Fröhlich und quietschbunt: Eine Krippe der Huicholen in Mexiko. Die Figuren sind mit winzigen Perlen beklebt.
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Fröhlich und quietschbunt: Eine Krippe der Huicholen in Mexiko. Die Figuren sind mit winzigen Perlen beklebt.

Ausstellung im Museum Großauheim

Jesuskind mit Lama und Tapir

Das Museum Großauheim zeigt eine Ausstellung mit Krippen aus Peru und Mexiko, die alte Traditionen der Indio-Völker, aber auch moderne Darstellungen zugänglich machen. Die Miniaturen sind Bestandteil einer privaten Sammlung, hinter der ein leidenschaftlicher Sammler steckt.

Von Anne Lorenc

Das Museum Großauheim zeigt eine Ausstellung mit Krippen aus Peru und Mexiko, die alte Traditionen der Indio-Völker, aber auch moderne Darstellungen zugänglich machen. Die Miniaturen sind Bestandteil einer privaten Sammlung, hinter der ein leidenschaftlicher Sammler steckt.

Krippenausstellungen gibt es in der Vorweihnachtszeit allerorten. Aber im Hanauer Stadtteil Großauheim ist seit dem gestrigen Sonntag eine ungewöhnliche Auswahl zu sehen. Hubert Wenzel, Ur-Großauheimer und in den 80er Jahren als Lehrer für einige Jahre in Peru tätig, stellt im örtlichen Museum eine kleine Auswahl seiner Krippen aus Peru und Mexiko vor.

Eine bunte Gesellschaft hat sich im Obergeschoss des Museums versammelt. Nicht nur, weil die Krippenfiguren aus Ton oder Alublech, Bonbonpapier oder Plastikperlen hergestellt wurden. Da reiten die Heiligen Drei Könige auf Lamas, statt Ochs und Esel gruppieren sich Schildkröten, Alpakas oder Tapire um die Heilige Familie. Die wiederum ist in Indio-Tracht zu sehen, das Jesuskindlein mit einer peruanischen Strickmütze auf dem Kopf entzückt die Besucher besonders.

Erste private Sammlung

Hubert Wenzel hat vor 25 Jahren mit dem Sammeln von Krippen begonnen. Eher aus Zufall, wie er erzählt. Damals war seine zweite Tochter gerade in Lima geboren worden, und da das Baby noch nicht nach Hause durfte, kaufte er seiner Erstgeborenen auf der Heimfahrt vom Krankenhaus zum Trost bei einem Töpfer eine Tonpfeifen-Krippe. Die weist nicht nur ein Baby auf, sondern auch eine Besonderheit: Man kann in den Po der Lamas pusten, und dann pfeift es.

Das war der Beginn einer Sucht. Rund 120 Krippen hat der Pädagoge mittlerweile in Peru und Mexiko zusammengetragen, und ein Ende ist nicht abzusehen. Zu vielfältig sind die Arbeitstechniken und der Ideenreichtum der verschiedenen Indio-Völker. Da sind einerseits alte Traditionen, indem die Krippenfiguren in stilisierte Maiskolben oder in Basalt-Eier gesetzt werden. Oder es finden sich Ornamente zur Geisterbeschwörung auf den Figuren. Andererseits aber gibt es auch moderne Miniaturen.

40 Krippen sind nun im Museum zu sehen, das sich auf Kunst und Industriegeschichte spezialisiert hat und in dem traditionell neben den Bronzeplastiken von August Gaul Dampfmaschinen, Traktoren und Stromgeneratoren gezeigt werden. Doch die Ausstellung ist nicht nur wegen der Exponate ungewöhnlich. Zum ersten Mal öffnete sich ein städtisches Museum in Hanau für eine private Sammlung.

Das hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei einer Vorbesichtigung hervorgehoben, und der Kulturbeauftragte Klaus Remer bestätigte es gestern bei der Eröffnung. Die Großauheimer sollen nicht nur schauen, sondern auch ausstellen können. Der OB spannte den Bogen noch weiter. Er vermutete viele verborgene Schätze in Privathaushalten. Die es auch wert wären, in ein Museum geholt zu werden.

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