Bahnunterfuehrung03_311020
+
Großbaustelle Frankfurter Landstraße: Das Buddeln der Unterführung und der Gleisausbau dauern drei Jahre.

Hanau

Unter den Gleisen hindurch

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
    schließen

DIe aufwendigen Bauarbeiten für die Unterführung der Frankfurter Landstraße in Hanau haben begonnen. Das Ganze soll etwa drei Jahre dauern und die Straße deutlich verändern.

Die meterlangen Stahlelemente für die Spundwände liegen gestapelt bereit, um von haushohem Baugerät in den Boden gepresst zu werden, damit auf mehr als 200 Meter die Erde gesichert ausgebaggert werden kann. Die über Monate laufenden,teils aufwendigen Vorarbeiten für den Straßentrog unter den Bahngleisen an der Frankfurter Landstraße sind beendet, jetzt geht es mit schwerem Gerät zur Sache. Mitte 2023 soll die Unterführung für den Verkehr freigegeben werden, die wegen des Baus der nordmainischen S-Bahn und der damit verbundenen Erweiterung von zwei auf vier Gleise entsteht. Bis die „Nordmainische“ kommt ist jedoch Geduld angesagt, sie wird voraussichtlich erst 2028/29 fahren (Stand 2019).

Daten & Fakten

Die Bahnunterführung wird samt der Rampen 230 Meter lang und 4,50 Meter hoch.

Die Breite wird 6,50 Meter betragen, einschließlich Fuß- und Radweg.

Die Kosten werden von der Stadt mit knapp 30 Millionen Euro angegeben. Die Stadt zahlt ein Drittel, kann jedoch einen Zuschuss von 4,2 Millionen Euro erwarten. DB Netz und Bund übernehmen 16 Millionen Euro, drei Millionen Euro zahlen die örtlichen Leitungsbetreiber. sun

Die Bauarbeiten sind zwei Schwierigkeiten ausgesetzt, heißt es von der Bauherrin, der DB Netz AG, auf Anfrage. Zum einen erfolgen die Arbeiten „unter rollendem Rad“, was Behelfsbrücken erfordert, zum anderen befindet sich die Großbaustelle „innerhalb einer Wasserschutzzone bei hoch anstehendem Grundwasser“. Mit dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie sowie den Stadtwerken sei ein Konzept erstellt worden, um das Grundwasser zu schützen. Dies schließt ein, dass während der Arbeiten eine Grundwasserüberwachung stattfindet, heißt es.

Stetig begleitet werden die Arbeiten auch von Archäologen - zumindest so lange, bis es mit den Baggern in die Tiefe geht. Ob sich noch Überreste aus der Römerzeit finden lassen, in der einige Hundert Meter südlich der Baustelle ein Kastell entstand, bleibt fraglich. Bislang habe es keine relevanten Funde gegeben, heißt es von der Bahn.

Während der dreijährigen Bauphase müssen die Autofahrer einen Umweg hinnehmen, nicht jedoch Fußgänger:innen und Radfahrende. Das werden vor allem die rund 2100 Jugendlichen der Otto-Hahn-Schule, die Besitzer einer Scholle in den Kleingartenanlagen oder die Besucher des Friedhofs schätzen. Um derzeit die Gleise sicher zu queren, ist ein paar Meter vom alten Übergang entfernt ein kleiner, provisorischer beschrankter Bahnübergang eingerichtet worden. Überdies wurde um die Baustelle herum ein asphaltierter Weg gelegt. Allerdings wird der auch von Baufahrzeugen gekreuzt, die mit ihren grobstolligen Reifen eine Schlammspur hinterlassen.

Dieser Tage konnten sich die Anwohner noch einmal an einem mobilen Infostand informieren. Die Bahn berichtet von einer positiven Resonanz. Vielleicht hat hierzu auch ihre Aussage beigetragen, dass die Arbeiten so lärmreduziert wie möglich ablaufen sollen. Der relativ weiche Untergrund bietet dazu eine gute Voraussetzung, heißt es. Das Tönen des automatischen Warnsignals, das die Arbeiter vor einem herannahenden Zug warnt, bleibt jedoch unvermeidlich. An den Wochenenden wird der Baubetrieb bis auf zwei Ausnahmen ruhen.

Später mehr Verkehr

Im Bürgerinteresse habe aber auch die Frage gestanden, wie die Frankfurter Landstraße danach aussehen wird. Vom Boden her werden die bis zu 4,50 Meter tiefen Rampen, die auf Siedlungsseite bis an die Bachstraße reichen, die markante Veränderung sein, vergleichbar mit dem Bauwerk unter dem Westbahnhof. Über dem Boden werden es die sechs Meter hohen Schallschutzwände sein, die mit dem Gleisausbau unerlässlich sind, auch wenn die Strecke seit mehr als 100 Jahren ohne diesen Schutz besteht. Ob es für die Anrainer der „Frankfurter“ unter dem Strich leiser wird, ist hingegen offen. Denn mit der neuen Unterführung ist schließlich die Schranke als Verkehrsbremse weg. Der Knotenpunkt Frankfurter Landstraße/Kastanienallee soll entsprechend eines höheren Verkehrsaufkommens umbaut werden, heißt es von der Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare