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Lärm und versperrte Wege

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Von: Uta Grossmann

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Bagger im Blick - die Anwohner des Freiheitsplatzes müssen noch zwei Jahre mit der Baustelle leben.
Bagger im Blick - die Anwohner des Freiheitsplatzes müssen noch zwei Jahre mit der Baustelle leben. © Rolf Oeser

Die Anlieger des Freiheitsplatzes in Hanau müssen seit längerem mit der Riesenbaustelle leben. Sie müssen nicht nur mit Lärm, sondern auch mit Gestank fertig werden. Einzelne Geschäftsleute wagen es sogar, dort während der Bauarbeiten ein Geschäft zu öffnen.

Die Baumaschinen lärmen. Erika Wagenknecht sitzt mit ihrer Tochter Tracy und dem jüngsten Enkel im Wohnzimmer und versucht, trotz der Geräuschkulisse ein Gespräch zu führen. „Wenn es richtig schlimm wird, klirren die Gläser im Schrank“, sagt sie. Die examinierte Krankenschwester im Ruhestand lebt in einer Mietwohnung der Nassauischen Heimstätte in der Fahrstraße – mit Blick auf die Riesenbaustelle am Freiheitsplatz. Dort baut der Hamburger Investor HBB das Einkaufs- und Kulturzentrum Forum Hanau.

Die Bauarbeiten bringen nicht nur täglich Lärm und Erschütterungen mit sich, oft stinkt es auch erbärmlich. Woher der Geruch kommt, ob offene Kanalrohre der Grund sind, kann Erika Wagenknecht nur vermuten. Seit die Straße vor dem Haus aufgerissen wurde, kann die Tochter nach dem Einkauf nicht mehr kurz vor dem Haus zum Ausladen halten. Die Einkäufe müssen oft weit geschleppt werden.

Die Bäckerei Kolb in der Fahrstraße leidet wie wohl alle Geschäfte rund um den Freiheitsplatz unter den Bauarbeiten. Ältere mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen kommen momentan kaum ins Geschäft, sagt Filialleiterin Ingrid Simon. Andererseits seien die Bauarbeiter sehr freundlich und arbeiteten schnell.

Immer wieder Wege suchen

Die Mitarbeiter des Gewerkschaftsbüros auf der Nordseite des Platzes beklagen die Geräuschkulisse und die Vibrationen durch die Bauarbeiten. „Oft können wir nicht mal zum Lüften das Fenster öffnen“, sagt Alexandre da Silva, DGB-Regionsgeschäftsführer für Südosthessen. Besonders nervend sei die wechselnde Verkehrsführung. Immer wieder müssten Mitarbeiter und Besucher neue Wege erkunden, um zum DGB-Haus zu gelangen. Anfangs sei zweimal pro Woche das Internet weg gewesen, erzählt da Silva, doch das habe sich gebessert.

Dieter Dausien vom Buchladen nebenan hat gleich nach der Sperrung des Parkplatzes vor anderthalb Jahren gemerkt, dass weniger Laufkundschaft kam. „Zum Glück halten uns viele Stammkunden trotz allem die Treue“, sagt Dausien. Auch er beklagt die wechselnde Verkehrsführung. Zwar hat der Laden Parkplätze vorm Haus, doch viele Kunden beschwerten sich: „Man kommt ja nicht mehr zu euch.“ Dausien hat beobachtet, dass einige Läden am Freiheitsplatz inzwischen schließen mussten. Doch es gibt auch Mutige, die eine Neugründung wagen

Friederike Echterhoff hat am 27. August die erste Hanauer Frozen Yogurt Bar „Land of Plenty“ am Freiheitsplatz zwischen Fahrstraße und Hammerstraße eröffnet. Die Ernährungswissenschaftlerin schrieb ihre Masterarbeit über das gesunde Eis aus Yoghurt und Milch und stellt es selbst her.

Zwei Jahre durchhalten

Die 26-jährige Hanauerin ist zufrieden mit dem Start. Es gebe bereits Stammkunden, sagt sie. Sie habe lange nach einem Laden in der Innenstadt gesucht.

Trotz der Bauarbeiten entschied sie sich für die Räume am Freiheitsplatz. „Wenn wir die zwei Jahre bis zur Eröffnung des Forums durchhalten, haben wir eine optimale Lage“, sagt sie.

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