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„Alle Kinder müssen gleichbehandelt werden“, fordert Serpil Temiz Unvar. Renate Hoyer
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„Alle Kinder müssen gleichbehandelt werden“, fordert Serpil Temiz Unvar. Renate Hoyer

Hanau

Hanauer Bildungsinitiative Ferhat Unvar: „Wir haben einen Nerv getroffen“

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Die Antirassistische Bildungsinitiative Ferhat Unvar wird ein Jahr alt und fordert eine stabile staatliche Förderung.

Um meinen Sohn Ferhat zu ehren und ein Zeichen gegen Rassismus in Deutschland zu setzen“ – deshalb habe sie die Bildungsinitiative Ferhat Unvar gegründet, sagt Serpil Temiz Unvar. Auch um dazu beizutragen, dass in der Schule „alle Kinder gleichbehandelt werden“. Ihre Zwischenbilanz zum ersten Geburtstag der Initiative fällt überwiegend positiv aus: „Wir haben einen Nerv getroffen.“ Viele junge Menschen, darunter Freund:innen von Ferhat, engagieren sich. Sie geben etwa Antirassismus-Workshops an Schulen, bekommen Anfragen und Spenden aus ganz Deutschland und haben jetzt eigene Räume am Freiheitsplatz. Sorgen bereitet ihnen aber die ungewisse Finanzierung: Dank Spenden aus der Zivilgesellschaft sei die Miete für ein Jahr gesichert, doch es mangele an einer stabilen staatlichen Förderung.

Stattdessen habe es von dieser Seite fast nur warme Worte gegeben. „Wir hoffen, dass die neue Bundesregierung das versprochene Demokratiefördergesetz verwirklicht und Initiativen wie unsere unterstützt“, sagt Temiz Unvar. Das sei eine sehr gute Investition für ein friedliches Zusammenleben. An die Stadt Hanau richtet sie ebenfalls einen Appell: Die Bildungsinitiative brauche einen Posten im städtischen Etat, als Beitrag, um die Anlaufstelle dauerhaft mieten und Mitarbeiter:innen, die bislang ehrenamtlich tätig sind, bezahlen zu können. Für zwei Jahre etwa 200 000 bis 250 000 Euro.

Die initiative

Die Bildungsinitiative Ferhat Unvar wurde von Serpil Temiz Unvar am 14. November 2020 gegründet, dem Geburtstag ihres Sohnes Ferhat. Er gehört zu den neun Menschen, die am 19. Februar 2020 aus rassistischen Motiven ermordet wurden. Die Initiative widmet sich antirassistischer Bildungsarbeit und Empowerment. Sie will das friedliche Zusammenleben und Chancengleichheit fördern – und wird am Wochenende zusammen mit der Initiative 19. Februar mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.

Für Sonntag , 14. November, 14 bis 17 Uhr, lädt die Bildungsinitiative in ihre Räumlichkeiten Am Freiheitsplatz 6 ein. Ab 18 Uhr findet ein kostenfreies Konzert mit Kutlu und BRKN statt. gha

www.bildungsinitiative-ferhatunvar.de

Zum Jahrestag der Initiative fand am Freitag eine Konferenz mit Pressegespräch statt. Dabei ging es vor allem um die Frage, was die Politik gegen Rassismus tun solle. Die Arbeit der Bildungsinitiative sei dringend notwendig, erklärte Naika Foroutan, Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations-und Migrationsforschung an der Berliner Humboldt-Universität. Es gebe zahlreiche Befunde darüber, wie Rassismus zu Ungleichheit schon an Grundschulen führe, wie unterschiedlich Max und Murat bewertet werden. Es sei wichtig, früh zu intervenieren und Schüler:innen zu empowern. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, die mit der Initiative kooperiert, forderte ebenfalls eine solide Förderung. Scharf kritisierte er, dass Projekte wie jenes in Hanau sich oft in einer prekären Situation befänden, während die AfD-nahe Erasmus-Stiftung Millionen bekomme. Das sei eine gefährliche Schieflage. Feinde der Demokratie dürften keinesfalls Steuergeld erhalten; es brauche eine Art TÜV und ein entsprechendes Stiftungsgesetz.

Selmin Çaliskan, Direktorin für institutionelle Beziehungen bei Open Society Foundations, appellierte an die Politik, im Bundestag einen regulären Ausschuss zu schaffen, der sich mit Rassismus und Demokratiestärkung befasse. Darüber hinaus müssten auf diesem Feld aktive Gruppen stärker unterstützt werden. Sie sollten beispielsweise auch politisch Position beziehen dürfen, ohne den Verlust der Gemeinnützigkeit fürchten zu müssen.

Serpil Temiz Unvar will weiterkämpfen und das Angebot ausbauen, etwa Lehrer mehr für Rassismus sensibilisieren, mit Eltern arbeiten und sich mit anderen Initiativen vernetzen. Manche, auch politische Vertreter:innen, hätten am Anfang gedacht, sie würden das Projekt bald wieder beenden. Aber: „Wir geben nicht auf. Wir bleiben dran.“

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