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Die Gerüste sind endlich weg, der Arkadenbau in Wilhelmsbad glänzt wieder. 

Hanau

Kurpark in Hanau: Weitere Millionen für Wilhelmsbad

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Der Dachstuhl der niedergebrannten Parkwirtschaft ist erneuert, jetzt will das Land auch den Stallbau und das Badhaus sanieren. Doch eine Forderung wird nicht erfüllt.

Das Land Hessen will weitere 16 Millionen Euro in die dringend notwendige und teils längst überfällige Sanierung der Gebäude im Kurpark Wilhelmsbad investieren. Nachdem der historische Arkadenbau an der Parkpromenade weitgehend erneuert ist, sollen der Stallbau, das Badhaus und der „Lange Bau“ folgen. Geplant sei, das Badhaus künftig „museal“ zu nutzen und nicht – wie früher und wie von vielen Hanauern und Gästen seit langem gefordert – als Vollgastronomie. Das Land argumentiert, im Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum und im Comoedienhaus gebe es zwei Cafés, und das Restaurant Kleine Parkwirtschaft werde bald wieder voll zur Verfügung stehen.

Von diesen Plänen berichteten Finanzstaatssekretär Martin Worms (parteilos) und Wissenschaftsstaatssekretärin Ayse Asar (Grüne) am Donnerstag während des Richtfests für den originalgetreuen Wiederaufbau der 2015 niedergebrannten Kleinen Parkwirtschaft. Worms sagte, er freue sich besonders, weil er in Hanau aufwuchs und oft im Park spielte. Asar sprach von guten Neuigkeiten für den „märchenhaften Staatspark“. OB Claus Kaminsky (SPD) kündigte an, die Stadt werde in die Erneuerung des Parktheaters Comoedienhaus investieren, das sie betreibt. Konkrete Pläne und Summen sollen demnächst bekanntgegeben werden.

Die Parkwirtschaft soll – Stand jetzt – in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres fertig sein. Zu Beginn der Arbeiten hatte der damalige Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) das Frühjahr 2020 als Zeitraum genannt. Doch schon die Planung hatte sich in die Länge gezogen. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, erklärte die Verzögerungen unter anderem damit, dass bei mehreren Ausschreibungen kein Angebot eingegangen sei. Der Dachstuhl des 1785 erbauten Hauses sei jetzt aber mit Hilfe von Bestandsholz und neuem Material erneuert, weshalb das Fest gefeiert wurde.

Die Kleine Parkwirtschaft war vor viereinhalb Jahren Opfer von Kriminellen geworden, die Brandbeschleuniger eingesetzt hatten. Zwei Jahre zuvor hatte der Wirt in einem Prozess am Landgericht gegen mutmaßliche Mafiosi ausgesagt. Das Ermittlungsverfahren zum Brand wurde eingestellt, weil kein Tatverdächtiger ausfindig gemacht werden konnte. Ermittler sagten der FR jedoch, sie gingen von einem demonstrativen Akt aus.

Dass Teile des Gebäudes dem Feuer trotzten und der barocke Kern erhalten blieb, lag auch an der sogenannten Mann-an-Mann-Decke: Massive zusätzliche Balken zwischen Erd- und Obergeschoss verhinderten, dass sich die Flammen noch weiter ausbreiteten. Außerdem leistete die Feuerwehr gute Arbeit. Es sei „ein Schock für die Region“ gewesen, sagte Worms, aber auch „Glück im Unglück“, meinte Asar.

Für das Restaurant gibt das Land nach eigenen Angaben 5,3 Millionen Euro aus. Das Geld wird für den Wiederaufbau der Gasträume benötigt sowie für ein neues Nebengebäude, in dem Küche, Vorrats-, Kühlräume und barrierefreie Sanitäranlagen untergebracht werden.

Kirsten Worms, die Direktorin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, betonte, im Sinne der Denkmalpflege sei die Sanierung überaus lohnenswert. Der Kurpark müsse weiter gepflegt werden. Ein wesentlicher Grund: Dank „glücklicher Umstände ist das Wilhelmsbad größtenteils erhalten, wie es sich zum Ende des 18. Jahrhunderts noch präsentierte“.

Gastronom Gianni Zebi und seine Familie hatten schon kurz nach dem verheerenden Brand Mut gefasst und ließen neben der Ruine ein Provisorium aus hochwertigen Containern errichten. Diese bieten allerdings lediglich etwa 50 Gästen Platz, in der Parkwirtschaft waren es fast 100 mehr. Dies ist mit Einbußen verbunden.

Doch Zebi will nicht klagen: Er freue sich über die Fortschritte und das Richtfest, sagt der Wirt. Zwar habe er natürlich früher wieder einziehen wollen, doch das sei offenbar nicht möglich. Dafür zeigt er Verständnis; bei der Pacht sei ihm das Land entgegengekommen. Besonders froh „bin ich über die Unterstützung und Treue unserer Gäste“. Seine Familie und er hätten in den vergangenen Jahren viel Zuspruch bekommen. „Das war wichtig für die Moral. Dafür bin ich dankbar.“

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