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Das mehr als 200 Jahre alte Pferdekarussell im Staatspark Wilhelmsbad hier in der Anfangsphase der Sanierung.

Historisches Karussell im Staatspark Wilhelmsbad

Karussell dreht sich erst ab 2015

Gegen den Zeitplan soll das historische Karussel doch erst im Jahr 2015 im Staatspark Wilhelmsbad kreisen. Da auch Fahrgäste auf den restaurierten Holzpferden platznehmen sollen, gibt es verschärfte Sicherheitsauflagen - diese Erzwingen die Verschiebung.

Von Anne Lorenc

Das historische Karussell im Staatspark Wilhelmsbad wird sich erst im nächsten Jahr drehen. Der ursprünglich für Juli 2014 terminierte Start des aufwändig sanierten Schmuckstücks wurde um rund zehn Monate verschoben. Denn die restaurierten Holzpferde sollen sich nicht leer im Rund drehen, sondern Fahrgäste tragen. Wegen deren Sicherheit sind so viele neu hinzugekommenen Vorschriften einzuhalten, dass die Verantwortlichen mehr Zeit und Geld einplanen müssen. Das gaben sie gestern bei einer Pressekonferenz bekannt.

Im neuen Glanz

Enttäuschung zeigten weder Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) noch der Vorsitzende des Karussellfördervereins, Stefan Bahn, noch Karl Weber, Direktor der Verwaltung der Staatlichen Schösser und Gärten Hessen (VSG). Sie verwiesen darauf, was dank der großzügigen Unterstützung der Bevölkerung und der Stadt alles gestemmt werden konnte seit Gründung des Fördervereins im Jahr 1998. Rund 1,08 Millionen Euro seien eingegangen, davon 400 000 Euro von der Stadt. Weit mehr als die Kasseler für die Sanierung ihres Herkules aufgebracht haben, sagte Bahn. Pferde und Kutschen seien aufgearbeitet, ein Teil des Karussells strahle bereits im neuen Glanz. Im Grunde gebe es mehr Fortschritte, als bei Baubeginn vor vier Jahren angenommen. „Wenn wir keinen Fahrbetrieb wollten, hätten wir mit Anstrengung den Juli-Termin halten können“, sagte VSG-Direktor Weber.

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Er sprach von einer „schwierigen Konstruktion“ des Karussells, das weltweit einmalig sei. Deshalb gebe es auch keine Regeln für den Fahrbetrieb dieses langsam drehenden Konstrukts, das zwischen „Fliegendem Bau“ (wie Jahrmarkts-Fahrgeschäfte) und „historischem Denkmal“ (also unbeweglich) oszilliert.

Man werde alles daran setzen, einen gangbaren Weg zu finden durch „den Wust von Vorschriften“, die mit Sicherheit nicht alle komplett eingehalten werden könnten, so Weber. Das Pferdekarussell könne nicht am Gefahrenpotenzial einer Achterbahn gemessen werden, kommentierte Kaminsky verhalten belustigt.

Den Beteiligten ist daran gelegen, das Drehgeschäft erst dann in Betrieb zu nehmen, wenn es wirklich nach ihren Vorstellungen funktioniert und von Kindern wie Erwachsenen auch genutzt werden kann. Die weitere Aufarbeitung werde man dann „künftigen Generationen überlassen“, formulierte Stefan Bahn.

Doch nicht nur die Sicherheit der Fahrgäste in der Konstruktion aus sich drehenden und fest stehenden Teilen spielt eine Rolle. Auch der Bau selbst soll geschützt werden. Dafür seien 23 verschiedene Möglichkeiten diskutiert worden. Es soll, so Weber, mit spiegelungsarmem Glas verkleidet werden, damit es Tag und Nacht gut sichtbar und weitgehend vor Beschädigungen geschützt sei.

Der Aufwand kostet, und Kaminsky stellte klar, dass die finanziell schwachbrüstige Stadt Hanau sich nicht weiter monetär beteiligen könne.

Karl Weber hoffte, dass der Millionenbetrag der Gesamtkosten „mit einer Drei vorne“ ende. Die VSG bleibe bei ihrer Zusage, das Projekt bis zum Ende zu finanzieren. Allerdings hoffte Weber wie Stefan Bahn auf weitere Spenden aus der Bevölkerung.

Alle Beteiligten versuchten, Vorfreude zu wecken, die nun „ein Jahr länger dauern darf“ (Kaminsky). Im Frühjahr 2015 werde die Eröffnung der „Weltsensation“ um so mehr gefeiert.

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