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Die Rampe vor der „Blumenfee“ hat ein Blumenmotiv.

Hanau

Mit Lego-Rampen Barrieren in Hanau überwinden

Eine Initiative um Rita Ebel sammelt Steine, baut damit Rampen und fördert so die Inklusion.

Rita Ebel muss nur ein wenig Schwung holen – und schon ist sie mit ihrem Rollstuhl im Textilgeschäft von Alican Efe. Dass es so flott geht und keine Hürde im Weg steht, liegt an einer mobilen bunten Rampe aus Legosteinen, die Ebel mit ihren Mitstreitern von der inklusiven Bewegung „Menschen in Hanau“ (MIH) gebaut hat. Sie strahlt. Wieder ein Hindernis weniger. Es ist die zehnte Rampe vor Läden und Einrichtungen in Hanau, die Leuten mit Rollstuhl oder Kinderwagen das Leben erleichtert, und längst nicht die letzte, sagt Ebel.

Die Mini-Auffahrten erfüllen eine praktische Funktion, einerseits. Andererseits „geht es darum, dass sich in den Köpfen etwas bewegt“, betont die engagierte Frau, die vor vielen Jahren einen schweren Autounfall hatte. Sie möchte Menschen auf Barrieren – auch im übertragenen Sinne – aufmerksam machen und zum gemeinsamen Abbau anregen. „Die bunten Rampen sind ein Hingucker. Man registriert es.“ Und denkt zumindest kurz darüber nach. Ebel will fehlende Barrierefreiheit nicht nur kritisieren, sondern was dagegen tun. Deshalb war die Hanauerin begeistert, als sie in einer Zeitschrift von der Lego-Rampen-Initiative in Bielefeld las. Die Stadt gehörte zu den Pionieren, mittlerweile gibt es das Projekt unter anderem auch in Frankfurt und Offenbach.

Rita Ebel regte bei MIH an, den Bielefeldern zu folgen, und hatte die anderen sofort auf ihrer Seite. „Unser Ziel ist, dass Hanau barrierefrei wird“, sagt Sylvia Janka, die zu den gut 30 Aktiven bei MIH zählt. Inklusion funktioniere nur, wenn man alle mitnehme, niemanden ausschließe. Letzten Endes sei es ganz einfach: Wenn jemand wegen der Hürden irgendwo nicht reinkommt, kann man ihn nicht kennenlernen.

„Wir wollen mit guten Beispielen wie den Lego-Rampen für Barrieren und Inklusion sensibilisieren“, sagt Janka. Dafür brauche es nicht viel, jedenfalls nicht viel Geld. Viele Steine, die mit Silikon verklebt werden, benötigt man schon. Je nachdem, wie hoch und breit die Hilfe werden muss, können es schon mal 8000 sein, was mit einem Rampengewicht von mehr als zehn Kilo einhergeht.

Doch an Stein-Spenden zu kommen ist nicht schwer. Ebel und ihre Unterstützer haben erfolgreich Aufrufe gestartet, Sammelstellen organisiert. „Wir bekommen aus Hanau, dem Main-Kinzig-Kreis, sogar aus Bayern und Sachsen viele Steine.“ Auch in Kitas wird gesammelt. Darüber freut sich die Initiatorin, deren Enkelin für die „Lego-Oma“ beliebte Accounts in sozialen Netzwerken pflegt. Dass immer mehr Leute mithelfen, „beflügelt mich“.

Acht Stunden kann der Rampenbau dauern, der mit genauem Maßnehmen beginnt. Bauanleitungen bekamen Ebel & Co. aus Bielefeld, aber jede Rampe muss individuell gefertigt werden. Im Juni wurde die erste installiert. Manche Händler, auf die MIH deswegen zuging, waren skeptisch. Alican Efe nicht: „Das ist eine gute Idee. Und so einfach!“

Die Initiative will über Hanau hinaus wirken. Die nächsten Rampen gehen wohl nach Nidderau und NRW. Ebel wurde von einer Mutter angeschrieben, deren Tochter wegen einer Erkrankung Rollstuhl fährt und eine Rampe vor ihrem Haus braucht. Die Hanauer arbeiten schon daran, ihr den Wunsch zu erfüllen.

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