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Das Deutsche Goldschmiedehaus samt Museum befindet sich im historischen Rathaus, das laut einer Bauinschrift aus dem Jahr 1538 ist.

Hanau

Goldschmiedehaus Hanau wird saniert

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Die Sanierung im Goldschmiedehaus Hanau läuft noch bis September. Eine Dokumentation über die Goldschmiedegesellschaft im Dritten Reich wird bald veröffentlicht.

Pavel Opocenský musste auf Ende August verschoben werden, andere traf es härter. „Drei Ausstellungen mussten wir ausfallen lassen, aber nur Studioausstellungen“, sagt Christianne Weber-Stöber, Geschäftsführerin der Deutschen Goldschmiedegesellschaft und zuständig für das Museum. Immerhin können Besucher in die großen Ausstellungen - derzeit ohne Eintritt. Der Grund zeigt sich im Foyer und Souterrain. Der noch junge Putz bestimmt die Farbe von Decken und Wänden, durchbrochen von grauen und gelben Kabelenden. Eigentlich hätte die Sanierung schon im Frühjahr beginnen sollen, eine Verzögerung löste die andere ab und so kamen die Handwerker erst am 27. Mai. „Es besteht jedoch ein fixer Zeitplan. Am 11. September ist Wiedereröffnung“, sagt Weber-Stöber.

Der altbackene Charme der späten 1950er Jahre des Wiederaufbaus und der darauffolgenden Renovierungen - zuletzt in den 80er Jahren - ist dann Geschichte. Bleiben werden lediglich der Parkettboden und die Treppe, die im Bogen sanft ins Souterrain führt, das genau betrachtet das Parterre ist, weil sich das Foyer im ersten Obergeschoss befindet. Das Gebäude war bis im 19. Jahrhundert das Rathaus. Das Souterrain, das für Vorträge, Workshops und Schauen genutzt wird, war im Mittelalter die offene Markthalle.

Gründer war 1932 der Juwelier Ferdinand Richard Wilm in Berlin, mit dabei war der Architekt und Designer Peter Behrens.

Nach dem Krieg zog die Gesellschaft nach Hanau, das zuvor als eines der deutschen Schmuckzentren galt.

Im Altstädter Rathaussind seit 1958 der Gesellschaftssitz und das Museum.

Die Innengestaltung wird dem Namen des Hauses gerecht. Gold empfängt den Besucher. Kassentresen und die komplette Beleuchtung werden erneuert. „Alles wird besucherfreundlicher.“ Und die nächste Renovierung ist schon in Planung. Laut Kulturamtsleiter Martin Hoppe soll bald das Geld im Haushalt steht, Gold- und Silbersaal aufgefrischt werden.

Eine andere Baustelle scheint hingegen nunmehr geschlossen zu sein, die Aufarbeitung der Geschichte des Goldschmiedegesellschaft im Dritten Reich. Laut Weber-Stöber wird am 5. September die rund 150-seitige, zweisprachige Dokumentation zur Aufarbeitung vorgestellt. Beauftragt wurde damit die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte Frankfurt. „Es ist eine kritische Auseinandersetzung geworden“, so Weber-Stöber. Es seien Archive auch auf Bundesebene durchforstet worden. Die Goldschmiedegesellschaft, einst mit Sitz in Berlin, soll nach dem Krieg ihre Historie in zwei Aktenordner gepackt haben.

Der renommierte Zürcher Goldschmied Bernhard Schobinger gab 2016 den Anlass zur Geschichtsforschung in eigener Sache. Er verweigerte Annahme des Goldenen Ehrenrings für besondere künstlerische Leitung. Schobinger fand bei Recherche über die Auszeichnung heraus, dass sie an manchen Getreuen der Nazi-Größen vergeben wurde, darunter 1939 an den Goldschmied Borromäus Berthold, Mitglied des nationalsozialistischen Kampfbundes für deutsche Kultur. Er fertigte für Hitler einen „Führerring“. Der Ehrenring der Goldschmiedegesellschaft, der vom vorherigen Preisträger erstellt wird, muss seitdem als einzige Vorgabe den Adler aufweisen. „Ob der Ring weiterhin das Adlermotiv tragen muss, ist offen. Ich glaube aber, dass wir den Ring 2020 wieder verleihen können“, sagt Weber-Stöber.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.goldschmiedehaus.com.

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