In Hanau gingen erneut die Menschen in einem breiten Bündnis gegen den rechten Mob auf die Straße.
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In Hanau gingen erneut die Menschen in einem breiten Bündnis gegen den rechten Mob auf die Straße.

Hanau NPD-Kundgebung

Lautstarker Protest

Das „Bündnis der Vielfalt“ begegnet den rechtsradikalen Parolen der NPD mit Lärm. Alles verläuft weitgehend friedlich. Die Polizei verzeichnet sieben Festnahmen und drei Verletzte.

Von Anne Lorec

Ohrenbetäubend und weitgehend friedlich verlief am Samstag die kurzfristig anberaumte Wahlkundgebung der NPD vor dem City-Center. Rund 200 Demonstranten, als „Bündnis der Vielfalt“ aktiviert, standen, durch einen dichten Polizei-Kordon abgeschirmt, einem knappen Dutzend Neonazis gegenüber. Sie kämpften mit Megaphonen, Lärm-Instrumenten und mit Unterstützung einer Musikband gegen die demokratiefeindlichen Parolen. Die Polizei meldete sieben Festnahmen. Es gab drei Verletzte, unter ihnen zwei Beamte.

Pünktlich um neun Uhr drehten die Mannen um den NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel zwei riesige Lautsprecherboxen auf, und mehrere seiner Anhänger bezogen vor dem Wahlkampf-Laster Position mit Regenschirmen – zur Abwehr der erwarteten Wurfgeschosse, die auch prompt angeflogen kamen, wie Eier oder wassergefüllte Ballons. In dichten Pulks schoben sich Polizisten zwischen die Kontrahenten, um eine Veranstaltung zu sichern, die sich qua Gesetz nicht verbieten ließ. Zwei Mal hatte die Stadt Hanau in den vergangenen Wochen diesen Versuch unternommen, und zwei Mal war sie damit vor Gericht gescheitert.

Angriffe auf OB und die Stadt

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) war denn auch immer wieder Zielscheibe der Redner, die ihm wegen seiner Verbotsversuche die Verschwendung von Steuergeldern vorwarfen und seine Unterstützung für die Kakophonie der Pfeifen, Sirenen, Rasseln und Ratschen jenseits der doppelten Absperrgitter eine „Schande für die freiheitliche Demokratie“ nannte. Um danach in gewohnter Manier gegen Ausländer und die Bundespolitik insgesamt ins Feld zu ziehen. Derweil stand Kaminsky von Polizisten umringt den aufgebrachten Gegendemonstranten aller demokratischen Lager von Angesicht zu Angesicht gegenüber, um mäßigend auf sie einzuwirken. Was in den vorderen Reihen gelang, wo Politiker aller demokratischer Parteien, Gewerkschafter, Engagierte aus Kirchen und sozialen Verbänden immer wieder „Nazis raus!“ skandierten, scheiterte im Hintergrund. Von hier aus kamen Wurfgeschosse, und Polizisten gingen gegen die Werfer vor.

Sieben Personen wurden wegen „Landfriedensbruchsdelikten“ festgenommen. Dabei wurden zwei Polizisten sowie ein Demonstrant verletzt. Dennoch wertete ein Polizeisprecher die Veranstaltung als „relativ unproblematisch“ und „schon noch friedlich“. Als engagierter Gegendemonstrant zeigte sich dagegen Hagen Kopp von der Initiative „Kein Mensch ist illegal“ empört über die „sehr brutalen“ Festnahmen und die große Polizeipräsenz allgemein. Nach gut einer Stunde zogen sich die NPD-Streiter, die den Protest geradezu zu genießen schienen, zurück. Kaminsky versammelte die Hanauer ums Mikro der Band „Wingerts“ und lobte die parteiübergreifende Bereitschaft, „solchen unsäglichen Auftritten die Stirn zu bieten“. Wie auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe, forderte er ein Verbot dieser verfassungsfeindlichen Partei. Und er bedankte sich unter Beifall bei den Polizisten für ihren Einsatz.

Mehrfach hatten die Hassredner angekündigt, dass sie in Kürze wiederkommen wollten. „Und wir halten unsere Versprechen“, drohte Apfel. Der OB kündigte an, nach der Wahl die demokratischen Kräfte zu einem Austausch darüber einladen zu wollen, wie man künftig intelligent mit dieser Herausforderung umgehen soll: „Es ist eine bittere Wahrheit und ein Dilemma: Mit Gegenwehr werten wir die NPD und ihre furchtbaren Parolen auf.“

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