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Auf der Tribüne gut zwei Meter über der Baustelle liest Elke Hohmann aus Steven Uhlys „Glückskind“.
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Auf der Tribüne gut zwei Meter über der Baustelle liest Elke Hohmann aus Steven Uhlys „Glückskind“.

Hanau Literatur

Lesen, wo die Bagger lärmen

„Hanau liest ein Buch“ bringt Literatur an ungewöhnliche Orte der Stadt. Auf der Baustellen-Tribüne am Freiheitsplatz können Besucher noch zwei Mal "Glückskind" lauschen.

Von Sebastian Meineck

„Hanau liest ein Buch“ bringt Literatur an ungewöhnliche Orte der Stadt. Auf der Baustellen-Tribüne am Freiheitsplatz können Besucher noch zwei Mal "Glückskind" lauschen.

Die eisernen Treppenstufen zur Tribüne knirschen, das Piepen eines Containerwagens im Rückwärtsgang tönt über die Baustelle am Freiheitsplatz. Knapp zehn Leute haben die provisorische Tribüne neben der Baustelle bestiegen, sie sitzen auf blauen Klappstühlen. Gleich wird Volkshochschulleiterin Elke Hohmann aus Steven Uhlys Roman „Glückskind“ vorlesen. „Sonst lese ich jeden Abend meinen Kindern vor“, sagt sie.

Eine Besucherin löffelt ein Eis. „Meine Schwester hat mir gesagt, komm, nach dem Kino gehen wir noch hier hin“, erzählt sie. „Sie hat davon in der Zeitung gelesen.“ Dann schaut sie über die Baustelle und fragt sich: „Kommen die da überhaupt voran?“ Der piepende Containerwagen kämpft sich rückwärts einen Hügel hinauf und kippt einen Schwall Erde aus.

Die Idee, an einem so ungewöhnlichen Ort zu lesen, kommt von Beate Schwartz-Simon, Organisatorin des Lesefestes „Hanau liest ein Buch“, das an neun Tagen 135 Lesungen zum Roman „Glückskind“ in der ganzen Stadt veranstaltet. „Der Freiheitsplatz ist auch unsere Baustelle“, erklärt sie. Schwartz-Simon leitet die Stadtbibliothek in Hanau. Am Freiheitsplatz soll einmal das „Forum Hanau“ entstehen, mit einem Einkaufszentrum und einem Kulturforum, wo auch die neue Bibliothek ihren Platz haben soll. „2015 wollen wir umziehen.“

Schon seit dem Beginn von „Hanau liest ein Buch“ im Jahr 2005 geht es darum, Literatur in die ganze Stadt zu bringen. „Wir hatten schon alles Mögliche“, sagt Schwartz-Simon. „Aber eine Lesung auf der Baustelle hatten wir noch nicht.“

Fünfmal wird auf der Tribüne am Freiheitsplatz gelesen, einige der Vorleser sind stadtbekannt. So liest am morgigen Donnerstag, 29. August, zum Beispiel der Landtagsabgeordnete Aloys Lenz (CDU). Bereits gelesen hat Friedrich Trapp, Geschäftsführer der Martin-Luther-Stiftung. Vor einigen Jahren hat er schon einmal im Schwimmbad gelesen „mit Badehose und mit den Beinen im Wasser.“ Warum er sich nun für die Baustelle entschieden hat? „Ich finde es schön“, sagt er, „mitten im Getümmel, zwischen Baumaschinen und dem Staub der Baustelle, eine kleine Botschaft zu vermitteln: nämlich dass man Glück auch an ungewöhnlichen Orten finden kann.“

Aber außer der Baustelle gibt es einen weiteren besonders ungewöhnlichen Leseort, verrät Beate Schwartz-Simon: Zwei Mal sollen es sich Vorleser und Zuhörer zwischen Mülltonnen bequem machen (heute, 28. August, am Staatlichen Schulamt, Hessen-Homburg-Platz 8, um 13 Uhr und Donnerstag, 29. August, in der Leipziger Straße 30, 18 Uhr). „Das ist wirklich eine Herausforderung“, gibt sie zu. „Es ist auch etwas ungemütlich.“ Die Idee dazu hatten Bürger, die sich freiwillig zum Vorlesen gemeldet haben, weil im Roman der Protagonist Hans D. ein Baby in der Mülltonne findet. „Jedes Buch erzeugt neue Orte, neue Veranstaltungsformen“, sagt Beate Schwartz-Simon.

Perspektive verändert sich

In diesem Jahr gibt es etwa doppelt so viele Veranstaltungen wie 2011, und das an 85 Orten – ob das nicht irgendwann zu viel ist? Beate Schwartz-Simon verneint: Die Besucher würden nicht weniger werden, nur weil es immer mehr Orte gibt, im Gegenteil: „Die Orte finden die Leute.“

Mittlerweile hat Elke Hohmanns Stimme noch mehr Menschen von der Straße die Tribüne hinauf gelockt. Auf dem Balkon des Nachbarhauses, in gleicher Höhe zur Tribüne, steht ein Mann in Jogginghose und lauscht.

„Hanau liest ein Buch gibt den Leuten die Möglichkeit, die Stadt mit anderen Augen zu sehen“, sagt Beate Schwartz-Simon.

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