+
Das Schauobjekt des BUND zum Wildkatzentag in der Alten Fasanerie Klein-Auheim.

Tiere

Lautloser Jäger steht in Hanau im Mittelpunkt

  • schließen

Der Wildkatzentag lockt in die Alte Fasanerie. Der Spessart hat sich zu einem Hotspot entwickelt.

Ein sehr scheuer Waldbewohner stand am Samstag im Wildpark Alte Fasanerie Klein-Auheim im Mittelpunkt, die Europäische Wildkatze. Ausrichter des Wildkatzentag war der BUND in Zusammenarbeit mit Hessenforst, die auch Besitzerin des Wildparks ist. Das dem domestizierten Stubentiger zum verwechseln aussehende Tier breitet sich zunehmend in Hessen aus, auch im zu Hanau angrenzenden Spessart.

Die Bestände in Hessen haben sich vergrößert, aber Entwarnung könne noch nicht geben werden, sagt Susanne Schneider, Projektmanagerin beim BUND Hessen. Die Zahl der zwischen Kassel und der Main-Linie lebenden Tiere liege bei 650 bis 700, deutschlandweit seien es 7000 bis 10 000.

Die Zählung des lautlosen Jägers kann nur per Lockstoff-Untersuchung erfolgen, so Schneider. Die Wildkatze reibt ihr Fell an einer präparierten Holzlatte. Die hängenbleibenden Haare werden mit Unterstützung von Hessenforst in einem Labor analysiert.

„Seit 15 Jahren betreibt der BUND das Projekt ‚Wildkatzensprung’ zur nachhaltigen Wiederansiedlung der Europäischen Wildkatze“, sagt Schneider. In fast 30 Projektregionen habe der BUND Wildkatzenkorridore hergestellt, um auf diese Weise etwa die vom Straßenbau zerstückelten Waldgebiete zu verbinden. „Die Wildkatze benötigt ein sehr großes Revier in einer Größe von bis zu 50 Quadratkilometer, da ist eine Vernetzung von Wäldern sehr wichtig.“

Es ist ein „Rettungsnetz“ für die seit 1952 in Deutschland und Schutz stehende Tierart. Drei Jahre nach dem Projektstart stellte der BUND einen „Wildkatzenwegeplan“ vor. Kurz darauf wurden die ersten verbindenen 20 000 Büsche und Bäume zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald gepflanzt.

Der ideale Lebensraum bestehe aus einem naturnahen Mischwald, der der Wildkatze mit seinem Unterholzbestand viele Versteckmöglichkeiten und ausreichend Mäuse als Futter biete. Die Nager machen rund 90 Prozent des Futters aus. In aufgeräumten Wirtschaftswälder sei die Wildkatze hingegen kaum vorzufinden, wenn nicht künstlich Voraussetzungen wie Totholzinseln geschaffen würden.

Zudem verenden pro Jahr durchschnittlich 50 Wildkatzen vor Autos. „Diese Zahl ist angesichts der als gesichert geltenden Population ziemlich hoch“, bemerkt Schneider. Dort wo Luchs und Wolf nicht heimisch seien, sei der Mensch der Hauptfeind der erwachsenen Wildkatze, er stört und zerstört ihren Lebensraum.

Anders als noch in den 1980er Jahren werde nicht mehr versucht, den Bestand mit Auswilderungsprogrammen zu vergrößern, sagt Schneider. Die Tiere suchen sich ihren Lebensraum erfolgreicher selbst. In der Alten Fasanerie gibt es drei Wildkatzen. 2015 erhielten sie ein neues, 750 Quadratmeter großes Gehege, das wie ein Flecken Mittelgebirge gestaltetet ist. Die 70 000 Euro Baukosten übernahm der Förderverein.

Beim 6. Wildkatzentag in der Alten Fasanerie konnten Kinder und Erwachsene in Aktionen die Biologie und Lebensweise der Wildkatze kennenlernen. Allerdings wollten die lebendigen Anschauungsobjekte, die den Mensch nicht weniger meiden wie ihre freilaufenden Artgenossen, dabei nicht immer die Hauptdarsteller spielen und zogen zeitweise vor, ins Dickicht des Geheges zu kriechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare