Serpil Unvar will mit der Initiative ein großes Ziel erreichen: Schulen ohne Rassismus.
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Serpil Unvar will mit der Initiative ein großes Ziel erreichen: Schulen ohne Rassismus.

Antirassistische Bildungsarbeit

Im Namen von Ferhat

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Serpil Unvar, die Mutter des am 19. Februar in Hanau ermordeten Ferhat Unvar, gründet eine antirassistische Bildungsinitiative. Sie hofft, dass die Initiative bundesweit in andere Städte übertragen wird.

Die Idee, eine Initiative zu gründen, hatte Serpil Unvar bereits eine Woche nach dem rassistischen Anschlag am 19. Februar in Hanau. Als der Attentäter ihren Sohn Ferhat aus dem Leben riss. Schon vorher hatten sie Rassismus erlebt. Am meisten habe sie sich mit der Situation in den Schulen beschäftigt.

Die Erfahrungen, die sie und Ferhat mit der Schule erlebten, den Rassismus, die Diskriminierung, all das sei schlimm gewesen, sagt Serpil Unvar. „Ferhat war intelligent und lebendig. Manchmal war es nicht einfach mit ihm. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Lehrer ein Ausländerkind oft nicht akzeptieren“, sagt sie. Sie wisse, dass sie damit nicht alleine sei. „Ich will nicht, dass andere Mütter ihren Kindern sagen müssen, dass sie mehr arbeiten müssen als deutsche Kinder.“ Deswegen hat sie die „Bildungsinitiative Ferhat Unvar“ gegründet. Die Webseite geht heute, am 14. November, an den Start. An Ferhats Geburtstag.

Initiative 

Spenden an: Lückenlos e. V. IBAN: DE19430609674108589900 Verwendungszweck: „Bildungsinitiative Ferhat Unvar“ www.bildungsinitiative-ferhatunvar.de

Noch steckt die Initiative in den Kinderschuhen. Der Kern des Projektes ist die antirassistische Bildungsarbeit. Die Initiative soll eine Anlaufstelle für Mütter und Jugendliche mit Migrationsgeschichte sein, aber auch Lehrer:innen zählen zur Zielgruppe. Unvar betont, dass die Bildungsinitiative an Lehrkräfte gerichtet sei, weil sie viel Zeit mit ihren Kindern verbrächten. „Natürlich gibt es auch Lehrer, die sehr gute Arbeit leisten“, sagt sie.

Das Projekt solle aus der Perspektive der Mutter entstehen, sagt Newroz Duman von der Initiative 19. Februar. „Wir stehen bundesweit im Kontakt mit Bildungsträgern, lokalen Akteuren, mit Menschen, die seit Jahren antirassistische Bildungsarbeit machen“, sagt Duman. Dazu zählen etwa die Bildungsstätte Anne Frank und die Amadeu-Antonio-Stiftung. Im Dezember sollen die Konzepte für die Workshops mit Pädagog:innen und Bildungsreferent:innen entwickelt werden.

Das Ziel der Workshops müsse sein klarzustellen, wie das Zusammenleben in der Gesellschaft sein sollte. „Wenn jedes Kind in einer Schulklasse lernt, dass Rassismus tötet und Diskriminierung in unserer Gesellschaft nichts zu suchen hat, und diese Erfahrungen weitergibt, dann haben wir schon viel gewonnen“, sagt Unvar. Es gebe Überlegungen, monatlich einen Tag der offenen Tür für Mütter zu veranstalten. Einen Tag, an dem sie sich untereinander über ihre Erfahrungen und Sorgen austauschen können. Das gelte auch für Jugendliche, so Unvar. „Manche Kinder fühlen sich wie in einem Loch und haben keine Kraft weiterzumachen“, sagt sie.

Serpil Unvar hofft, dass ihr Projekt groß wird. Dass die Idee ihrer Initiative bundesweit in andere Städte übertragen wird. „Dann kann ich zu meinem Sohn sagen: ‚Ferhat, guck mal, du und wir haben so viel Schlimmes erlebt. Aber diese Erfahrung hat uns Kraft gegeben. Wir haben es für andere Kinder geschafft.‘“

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