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Die robusten Hühner der Rasse Zwerg-Welsumer ziehen bald in BGH-Wohnanlagen ein.

Hanau

Hühner für die Gemeinschaft

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Mieter der Baugesellschaft Hanau  werden bald ganz besondere Tiere im Hof halten.

Die Baugesellschaft Hanau bekommt bald ganz besonderen Zuzug: Zwerg-Welsumer heißen die neuen, rost-rebhuhnfarbigen Bewohner. Eine Rasse des Haushuhns, die „robust ist, das Klima hier gut verträgt und recht große Eier legt“, sagt Petra Weinzettel. die bei dem städtischen Unternehmen für Sozialberatung zuständig ist.

Am Anfang klang die Idee ein bisschen verrückt: In Ställen auf den BGH-Grundstücken – in der Stadt – halten Mieter, die oft nicht viel miteinander zu tun haben, zusammen Hühner, schauen nach ihnen, füttern sie, misten den Stall aus. Doch je länger sie darüber nachdachten, desto stärker seien die BGH-Mitarbeiter von der positiven Wirkung überzeugt gewesen, so Weinzettel: „Die Leute kommen ins Gespräch, übernehmen eine Aufgabe – was nicht zuletzt vielen älteren, mitunter einsamen Mietern guttut. Sie müssen nur wenige Schritte machen, um frische Eier von gesunden Hühnern zu bekommen“, erklärt Weinzettel und fügt hinzu: „Außerdem reduzieren die Tiere die Biomüll-Menge. Ein Huhn frisst etwa 150 Kilogramm pro Jahr.“ Und der Hühnermist wird als Dünger verwertet.

Starten soll das Projekt bald in der Otto-Wels-Straße in der Nähe der Kinzig, wo die BGH bereits Häuser hat und durch Neubau und Aufstocken 36 weitere Wohnungen schafft. Hier werden laut Weinzettel wohl zunächst drei vier mal drei Quadratmeter große Hühnerställe entstehen, die jeweils bis zu fünf Hühnern Platz bieten. Die Haltung werde artgerecht sein, mit genug Auslauf in den Gehegen. 

Höchstwahrscheinlich wird es nicht dabei bleiben. Am vergangenen „Zukunftswochenende“ der Stadt, bei dem sich die Bürger in Sachen Stadtentwicklung informieren und einbringen konnten, wurde die Initiative vorgestellt und sei auch dort auf viel positive Resonanz gestoßen, erzählt die Sozialarbeiterin. Innerhalb kurzer Zeit hätten sich zahlreiche Mieter aus neun Liegenschaften der BGH gemeldet und gesagt, dass sie gerne mitmachen und Hühner halten würden. Auch viele andere Bürger seien interessiert gewesen.

Die Nutzung der Ställe wird vertraglich geregelt, auch die Miete dafür. Wie viel fällig wird, ist noch unklar. Weinzettel versichert aber, dass es ein niedriger Betrag sein wird, der irgendwann die Investitionskosten decken soll. Hähne wird es übrigens voraussichtlich nicht geben, auch weil sie für Unruhe und eine zu hohe Lautstärke sorgen würden.

Die Idee zum Halten von Hühnern hatte BGH-Geschäftsführer Jens Gottwald. Für das Projekt komme eine ganze Reihe von Immobilien der Baugesellschaft, die über insgesamt 4100 Wohnungen verfügt, in Frage; auf vielen Arealen sei ausreichend Platz, so Gottwald. Spielplätze und andere wichtige Einrichtungen müssten den Ställen natürlich nicht weichen.

Die BGH hat offenbar einen Nerv getroffen. Der Geschäftsführer berichtet von vielen Anfragen, etwa aus Frankfurt, aber auch aus weiter entfernten Städten. Zuerst, erinnert sich Gottwald, habe er vor allem an die Biomüll-Verwertung gedacht, aber bald die anderen Vorteile erkannt: „Die Halter bekommen lokale Produkte: Eier von Hühnern, denen sie gesundes Futter gegeben haben. Wir holen ein Stück Natur zurück in die Stadt.“ Das sei auch wichtig, um Kindern Wissen zu vermitteln: „Es ist ein generationenübergreifendes Projekt.“

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