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Konflikte bei der Linken Liste

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Die Gruppierung in Hanau distanziert sich von ihrem Stadtverordneten Gregor Wilkenloh.  

Als sich 2015 die Alternative Linke Liste (ALL) gründete, wollte sie einen kritischen, sozialen „Kontrapunkt zur bisherigen Hanauer Politik“ bilden, mit Mitgliedern der Linken und anderen aus dem linken Spektrum, etwa ehemaligen Grünen, Anhängern von DKP und „Die Partei“. Bei den Kommunalwahlen 2016 blieb die ALL deutlich hinter den Erwartungen zurück, holte aber immerhin zwei Parlamentssitze.

Nachdem Zarife Bulut 2018 zu den Bürgern für Hanau (BfH) – die mit SPD, Grünen, FDP koalieren – gewechselt war und die AL ihren Fraktionsstatus verlor, folgt nun der nächste Rückschlag: Die ALL „distanziert“ sich von ihrem Stadtverordneten Gregor Wilkenloh, der auch im Ortsbeirat Innenstadt sitzt. Die linksorientierte Opposition im Parlament wird dadurch weiter geschwächt. Ihr lässt sich lediglich noch das Forum Gemeinsames Hanau (FGH) zuordnen, das sich als wichtige Stimme etabliert hat, aber nur über einen Sitz verfügt.

Die ALL teilte mit, sie sehe sich für Wilkenlohs Verhalten bei Abstimmungen „nicht weiter verantwortlich“ und deutete Probleme bei der „Themenkonformität“ und Zusammenarbeit an, die faktisch beendet ist. Auf FR-Anfrage erklärt der ALL-Vorsitzende Karl-Heinz-Wagner, Wilkenloh habe sich so gut wie gar nicht engagiert und Absprachen, auch in Bezug auf Abstimmungen, nicht eingehalten. Er habe zum Beispiel keine einzige Anfrage verfasst, sich fast nie mit eigenen Beiträgen zu Wort gemeldet und sei nicht bereit gewesen, von anderen ALL-Mitgliedern formulierte Reden vorzutragen. Zudem sei er nicht kritisch genug und habe teils monatelang gebeten werden müssen, etwa Anfragen einzureichen.

Wilkenloh weist die Kritik zurück. Er habe beispielsweise an einem Antrag mitgeschrieben, um die gefährliche Verkehrssituation am Tierheim zu verbessern, und eine eigene Rede zu den Problemen beim Neubaugebiet in Mittelbuchen gehalten. Richtig sei, dass es unterschiedliche Meinungen gebe. Er sei kritisch, finde aber nicht alles schlecht, was OB Claus Kaminsky (SPD) mache. Jetzt wolle er sich im Parlament vor allem im Sinne der „Partei“ einbringen.

Die ALL werde sich weiter zu Wort melden, unter anderem in Pressemitteilungen, kündigt Wagner an. Gerade in Hanau, wo so gut wie keine Sozialwohnungen gebaut und Ärmere „verdrängt werden“, sei eine sozialkritische Gruppierung wichtig.

Bei den Kommunalwahlen 2021 werden die linken Gruppen wohl getrennte Wege gehen. Wilkenloh sieht für „Die Partei“ nach 2,7 Prozent bei der Europawahl in Hanau auch hier viel Potenzial, gerade bei jungen Leuten. Wagner sagt, ob die ALL erneut ein Bündnis schmiedet, sei noch nicht entschieden. Derweil will „Die Linke“ wieder einen Stadtverband gründen, sagt Kreisvorstand Thomas Maurer. Ziel sei, mit einer eigenen Liste, die Mitgliedern und Nichtmitgliedern offensteht, bei der Wahl anzutreten. Auch Maurer – nach dessen Ansicht Wilkenloh linke Politik nicht richtig vertreten hat – ist überzeugt, dass sich viele Hanauer Wähler eine sozialere Politik wünschen.

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