+
Exotische Botanik und Kultur in Hanau-Großauheim, der Garten der Galerie Neunauge.

Veranstaltung

Kultivierter Dschungel

  • schließen

Über Pfingsten gibt es in Hanau einen Blick auf die Botanik der Galerie Neunauge zum Tag der offenen Gartenpforte.

Der Dschungel in der Taunusstraße 8 fängt am Klingelschild an. Um den Taster für die Klingel zu erreichen, ist der Efeu etwas bei Seite zu schieben. Der Blick über den Zaun verspricht eine fast geheimnisvolle Fortsetzung des Dickichts, das jedoch keineswegs wild, sondern sich geordnet und kultiviert zeigt. Das Künstlerpaar Angelika und Yochen Schwarz präsentierte am Wochenende bei der landesweiten Aktion Offene Gartenpforte ihr grünes Idyll. Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen wählt seit 2003 hierzu besondere Gärten aus.

Wer den Garten der Schwarz betritt, fühlt sich gleich in einer anderen Welt, die die Nachbarschaft aus 1920er und 30er Jahre Häusern schnell hinter sich lässt. Hoch geschossener Bambus, üppiger Wildpflaumenbaum und vor allem eine gewaltige Trauerweide überspannt mit ihren Ästen wie ein Schirm einen großen Teil des Gartens und spendet weichen Schatten. „Die Blätter der Weide und des Bambus‘ flattern im Wind und tragen dazu bei, dass stets ausreichend Licht und Luft hineinkommen“, sagt Schwarz.

Ein dunkler Erdweg führt durch das Gelände, vorbei an murmelnden Brunnen, einem Rondell, Teichen mit einem Bachlauf, Skulpturen wie bunte Keramikfische auf langen Stelen oder dem indischen Elefanten. Am Ende des Pfades, der zum Teil von dumpf klingenden Windspielen aus Bambusstäben begleitet wird, erwartet den Besuchern im tieferen Schatten eine Laube. Nicht nur dort, auch auf dem Weg dorthin findet der Wandelnde Sitzgelegenheiten, zum Wahrnehmen der grünen Üppigkeit in der Rast. „Es ist ein erlebbarer Garten“, sagt Schwarz. Nicht nur ob der Botanik, er ist auch Ausstellungfläche, Ort kleiner Konzerte oder Lesungen.

Nächste Besichtigung am 29. und 30. Juni zu „Garten-Kunst-Genuss“, 14 bis 19 Uhr, Galerie Neunauge, Taunusstraße 8, Hanau-Großauheim, http://galerie-neunauge.de.

Der Hanauer, der nach seinem Kunststudium in Kassel, vor knapp 30 Jahren in das Haus zog, das heute zugleich Atelier und Galerie „Neunauge“ ist, fand damals auf dem rund 450 Quadratmeter Grundstück eine „verwilderte Wiese mit einem Baum, der wurmstichige Äpfel trug“ vor. Also gestaltete Schwarz, jedoch nicht mit dem Bagger und anderem groben Gerät. „Es ist kein Garten aus einem Katalog. Hier ist alles gewachsen, alles durch Veränderung, die bis heute besteht, entstanden“, sagt Schwarz. Die Weide etwa sei einst aus einem abgebrochenen Zweig gewachsen. Die Geometrie des Gartens werde von Pflanzensammlungen gebrochen, nach englischen Vorbild. Nicht nur die Gartenkunst der Brieten inspirierte die Schwarz‘, auch die aus China, Indien oder Marokko, hier vor allem die Gärten aus Tanger der 1920er bis 30er Jahre.

So entstand über die Jahrzehnte eine wohlgestaltete Wildheit, die nach einem aufmerksamen und zu bestimmten Zeiten fleißigen Gärtner verlangt. „Es muss immer was gemacht werden, aber anders als bei einem konventionellen Garten nicht sofort. Man kann schon mal etwas stehen lassen“, sagt Schwarz, der seine gärtnerische Prägung in der Kindheit erhalten hat.

Nicht allein die Seele des Menschen bekommt an diesem Flecken was geboten. „Wir haben sehr viele Blühpflanzen. Das heute aktuelle Thema Insektenlebensraum hatte wir schon sehr früh im Blick gehabt“, sagt er. Die von Efeu umgebene Hausfassade ist zu einer „Insektenweide“ geworden. Der Bewuchs sei zudem schützender Nistplatz für mehr als ein Dutzend Vogelpaare.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare