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Auf Leih- und Lesetour lässt es sich mit dem regionaler Bibliotheksausweis Main-Kinzig gehen. 

Hanau/Bruchköbel/Rodenbach

Hanau/Bruchköbel/Rodenbach: Ein Leseausweis statt drei

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Hessens erstes regionales Bibliotheksbündnis geht heute an den Start. Die neue Karte ist teurer, bietet aber Vorteile.

Drei Bibliotheken in drei Kommunen mit einem Leseausweis nutzen, das ist ab dieser Woche möglich. Hanau, Bruchköbel und Rodenbach haben einen Verbund geschlossen und geben Hessens ersten regionalen Leihausweis heraus. Das Angebot soll die Zahl der Ausleihkarten im Portemonnaie reduzieren und dem Nutzer Gebühren sparen. Die Büchereien behalten jedoch ihre Selbstständigkeit.

„Es kommen schon mal Hanauer zu uns“, sagt die Rodenbacher Bibliotheksleiterin Ulrike Schilling. Vermutlich weniger wegen der dortigen Literatur. In der Dorfbücherei gibt es aber etwa den Musikstreaming-Dienst Freegal und viele Gesellschaftsspiele, die die Stadtbibliothek in Hanau nicht vorhält. „Bei uns geht es auch etwas persönlicher zu und dienstagnachmittags gibt es noch Kaffee und Kuchen“, sagt Schilling. Wie groß die Nachfrage nach dem regionalen Leseausweis seien wird, kann sie nicht abschätzen. Aber, nach Bekanntwerden des Vorhabens, habe es bereits erste Anfragen gegeben.

Gleiches berichtet Christine Ambrosi, Leiterin der Bücherei in Bruchköbel. „Wir merken das daran, wenn Besucher versehentlich den Hanauer Leihausweis zücken“, sagt sie. Mit der regionalen Leserkarte fürchtet sie keine Abwanderung zum Nachteil ihrer Bücherei. Laut Ambrosi könnte eher ein Zugewinn entstehen mit den Bewohnern aus dem Hanauer Stadtteil Mittelbuchen, nicht nur wegen der Nähe. Bruchköbel ergänzt den Verbund mit dem elektronischen „Tigerbooks“ für Kinder.

Der Verbund
Die Bibliotheken Hanau (12.000 Nutzer), Bruchköbel (2500) und Rodenbach (1600) zählen zu den Gründern.

Der regionale Leseausweiskostet 30 Euro pro Jahr. Personen bis 18 Jahre, Schwerbehinderte, Hartz-IV-Bezieher sowie Ehrenamts-Card-Besitzer zahlen 15 Euro. Der „Schnupperausweis“ für drei Monate kostet 7 Euro. sun

www.bibliotheken-main-kinzig.de

Aber auch Hanau hat seine Alleinstellungsmerkmale, und die bestehen schon mal im größeren Bestand und in den vor vier Jahren bezogenen schick eingerichteten Räumlichkeiten. 57 Stunden in der Woche ist die Bibliothek geöffnet. Zu den Besonderheiten zählen auch etwa der Zugriff auf Naxos, ein Streaming-Dienst mit überwiegend klassischer Musik, und auf das Munzinger-Archiv. Außerdem steht die Möglichkeit offen, gegen einen geringen Geldbetrag den „Maker Space“ zu nutzen, eine digitale Werkstatt mit Roboterbausätzen, Profi-Fotoprinter und einem 3D-Drucker.

„Die Idee zum regionalen Leseausweis kam von den Lesern. Wir haben nur darauf reagiert“, sagt die Hanauer Bibliotheksleiterin Beate Schwartz-Simon. Was in Hessen noch eine Novität ist, ist anderswo längst kein zartes Pflänzchen mehr. Mit der Metropol-Card im Rhein-Neckar-Gebiet, die bundesweit einzigartig seien soll, kann sich der Inhaber von Eberbach, Bad Dürkheim über Heidelberg bis Mannheim durch 35 öffentliche Bibliotheken und Bücherbusse lesen.

Das Bibliothekbündnis im Main-Kinzig-Kreis soll laut Schwartz-Simon ebenfalls kein geschlossener Zirkel bleiben. Andere Kommunen können immer hinzukommen. Der zunächst kleine Kreis, der sich laut Schwartz-Simon aus der „bisherigen kollegialen Zusammenarbeit ergab“, habe jedoch die Anlaufschwierigkeiten in Grenzen gehalten. „Wegen der drei unterschiedlichen Softwaresysteme und der ebenfalls nicht einheitlichen Regularien gestaltete sich das Projekt kompliziert“, heißt es. Die Buchungs-EDV wurden auf das Lesen eines gemeinsamen Barcodes auf dem Ausweis angepasst. Aber, wer etwa ein Buch in Hanau ausleiht, muss es auch weiterhin dorthin wieder zurückbringen.

Das Gros der Kosten sei mit der Produktion der Werbemittel und vor allem der Karten angefallen, so Schwartz-Simon. Der erwachsene Nutzer zahlt für den neuen Ausweis 30 Euro im Jahr. Das sind sechs Euro mehr als in Hanau die reguläre Lesekarte kostet, die bleiben wird. In Bruchköbel und Rodenbach verdoppelt sich hingegen die Gebühr. Aber auch dort gibt es weiterhin den Leseausweis nur für die Ortsbücherei. Wer bislang zusätzlich den Hanauer Leseausweis besaß, zahlt nun neun Euro weniger.

Glücklicher dürften sich jedoch nur die Nutzer der Rhein-Neckar-Metropol-Card schätzen, sie zahlen nämlich für 35 Bibliotheken mit in Summe 1,9 Millionen Medien nur 24 Euro im Jahr.

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