Modellbahntag der Eisenbahnfreunde Hanau im Museum Radwerk. Foto: Monika Müller
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Modellbahntag der Eisenbahnfreunde Hanau im Museum Radwerk. 

Hanau

Klein-Auheim: Heimat der Bauer-Velos

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das „Radwerk“ ist Museum des Monats. 7000 Besucher seit der Eröffnung im Sommer.

Gut ein halbes Jahr alt, und schon gibt es die erste Auszeichnung. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) überbrachte am Freitagnachmittag die Auszeichnung „Museum des Monats“ für das Radwerk in Klein-Auheim. Der Hessische Museumsverband traf eine Vorauswahl aus privatrechtlichen Häusern, die vom Land eine finanzielle Projektförderung erhielten. Die Einrichtungen sind hinsichtlich ihrer Museumsarbeit, Vermittlung, Forschung oder Ausstellung betrachtet worden. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 1000 Euro verbunden.

„Nein, das Geld ist noch nicht verplant. Wir müssen die Verwendung noch beraten“, sagt Detlef Hellmann, Vize-Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Klein-Auheim, auf FR-Anfrage. Das Radwerk habe sich innerhalb kurzer Zeit zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Rund 7000 Besucher sind bislang gezählt worden. Allein im Museum, betont Hellmann.

Es gibt nicht nur die Schaulustigen, die wegen die weltgrößte Sammlung von Bauer-Velos und Motorrädern kommen, die von 1922 bis zum Konkurs in 1968 in Klein-Auheim produziert und in die ganze Welt geliefert worden sind. Leistungskurse der Hanauer Hohen Landesschule hat das Museum auch schon als Unterrichtsstätte genutzt, um über den wirtschaftlichen Strukturwandel des einst eigenständigen Dorfes zu forschen, heißt es.

Das Radwerk, am Ortsrand in einem Gewerbegebiet, aber dennoch nahe zum Mainufer-Radweg, erhebt den Anspruch einer Kulturstätte, die sich nicht allein über das Heimatmuseum und die Bauer-Ausstellung definiert. Babbel-Abende, Sonderausstellungen, Expertentreffs zu Bauer-Fahrräder oder Zeitzeugengespräche sowie Trekker- und Eisenbahnfahrten zählen etwa zum Programm. In dem Gebäude einer Druckerei haben auch die Schlepperfreunde und der Verein der Modelleisenbahner ihr Domizil gefunden. Überdies hat ein Fahrradhändler sein Geschäft vom Ortskern dorthin verlagert und ein Cafe mit „Kuchenklassikern“ aufgemacht. Zudem konnte der heimatkundliche Verein ein „Archiv der Erinnerung“ einrichten.

„Das Radwerk steht für ein ganz besonders bürgerliches Engagement“, bemerkt Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck (SPD). Ein Unternehmer mit seinem Betrieb nebenan hat das Gebäude einer ehemaligen Druckerei erworben, um es der Stadt für dieses Projekt anzubieten. Anlass bildete der Heimat- und Geschichtsverein, der mit seiner Sammlung das marode, wirtschaftlich nicht mehr sanierbare Alte Rathaus verlassen musste. Unternehmer Uwe Hoppesack baute die Halle für die künftige Nutzung um, die Stadt unterstütze den Heimat- und Geschichtsverein bei der Realisierung eines modernen Museumskonzeptes, in dem ebenso die Bauer-Schau aufgenommen wurde. Überdies nutzte die Stadt die Chance, die einmalige Bauer-Sammlung von Jörg Schulisch zu erwerben. Der Mann aus dem Raum Aschaffenburg, war gerade auf der Suche, um seinen über Jahrzehnte zusammengetragenen Schatz für die Zukunft in guten Händen zu wissen.

Ministerin Dorn fand nicht nur lobende Worte für das Gesamtkonzept Radwerk, sondern auch zum Thema Heimat, das das Radwerk vergegenständlicht und erläutert. „Unseren Heimatbegriff lassen wir uns von den Rechten nicht nehmen“, sagte Dorn. Das Museum sei für alle Menschen ein Ort der Begegnung und des Austausches.

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