Michael Gamer und Heike Zick-Kuchinke betrachten Fotos von Hundertjährigen aus Hanau, vorn Margarete Günther.
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Michael Gamer und Heike Zick-Kuchinke betrachten Fotos von Hundertjährigen aus Hanau, vorn Margarete Günther.

Hanau Ausstellung

Das Leben jeden Tag genießen

  • Uta Grossmann
    vonUta Grossmann
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Eine Ausstellung in Steinheim zeigt Fotografien von fünf Hundertjährigen aus Hanau. Zwei der abgebildeten Hochbetagten leben noch. Alle abgebildeten Hundertjährigen strahlen Gelassenheit und Lebensbejahung aus.

Eine Ausstellung in Steinheim zeigt Fotografien von fünf Hundertjährigen aus Hanau. Zwei der abgebildeten Hochbetagten leben noch. Alle abgebildeten Hundertjährigen strahlen Gelassenheit und Lebensbejahung aus.

Wenn ein Bild mehr als tausend Worte sagt, dann erzählen Bilder von Händen ganze Romane. Die Evangelische Kirchengemeinde Steinheim zeigt im Steinheimer Familien- und Generationenzentrum an der Ludwigstraße Fotografien von fünf hundertjährigen Hanauerinnen. Drei von ihnen sind aus Steinheim.

Der Fotograf Winfried Eberhardt aus Frankfurt hat die Hochbetagten aufgenommen, und er hat die Kamera immer wieder auf ihre Hände gerichtet. Hände beim Stricken oder Lesen, mit einer Lupe über dem Fernsehprogramm oder in Großaufnahme, wie eine von unzähligen Fältchen durchzogene Skulptur. Die Begegnung mit den Hochbetagten hat ihn stark beschäftigt. „Ich habe mich gefragt, wie will ich selbst im Alter leben.“ Daraus entwickelte sich der Entschluss, einen Lebenstraum zu verwirklichen und an den Bodensee zu ziehen.

Die Idee für die Fotoschau hatte Barbara Heddendorp vom Hanauer Seniorenbüro. Die evangelische Gemeinde nahm die städtische Woche der Demenz zum Anlass, in ihrem umgebauten Gemeindehaus, das im April eröffnet wurde, erstmals eine Ausstellung auszurichten. Der Titel: „Hundert Jahre Leben“.

Der Ausstellungsraum war früher die Winterkirche der Gemeinde. Im Zuge des Umbaus wurden hohe Fenster eingebaut, die bis zum Boden reichen. Dazwischen hängen die Bilder der alten Menschen. Draußen im Hof spielen Kinder aus der Kita. Die Betrachter haben die ganz Alten und die ganz Jungen im Blick. Das ist ganz im Sinne der Kirchengemeinde, denn das Generationenzentrum soll ein Ort der Begegnung für alle Menschen sein.

Zwei der abgebildeten Hochbetagten leben noch. Margarete Günther, die Dame mit der akkuraten Frisur und dem herzhaften Lachen, und Gertrud Schulz, die auf einem Bild mit Kopfhörer zu sehen ist, wie sie ganz versunken dem Hörbuch „Alte Liebe“ lauscht. Michael Gamer, der Vorsitzende des Fördervereins Bildung der Gemeinde, erzählt beeindruckt, wie Margarete Günther bei der Ausstellungseröffnung ein Tänzchen mit dem Schwiegersohn von Gertrud Schulz hinlegte. Im Oktober wird sie 102. „Sie war immer sportlich“, sagt Pfarrerin Heike Zick-Kuchinke.

Ausdrucksvolles Gesicht

Ein Foto zeigt Johanna Schrabback. Das würdevolle, ausdrucksstarke Gesicht ist halb von einer Trockenhaube verdeckt. „Sie war stets wie aus dem Ei gepellt“, erinnert sich Zick-Kuchinke. Im Frühjahr wurde die Urenkelin der inzwischen verstorbenen Seniorin in der Steinheimer Gemeinde konfirmiert.

Alle abgebildeten Hundertjährigen strahlen Gelassenheit und Lebensbejahung aus. Zick-Kuchinke sagt, sie beobachte häufig, dass Menschen, die ein so hohes Alter erreichen, eine Haltung der Dankbarkeit für das entwickeln, was ihnen noch möglich ist. „Sie genießen das Leben, jeden Tag.“

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