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Kämpften für das Büro: Ilse Werder, Heidi Bär, Sylvia Daneke. 

Hanau

Kampf für Gleichberechtigung in Hanau

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Das Frauenbüro feiert sein 30-jähriges Bestehen. Bevor es eingerichtet werden konnte, mussten die Gründerinnen Widerstände überwinden.

Die Vorkämpferinnen können sich noch gut an die Widerstände zu Beginn erinnern: Da gab es, blicken Sylvia Daneke und Heidi Bär zurück, dumme Sprüche von Kommunalpolitikern. Sinngemäß sagte einer: „Wir brauchen vor allem ein Männerbüro. An uns denkt ihr wohl gar nicht.“ Sie wussten, dass sie ein „hieb- und stichfestes“ Konzept brauchten, um sich bei den Mandatsträgern durchzusetzen. Die frühere FR-Redakteurin Ilse Werder berichtet von „mühseliger Überzeugungsarbeit“ und Gegnern, die ihren Protest nicht in Debatten äußerten, aber bei Abstimmungen.

Die Sozialdemokratinnen haben mit ihrem Engagement, auch in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Main-Kinzig, dazu beigetragen, dass in Hanau ein Frauenbüro eingerichtet wurde. Nachdem von 1987 bis 1990 drei Frauenbeauftragte sowohl für den Kreis als auch für die Stadt Hanau tätig waren, bekam die Stadt im August 1990 mit Rosemarie Lück die erste „eigene“ Beauftragte.

Das 30-jährige Bestehen des Büros, das Gleichberechtigung und Gleichstellung fördern soll, wird mit einer Veranstaltungsreihe gefeiert. Kürzlich diskutierten die Zeitzeuginnen mit der derzeitigen Hanauer Frauenbeauftragten, Monika Kühn-Bousonville, sowie Besucherinnen über die Anfänge und zogen ein Zwischenfazit.

Jubiläumsjahr

Vor 30 Jahren, im August 1990, begann die Arbeit der ersten Hanauer Frauenbeauftragten Rosemarie Lück.

Sein 30-jähriges Bestehenfeiert das Frauenbüro mit vielen Veranstaltungen, so die Podiumsdiskussion „Gleichberechtigung Frauensache? Männersache!“ (22. April, 19 Uhr, Kulturforum), Poetry Slam mit Sara Palys und Schülerinnen (19. Juni, 19 Uhr, Kulturforum) und der akademischen Feier (18. November, 15 Uhr, Alte Johanneskirche).

Die 25. Frauenwochensind vom 6. bis 16. März geplant.

Weitere Infos: www.hanau.de

Sie und ihre Mitstreiterinnen, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kamen, seien damals auch von der 68er Frauenbewegung im nahen Frankfurt ermutigt worden, so Werder. Daneke erzählt, dass sich im Kreis viele aktive Frauengruppen bildeten, die sich etwa für mehr Einfluss in der Politik, Frieden und Gewaltprävention einsetzten. Das Motto lautete: „Das Private ist politisch.“

Vieles wurde in der Zwischenzeit erreicht, aber es gebe noch viel zu tun und teilweise sogar Rückschritte – so fällt das Resümee aus. So wurde ein Frauenhaus eröffnet, das wertvolle Arbeit leistet, aber nicht ausreichend finanziert ist und zu wenige Plätze hat. In der Stadtverwaltung sind rund 50 Prozent der Führungskräfte Frauen, bei den Spitzenpositionen sind es allerdings zu wenige. Seit 2008 gibt es auch eine Gleichstellungsbeauftragte, die sich um die Verwaltung kümmert, so dass sich Kühn-Bousonville auf die „externe“ Arbeit konzentrieren kann. Doch ihr Jahresetat ist mit 30 000 Euro recht bescheiden.

Werder bereitet die nach wie vor massive Gewalt gegen Frauen Sorgen: „Wir müssen deshalb wieder aktiver werden.“ Bär sieht als eine wesentliche Aufgabe, mehr jüngere Frauen für den Kampf um gleiche Rechte zu gewinnen.

Ein Grund, weshalb Kühn-Bousonville einen Poetry-Slam ins Festprogramm aufgenommen hat und an Schulen geht, sagt sie. Dort klärt sie etwa darüber auf, wie man sich vor K.o.-Tropfen schützen kann, berichtet aber auch von ihrer Arbeit. Die ist breit gefächert: Sie berät unter anderem Hilfesuchende, organisiert den Stadtlauf gegen Gewalt an Frauen, macht Aktionen zum Equal Pay Day oder fördert ein Projekt, bei dem Erwerbslose zu Busfahrerinnen ausgebildet werden. Prävention, auch vor einem „Rückfall“, werde weiterhin im Zentrum ihrer Arbeit stehen: Das Erreichte müsse verteidigt werden, „gerade in Zeiten des aufkeimenden Rechtspopulismus, der die Frauenrechte erneut in Frage stellt“.

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