Wohnen

Helfer in der Wohnungsnot

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Die Stiftung Lichtblick fungiert in Hanau zunehmend als Vermittler und Untervermieterin.

Die evangelische Stiftung Lichtblick betätigt sich seit drei Jahren verstärkt als Wohnungsvermittler für Menschen, die es ob ihrer Herkunft, ihres sozialen Status oder ihrer finanziellen Situation schwierig haben, eine Bleibe zu finden. Und das offenbar mit Erfolg. Die Stiftung kooperiert mit der Wohnungsgesellschaft Vonovia und der städtischen Baugesellschaft Hanau (BGH), berichtet Jörg Mair, stellvertretender Lichtblick-Geschäftsführer.

Die Stiftung der Marienkirchengemeinde Hanau wurde 1992 gegründet. Zu den sozialen Projekten gehören die Hanauer Tafel, Familienbildung und die Wohnraumhilfe für Menschen, die obdachlos oder davon bedroht sind. Die Situation hat sich auch in Hanau für diese Menschen verschärft, sagt Mair der FR. Zum einen entstünden in der Stadt Neubaugebiete ohne eine Quote günstiger Wohnungen, zum anderem schrumpfe die Zahl dieser Wohnungen, weil die Sozialbindung ausgelaufen ist oder die Häuser Neubauten Platz machen mussten. Mit Wohnungen, die verkauft oder teuer vermietet werden. Wer von Hartz IV lebt, erhält als Einzelperson einen Mietzuschuss in Höhe von 566 Euro (warm), bei Familien sind es 824 Euro, so Mair.

Auch Hanau sei Zuzugsgebiet. Seit 2012 sind rund 11 000 Menschen in die Stadt gezogen, das wirke sich dem Wohnungsmarkt aus, schildert Mair die Situation. In den neuer Quartieren etwa im Stadtteil Wolfgang auf dem einstigen US-Housing-Gelände Argonner Park sei das Angebot auch für Leute mit regulärem Einkommen oft zu teuer.

Lichtblick – Stiftung der Evangelischen Marienkirche Hanau, Am Goldschmiedehaus 1, Telefon: 06181 / 92317-0,

E-Mail: info@lichtblick-in-hanau.de.

Die Kooperation mit der BGH besteht etwa darin, dass Lichtblick Wohnungen mietet und diese untervermietet. Auf diese Weise sollen Vorurteile gegenüber Menschen mit geringem Einkommen oder Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, abgebaut werden, heißt es. Die Untervermietung fungiere überdies als Probezeit für ein späteres direktes Mietverhältnis zwischen Eigentümer und Bewohner. „Manche Bewohner benötigen mehr Zeit als andere. Da muss man dann genau hinschauen, wie viel Hilfestellung der Einzelne braucht, um zu lernen, wie man wohnt und sich richtig verhält. Darin unterstützen wir sie“, berichtet Marion Wegner, stellvertretende Abteilungsleiterin der Wohnraumhilfe in der Stiftung.

Bis 2016 hatte Lichtblick drei Wohnungen bei der BGH gemietet, aktuell sind es 28, heißt es. „Wir erleben die Stiftung Lichtblick als vertrauenswürdigen Partner, der sich bei auftretenden Problemen adäquat um die zu betreuenden Menschen in den Wohnungen kümmert“, bemerkt Uwe-Horst Winter, Prokurist der Baugesellschaft und Vizevorsitzender im Stiftungsrat.

Insgesamt verfügt Lichtblick über 61 Wohnungen, von denen 38 untervermietet sind, die übrigen sind Übergangswohnungen, die an betreute Menschen vergeben werden. Man könne schlecht jemand betreuen, der unter der Brücke lebt, so Mair. Es seien fast ausnahmslos alleinstehende Personen, wie Suchtkranke oder seelische Erkrankte. Zur Untermiete bei Lichtblick wohnten hingegen gegenwärtig viele geflüchtete Familien. Flüchtlinge, die ob ihrer Herkunft etwa aus Syrien sofort eine Duldung erhalten, seien formal auch sofort obdachlos, sagt Mair. Sie hätten mit der Anerkennung die Möglichkeit verloren, vorerst in der Unterkunft für Asylbewerber zu wohnen.

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