR-1_091020
+
Noch ist reichlich Platz unter den Bäumen im neuen Ruhewald in Großauheim.

Hanau

Letzte Ruhe unter Bäumen

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
    schließen

Die Stadt Hanau hat einen Ruhewald in Großauheim eröffnet. Er bietet Platz für mehr als 2000 Urnen.

Richtig aufgeräumt, fast wie durchgefegt wirkt die fußballfeldgroße Waldfläche am Alter Kahler Weg in Großauheim. Von niedrig gestapelten Stämmen wird das Areal dezent eingefriedet. Die Buchen und Kiefern darin stehen weiter auseinander als im Forst drumherum, dazu wurden einige kleinere Bäume entfernt. Hanaus erster Ruhewald bietet somit Platz für 2124 Urnengräber.

Im Boden stecken kreisförmig um die Bäume weiße, handgroße Kunststoffteller. „Die markieren die Quadrate, wo die Urnen beigesetzt werden“, sagt Thomas Asbach vom städtischen Betrieb Hanau Infrastruktur und Service (HIS). Er konzipierte die Anlage. Auf einigen dieser Quadranten liegt bereits ein einfacher Blumenstrauß. Gleichwohl der Ruhewald erst vor drei Wochen eröffnete, haben dort schon mehrere Bestattungen stattgefunden, berichtet Asbach. Der Grabverkauf sei sehr gut angelaufen, sagt Alexandra Kinski, Leiterin der Abteilung Friedhöfe beim Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS). Der Betrieb habe sich bereits Erweiterungsfläche gesichert, falls der eine Hektar nicht reicht.

Waldgrab

Nur Urnen aus biologisch abbaubaren Material dürfen begraben werden.

Grabschmuck ist zumeist nicht erlaubt.

Der Hanauer Ruhewald ist einen Hektar groß und hat Platz für 2124 Urnen.

In Gelnhausen unterhält die Firma Friedwald (geschützter Name!) 50 Hektar für bis zu 25 000 Urnen.

„Wir haben den Ruhewald geschaffen, weil immer mehr Menschen eine naturnahe Bestattung wünschen“, sagt Kinski. Die letzte Ruhe unter dem grünen Blätterdach hat auch noch den Vorteil, dass sie immer vom Schmuck der jahreszeitlichen Natur geziert wird. Herkömmliche Grabpflege ist sogar verboten. „Die Käufer und Angehörigen sind damit hoch zufrieden“, sagt Asbach. Für Hinterbliebene, die nicht in der Nähe wohnen, sei das Grab im Ruhewald somit auch eine Entlastung.

Kinski und Asbach haben sich vor der Umsetzung in der Umgebung schlau gemacht. Die Stadt Nidderau etwa betreibt seit Jahren einen großen Bestattungsforst im Stadtteil Eichen, in Gelnhausen hat das Geschäft mit dem Grab unter Bäumen die Friedwald GmbH übernommen. An Wald mangelt es in Hanau nicht, aber die Örtlichkeit muss gut erreichbar sein, sagt Kinski. Am Ende vom Alter Kahler Weg habe sich der passende Ort gefunden, mit Parkplatz und einer ebenen Geländetopografie, die gehbeeinträchtigten Menschen den Besuch nicht erschwere.

Bei der Anlage des Ruhewalds wurden 129 stattliche, zukunftsträchtige Bäume ausgesucht, um die herum bis zu 32 Urnen versenkt werden können. Der Preis beträgt gut 2000 Euro. Zum halben Preis liegt es sich im Waldgemeinschaftsgrab, dafür ohne Wurzelnähe und auf 20 Jahre begrenzt. Auch wenn in den Quadranten am Boden der Bäume fast nichts auf eine Ruhestätte hindeutet, bleibt der Ort nicht anonym. Um die Stämme werden DIN-A4 große Tafeln mit Name, Geburts- und Sterbedatum angebracht. „Die Tafeln sind an einem Ring befestigt, der sich mit dem Stamm weitet“, erläutert Asbach. Ein Info-Board am Eingang des Ruheforstes gibt über Nummern Auskunft, wo sich eine Grabstätte befindet. Die Friedhofsleute können per GPS auf die Gräberdaten zugreifen.

Trotz des Trends und der Kapazität von mehr als 2000 Urnen sieht Kinski nicht die Gefahr, dass der Ruhewald eine Konkurrenz zu den Gottesäckern etwa in den Stadtteilen ist und sie langfristig zu Baugebieten macht. Es gibt immer Leute, die auf einem herkömmlichen Friedhof beerdigt werden wollen, sagt sie. „Friedhöfe sind wegen ihres Parkcharakter mittlerweile ein Ort zum Entspannen und die grüne Lunge der Stadt“, sagt sie. In diesem Sinn ist der Hauptfriedhof mit seinen 14 Hektar der größte Park in der Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare