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Bis 2008 wohnten in der Sportsfield Housing US-Armeeangehörige, seit 2015 werden einige der 22 Häuser für Flüchtlinge genutzt.

Hanau

Wohnen neben Reifenhersteller

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die Rettung der US-Siedlung Sportsfield in Hanau als Wohngebiet scheint immer wahrscheinlicher - trotz Lärm und Geruch der anliegenden Reifenfabrik.

Die Nutzung der 22 Häuser mit 400 Wohnungen der ehemaligen US-Siedlung Sportsfield Housing im Stadtteil Wolfgang als allgemeines Wohngebiet rückt in greifbarer Nähe. Die gemeinsame Arbeitsgruppe von Umweltminister:innen- und Bauminister:innenkonferenz zum Thema „Zielkonflikten zwischen Innenentwicklung und Immissionsschutz“ empfiehlt in ihrem Abschlussbericht eine „Experimentierklausel“ für Wohngebiete mit erhöhter Belastung bei Lärm und Gerüchen. Bei der Sportsfield Housing ist dies mit der Nachbarschaft des Reifenherstellers Goodyear Dunlop Tire gegeben. Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) hatte bereits vor Monaten in einem Schreiben an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Experimentierklausel gefordert, um die Wohnungen nach einer Sanierung zu günstigen Mieten auf den Markt zu bringen. Die Siedlung ist seit 2008 verlassen und wird derzeit zum geringen Teil als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Der Bericht der AG stellt lediglich eine Empfehlung für die beschließenden Gremien dar. Hinsichtlich des nächtlichen Lärms gibt es zudem eine unterschiedliche Auffassung von Umweltminister:innenkonferenz (UMK) und Bauminister:innenkonferenz (BMK). Während das UMK in Gebieten, für die die Experimentierklausel gelten soll, eine Obergrenze von 48 Dezibel (A) vorschlägt, zieht die BMK diese Grenze in Urbanen und Misch-Gebieten bei 55 Dezibel (A), was ein signifikanter Unterschied im Vergleich zum geltenden Limit von 45 Dezibel (A) bedeutet. Wegen der logarithmischen Wahrnehmung von Schall entspricht dies einer Verdoppelung der Lautstärke oder einer Verzehnfachung der Schallquelle – bildlich: statt zehn dürften hundert Autos lärmen.

Hohe Geruchsbelastung

Das Hauptproblem in der Nutzung der Housing besteht in der Geruchsbelastung, die vom Pneuhersteller ausgeht. Der Wert liegt bis zu dreimal so hoch, wie es die Geruchsimmissions-Richtlinie (Girl) für Wohngebiete zulässt und befindet sich damit außerhalb der bauplanungsrechtlichen Abwägung, teilte das Hessische Wirtschaftsministerium im September mit. Die Arbeitsgruppe von UMK und BMK spricht sich für eine Überarbeitung der Girl aus. Es heißt dazu, möglich sei es, einen Zwischenwert aus der „Ortsüblichkeit von Gerüchen in über lange Zeit gewachsenen Gemengelagen“ – hier Housing und Dunlop – zu bilden. Vermutlich wird eine neue Prüfung erforderlich, auch weil Dunlop die Produktion modernisiert. Dabei soll in die Lärm- und Geruchsminderung investiert werden, hieß es auf FR-Anfrage.

Vor einer gültigen Experimentierklausel sind zunächst die Technische Anleitung zum Schutz vor Lärm und von Luft zu novellieren. Der Vorgang liegt nicht nur beim Bund. Zuvor müssen die Länder zu den Entwürfen Stellung nehmen. Auf Nachfrage wurden keine Termine genannt. Laut dem Bericht der AG soll die Experimentierklausel jedoch zeitlich begrenzt gelten, bis Ende 2030.

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